Katholisches Leben Monsignore Franzl wird sich um die Seelsorge in Münchens Altstadt kümmern

02.01.2020

Monsignore Klaus Peter Franzl wird ab Sommer 2020 die Münchner City-Pastoral weiterentwickeln. Er ist voller Tatendrang und freut sich auf die neue Aufgabe. Er sieht darin einen Riesenchance.

Für Monsignore Klaus Peter Franzl ist es wichtig, in der Pastoral auch neue Wege zu gehen.
Für Monsignore Klaus Peter Franzl ist es wichtig, in der Pastoral auch neue Wege zu gehen. © EOM/Klaus D. Wolf

München – Silvester hat er, wie schon seit Jahren, zusammen mit Familie und Freunden verbracht, außerhalb von München. Und natürlich hat er beim Zwölf-Uhr-Glockenläuten auch ein wenig innegehalten, hat das vergangene Jahr dankbar Revue passieren lassen und, mit Blick in die Zukunft, den Herrgott auch um ein gelingendes neues Jahr gebeten: „Das ist natürlich von vielen kirchen- und gesellschaftspolitischen Umständen abhängig, liegt aber vor allem in den eigenen und in Gottes Händen“, sagt Monsignore Klaus Peter Franzl.

Unterschiedliche Traditionen und Prägungen

Aktuell ist der 54-Jährige noch Leiter des Ressorts Personal im Erzbischöflichen Ordinariat, von Sommer 2020 an wird er aber zuständig sein für die Seelsorge innerhalb des Münchner Altstadtrings. Kardinal Reinhard Marx hat Monsignore Franzl mit der Profilierung der Innenstadt-Pastoral in München beauftragt. Eine große Veränderung für ihn persönlich und zugleich eine „reizvolle“ Herausforderung, wie er einräumt: In der Münchner Innenstadt gebe es „die gesamte Bandbreite“ kirchlich-katholischen Lebens und unterschiedlichste Traditionen und Prägungen.

Zahlreiche Kirchen

Das ergibt sich allein schon aus der großen Anzahl markanter Gotteshäuser und zahlreicher Nebenkirchen: Da wären zum einen die traditionsreichen Pfarreien des Doms, von St. Peter und Heilig Geist. Dazu kommen weitere berühmte Kirchen wie St. Michael, wo die Jesuiten ansässig sind, oder die Theatinerkirche St. Kajetan mit den Dominikanern. Die von Touristen viel besuchte Asamkirche gehört dazu, die Dreifaltigkeitskirche, der Bürgersaal mit der Grablege des seligen Pater Rupert Mayer, St. Jakob am Anger mit der Ruhestätte der seligen Theresia Gerhardinger, die Damenstiftskirche mit den Petrusbrüdern und etliche weitere Gotteshäuser, „fast in jeder Seitenstraße steht eines“, umreißt es Franzl.

Wichtige Lebensstationen von Klaus Peter Franzl

Monsignore Klaus Peter Franzl leitet seit 1. Januar 2012 das Ressort Personal im Erzbischöflichen Ordinariat München. Zuvor war Franzl seit Oktober 2009 Finanzdirektor. Er absolvierte zunächst eine Banklehre in Erding, bevor er am Spätberufenenseminar Waldram Abitur machte und anschließend Philosophie und Theologie in München und Innsbruck studierte. Er wurde 1997 von Kardinal Friedrich Wetter in Freising zum Priester geweiht, im Jahr 2000 wurde er Regionalpfarrer in der Seelsorgsregion Süd unter Weihbischof Franz Dietl. Als Stellvertretender Generalvikar leitete Franzl im Auftrag des Erzbischofs unter anderem das Reformprojekt „Dem Glauben Zukunft geben“. 2009 wurde er zum Monsignore ernannt, seit 2007 ist er Domkapitular und Bischöflicher Beauftragter für den Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese.

Unlängst hat er bei einem längeren Abendspaziergang durch die Altstadt die meisten inspiziert. Für ihn steht fest: „Wir wollen hier künftig nicht vereinheitlichen, die einzelnen Orte sollen ihre Traditionen bewahren, sich mit diesen aber nicht abkapseln, sondern sich in ein pastorales Konzept für die Innenstadt einbringen.“ Es werde bereits überall gute Arbeit geleistet, nur fehle manchmal noch hier und da der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, der Blick auf den anderen. Deswegen wolle er in das Projekt City-Pastoral neben den Pfarreien mit ihren gewählten Gremien, den Orden und geistlichen Gemeinschaften auch etliche Dienste und Institutionen wie die Münchner Insel am Marienplatz, das Münchner Bildungswerk oder die Tourismusseelsorge mit einbinden und mit den dortigen Haupt- und Ehrenamtlichen das Gespräch suchen. Auch die an vielen Orten profilierte Kirchenmusik gehöre dazu, genauso die großen Kunst- und Kulturprojekte, die sich in den vergangenen Jahren etwa in der Heilig-Geist-Kirche etabliert hätten.

Lanhfristiger struktureller Prozess

Viele weitere Ideen schließen sich unmittelbar an: Wie kann eine eigene Homepage und eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit aussehen? Soll es künftig ein Jahresmotto geben, unter das man die City-Pastoral stellen will? Wie ist man zu den geprägten Zeiten sichtbar und präsent? Spannende Fragen, und Franzl scheint sich wirklich auf seine neue Aufgabe zu freuen, wenn man ihm beim lauten Denken und Pläneschmieden zuhört. Keiner müsse befürchten, dass sich mit seinem Dienstantritt schlagartig die Welt verändere, beugt Franzl allen Ängsten vor. Vielmehr sei alles ein langfristiger struktureller Prozess, man müsse langsam und step-by-step lernen, dass es in Zukunft nur gemeinsam gehe.

Anpacken und gestalten

Cityseelsorge bedeutet für Franzl vor allem, „mit der Stadtgesellschaft in einer der lebendigsten Metropolen Europas ins Gespräch zu kommen und in einem urbanen Kontext niederschwellige spirituelle Angebote in zu schaffen, um den Menschen so eine Gottesbegegnung zu ermöglichen“. Es werde eine spannende Frage, ob dies in den nächsten Jahren gelinge. Sein Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern soll bis Herbst stehen, vor allem Verwaltungsleiter wird er benötigen, um den Rücken ein wenig frei zu haben. Welchen offiziellen Titel Franzl führen und wo sich sein Büro befinden wird – wahrscheinlich fürs Erste im Haus des Dompfarramts am Frauenplatz –, das sei Zukunftsmusik und für ihn nicht das wichtigste Anliegen. Monsignore Franzl will anpacken und gestalten.

Offen auf Menschen zugehen

Klar freue er sich auch auf pastorale Aufgaben und er wolle natürlich auch unmittelbar in der Seelsorge der Pfarreien wirken, vor allem nach 20 Jahren in der Verwaltung. Dennoch sieht er seine Hauptaufgabe vor allem darin, neue Konzepte zu entwickeln und Motor zu sein für die anstehenden Veränderungs- und Gestaltungsprozesse. Hierfür will er „alle mit ins Boot holen, niemanden verprellen, sondern offen auf die Menschen zugehen und für die Idee der City-Pastoral werben. Gemeinsam wollen wir uns auf die Suche machen und etwas entwickeln. Das ist eine Riesenchance.“

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

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