Seelsorger auf Kreuzfahrt Monsignore Sauer hat ein offenes Ohr für Urlauber

16.08.2017

Der geistliche Direktor der katholischen Journalistenschule ifp hat normalerweise viel mit jungen Menschen zu tun. Im Sommer ist das anders. Da geht er manchmal an Bord eines Kreuzfahrtschiffs, als Seelsorger.

Das Kreuzfahrtschiff Albatros vor der Küste Norwegens.
Das Kreuzfahrtschiff Albatros vor der Küste Norwegens. © imago

München – Ein Kontrastprogramm nennt Monsignore Wolfgang Sauer seine Tage an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Im Alltag hat der geistliche Direktor des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München vor allem mit jungen Journalistenschülern zu tun. Auf dem Schiff, ist es eher die ältere Generation, die sich so eine Reise auch leisten kann, so der Kreuzfahrtseelsorger. Seelsorge auf einem Kreuzfahrtschiff sei eine völlig andere Art der pastoralen Arbeit, meint Monsignore Wolfang Sauer. Durch einen Zufall ist er dazu gekommen. Er hat sich auf eine Anzeige gemeldet und ist dann 2014 zum ersten Mal an Bord gegangen. Mit der Albatros ging es zum Nordkap. Im vergangene Jahr war er dann in der Ostsee unterwegs: Stockholm, Kopenhagen, St. Petersburg. Klingt fast wie Urlaub, ist es aber nicht, so der Seelsorger. Schließlich sei man rund um die Uhr für die Gäste an Bord ansprechbar.

Motiv: Neugier

Aber wie funktioniert Seelsorge an Bord eines Schiffes? Das wollte auch ifp-Direktor rausfinden. Ist es ein Luxusformat für die Superreichen und Schönen, die sich „seelsorgerisch bedienen“ lassen? Auf die Frage hat der Kreuzfahrtseelsorger ein klares Nein. Früher hatte er solche Vorurteile auch im Kopf und hat auf Kollegen, die das gemacht haben mit einer gewissen Skepsis geschaut, heute ist das anders. Sauer kommt sich manchmal auf dem Schiff vor wie Apostel Paulus, der auf Missionsreise ist und sich erst seine Gemeinde suchen muss. Es gibt keine Kirche und keinen Kirchturm, die man als Location anbieten kann, sondern der Seelsorger muss sich seine Leute erst zusammensammeln.

Monsignore Wolfgang Sauer im Gespräch mit Passagieren.
Monsignore Wolfgang Sauer im Gespräch mit Passagieren. © privat

Seelsorge geht auch am Pool mit einem Caipirinha

Als Kreuzfahrtseelsorger sollte man immer ansprechbar sein. Egal ob morgens im Aufzug oder abends nach dem Essen. Es gäbe aber auch gemütliche Momente, so der Geistliche: „Man kann ja auch, wenn man einen Caipirinha trinkt, Seelsorge machen. Das hat der liebe Gott nicht verboten.“ Und das funktioniere auch ganz gut. Er biete an Bord alles an, vom niederschwelligen Angebot bis zur Eucharistiefeier: „Du musst alles anbieten und hoffen, dass Gott dir entsprechende Seelen ins Netz spült.“

Ökumene pur

Auf dem Kreuzfahrtschiff sei es eine durch und durch ökumenische Situation, meint der Seelsorger. Es würden aber auch viele Leute kommen, die mit Kirche überhaupt nichts am Hut hätten, aber neugierig seien. Außerdem kämen auch schnell sehr persönliche Botschaften ins Spiel, so Sauer. Diese Sondersituation „Urlaub“, in der die Menschen lockerer sind als im Alltag, sei auch pastoral förderlich, trotzdem müsse er sehr diskret und mit einer hohen seelsorgerlichen Sensibilität mit den Menschen umgehen.

Seelsorger ist auch für die Crew da

Ein Schiff besteht eigentlich aus zwei Teilen, meint Monsignore Wolfgang Sauer. Zum einen sind da die Touristen und zum anderen die Crew unter Deck. Auch für sie, die zum Teil aus Ländern wie den Philippinen oder Indonesien kommen, hat der Seelsorger einen eigenen Gottesdienst angeboten, auf Englisch. Weil die Mitarbeiter so lange arbeiten müssen, war das erst um Mitternacht möglich. „Es war anrührend, weil ich gesehen, habe, wie gut es ihnen getan hat. Einige hatten Tränen in den Augen.“ Die spannenden Einblicke auf dem Schiff haben dem Seelsorger überzeugt wieder mitzureisen. Im kommenden Sommer ist Monsignore Wolfgang Sauer dann wieder als Kreuzfahrtseelsorger an Bord.

Die Autorin
Andrea Wojtkowiak
Radio-Redaktion
a.wojtkowiak@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

© privat

Urlaubsvertretungen in der Erzdiözese „Servus. Habedere!“

Während der Sommermonate vertreten in der Erzdiözese München und Freising wieder 150 Priester aus der ganzen Welt ihre bayerischen Kollegen.

05.09.2017

© SMB/sschmid

Kita Radio Sendung vom 8. August: Macht der liebe Gott auch Urlaub?

Die einen fahren nach Italien, die anderen nach Österreich oder wieder andere fliegen nach London. Aber fährt eigentlich auch der liebe Gott in den Urlaub ?

08.08.2017

© Maksim Toome-fotolia.com

So vermeiden sie Ärger im Urlaub Endlich Sommerferien - schon Streit

Endlich ist es in Bayern soweit: Sommerferien. Für die meisten Familien heiß ersehnt, doch in den Ferien kracht es auch besonders häufig – Tipps um Streitigkeiten zu vermeiden finden Sie hier:

29.07.2017

Egal ob Fluggäste, Stewardess, Pilot oder Flughafenmitarbeiter bei der ökumenischen Flughafen-Seelsorge wird jedem Geholfen.
© imago

Der Münchner Flughafen wird 25 Flughafen-Seelsorger sind Ansprechpartner für Alle

Ob bei einer verlorenen Geldbörse, bei Sorgen oder auf der Suche nach Stille – Flughafen-Seelsorger versuchen, immer zu helfen. Pastoralreferent Franz Kohlhuber hat uns von seinem abwechslungsreichen...

18.05.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren