Hilfswerke München: Kein Mensch muss auf Straße schlafen

14.12.2018

In München sind derzeit rund 9.000 Menschen als wohnungslos gemeldet. Bei Kälte draußen übernachten müsse laut Wohnungslosenhilfe aber eigentlich keiner von ihnen.

Rund 9.000 Menschen sind derzeit in München als wohnungslos gemeldet.
Rund 9.000 Menschen sind derzeit in München als wohnungslos gemeldet. © srdjan - stock.adobe.com

München – In der bayerischen Landeshauptstadt muss nach Ansicht des Münchner Netzwerks Wohnungslosenhilfe derzeit kein Mensch auf der Straße schlafen. Die Situation verschärfe sich zwar, aber dennoch hielten Stadt und soziale Träger gute Angebote vor und bauten diese aus, heißt es in einer in dieser Woche veröffentlichten Erklärung. Das "deutschlandweit einzigartige und bereitgefächerte Angebot" der Wohnungslosenhilfe in München sollte nicht infrage gestellt werden.

In München sind derzeit laut Mitteilung rund 9.000 Menschen als wohnungslos gemeldet. Etwa 550 lebten obdachlos auf der Straße. Zudem seien rund 1.700 Kinder in Beherbergungsbetrieben, Notquartieren und Clearinghäusern untergebracht. Der aufgeheizte Wohnungsmarkt und das Fehlen von bezahlbarem Wohnraum stellten die Wohnungslosenhilfe vor immer größere Herausforderungen.

Schwierige Bedingungen?

Das Problem sei ein gesamtgesellschaftliches, das auch nur gemeinsam gelöst werden könne, erklärte das Netzwerk. Die Einstellung "in München muss mehr (sozial) gebaut werden, aber bitte nicht vor meiner Haustür" oder "in München muss mehr für sozial Benachteiligte getan werden, aber bitte nicht nebenan" helfe keinem weiter.

Anlässlich der jüngsten Räumung von Plätzen unterhalb der Wittelsbacher- und Reichenbachbrücke sei von schwierigen Bedingungen in den Sofortunterbringungseinrichtungen gesprochen worden. Diese hielten viele Obdachlose davon ab, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Netzwerk erklärte dazu, dass in den meisten Einrichtungen der Sofortunterbringung ein Aufenthalt auch tagsüber in einem eigenen abschließbaren Raum gegeben sei. Auch Koch- und Waschgelegenheiten würden in den meisten Fällen vorgehalten.

Vorbereitung auf eigenständiges Leben

Eine Absage erteilte das Netzwerk der Idee, Kunststoff-Iglus anzuschaffen. Solche oder ähnliche Maßnahmen sorgten dafür, dass sich die Situation von Obdachlosen verstetige. Ziel sei aber, die Menschen zu motivieren, Hilfe in Anspruch zu nehmen, und sie wieder auf ein eigenständiges Leben in der Mitte der Gesellschaft vorzubereiten. Wichtig sei, dass neben der Unterbringung auch Beratung erfolge, um zu sehen, ob und wie an der Lage der Betroffenen etwas geändert werden könne.

Im Münchner Netzwerk Wohnungslosenhilfe haben sich eine Reihe von sozialen Trägern, unter anderem der Katholische Männerfürsorgeverein München, zusammengeschlossen. Sie wollen Ressourcen bündeln und den Anliegen wohnungsloser Frauen, Männer und Familien in der Öffentlichkeit mehr Gehör verschaffen. Die Schirmherrschaft hat die Frau des Oberbürgermeisters, Petra Reiter, übernommen. (kna)

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