Zum Tod von Altabt Odilo Lechner Münchens bekanntester Benediktiner

03.11.2017

50 Jahre lang schrieb der in der Nacht zum Freitag verstorbene Altabt von Sankt Bonifaz für die Münchner Kirchenzeitung. Ein Paulus-Wort habe ihm dabei stets als Richtschnur gedient.

Odilo Lechner OSB (1931-2017)
Odilo Lechner OSB (1931-2017) © Kiderle

München – Es war eine berührende Szene, als sich am Abend des 27. Dezembers vergangenen Jahres, beim Gottesdienst in St. Bonifaz, die Gläubigen erhoben und lang anhaltenden Applaus spendeten für Altabt Odilo Lechner. Schmal und zerbrechlich, auf den Rollator gestützt, hatte er den Dankgottesdienst zu seinem 60. Priesterweihejubiläum gefeiert. Nun stand Münchens bekanntester Benediktiner auf seinen Abtstab gestützt und lächelte still und fein – jenes Lächeln, das man all die Jahrzehnte her von ihm kannte. Jeder spürte die Besonderheit des Augenblicks. „Du bist uns kostbar und wertvoll“ hatte Abt Johannes Eckert gesagt und somit der allgemeinen Stimmung Ausdruck verliehen.

Wie kostbar und wertvoll der Altabt von St. Bonifaz in München und Kloster Andechs den Menschen war, spürt man nun, da er nicht mehr unter uns weilt: In der Nacht von 2. auf 3. November ist Altabt Odilo Lechner (86) nach langer und tapfer ertragener Krankheit verstorben, eine Ära ist damit zu Ende gegangen.

Sonntagskind

Der gebürtige Münchner Hans Helmut Lechner – er war, wie er immer mit Stolz erzählte, ein „Sonntagskind“ war eine große und prägende Persönlichkeit für die Katholiken in seiner Heimatstadt, im Erzbistum und weit über die Bistumsgrenzen hinaus, ein Seelsorger und Menschenfreund, verwurzelt in der Spiritualität seines Ordensgründers Benedikt von Nursia.

1952 war Lechner bei den Benediktinern eingetreten und hatte den Ordensnamen Odilo erhalten. 1964, 33 Jahre jung, übernahm er von Abt Hugo Lang die Leitung der Abtei und lenkte bis 2003 ihre Geschicke. „Dilatato corde – Mit weitem Herzen“ lautete sein Wahlspruch aus der Regel des heiligen Benedikt.

St. Bonifaz wurde unter ihm zu einem Ort der Begegnung, des Gesprächs und des Austausches, der Sorge für die Armen und Obdachlosen. Wer sich mit Altabt Odilo unterhielt, spürte immer ein echtes Interesse, freundliche Neugier und große Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Bis zuletzt war der Mönch als Gesprächspartner und eifriger Buchautor gefragt.

Eine Auflistung seiner Bücher finden Sie im Onlineshop des Sankt Michaelsbunds.

Über Jahrzehnte war Odilo Lechner auch dem Sankt Michaelsbund verbunden, war Mitglied im Diözesanverband. 50 Jahre lang schrieb er auch für die Münchner Kirchenzeitung (MK), die er sehr schätzte. Im Interview sagte er einmal, es sei ihm in all seinen Texten stets „ein Herzensanliegen“ gewesen, „die Kunde von Jesus, von der Frohen Botschaft weiterzugeben“. Das Paulus-Wort „Helfer zu Eurer Freude“ (2 Kor, 1,24) habe ihm dabei als Richtschnur gedient.

In einem seiner letzten Texte für die MK vom 8. November 2015 schrieb Odilo über den Nebel, den er oft von Kloster Andechs aus unten im Herrschinger Tal sah und in dem das Einzelne und auch alle Verschiedenheiten und Gegensätze in der grauen Einheit aufgehoben seien. Er deutete es als ein Bild für den Ewigen: „Die Wolke, der Nebel lässt uns erahnen, dass die einzelnen Ereignisse in der Zeit zu einem größeren Ganzen gehören, in dessen Geheimnis auch wir geborgen sind.“ Nun hat er dieses Ziel seiner irdischen Pilgerschaft erreicht.

Altabt Odilo Lechner wird uns fehlen.

 

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

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