Freiwilligendienst im Ausland Münchner Abiturientin geht nach Indien

01.09.2017

Lena Wolf hatte sich vorgenommen, nach dem Abitur nicht nur zu reisen, sondern auch etwas Sinnvolles zu tun. Nun geht sie für ein Jahr als „Don Bosco Volunteer“ nach Indien.

Lena Wolf hat als Ministrantin, Pfadfinderin und Gruppenleiterin bereits Erfahrung im Umgang mit Kindern gesammelt. © privat

Schon während meiner Schulzeit war mir klar: Nach dem Abi willst du weg. Nicht nur zum Studieren in eine andere Stadt, sondern weit weg.“ Lena Wolf wusste also noch nicht genau wohin, Hauptsache in ein anderes Land, eine andere Kultur, fernab von allem Vertrauten. „Und am besten nicht nur reisen, sondern gleichzeitig etwas Sinnvolles machen“, das schwebte der 18-Jährigen vor. Lena Wolf, die am Maria- Ward-Gymnasium Nymphenburg der Erzdiözese in München gerade erst ihr Abitur gemacht hat, kann es noch immer gar nicht fassen, dass ihre anfängliche Idee so schnell Form angenommen hat. Am 3. September wird sie schon im Flugzeug Richtung Indien sitzen, wo sie als „Don Bosco Volunteer“ in Vijawada einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst leistet.

„Im Oktober letzten Jahres habe ich mich bei den Don Bosco Volunteers beworben, wurde zu einem Informations- und Bewerbungswochenende eingeladen und jetzt beginnt dann bald das wahrscheinlich aufregendste Jahr meines Lebens“, freut sich die Abiturientin. Obwohl ihr die Vorbereitungsseminare unglaublich geholfen haben, benötige man zusätzlich eine gehörige Portion Mut, Neugier und Offenheit sowie Spontanität und wohl auch Verrücktheit, um als Don Bosco Volunteer durchzustarten.

Über den Tellerrand hinausblicken

Diese Eigenschaften wird die Pasingerin auch brauchen, denn Indien ist ein Land, in dem trotz großen Fortschritts noch eine Menge in Sachen Bildung, aber auch Gleichberechtigung geschehen muss. „Aber genau diese Herausforderung stärkt mich so sehr. Ich kann über meinen Tellerrand hinausblicken, nicht nur Tourist sein, sondern an einem wichtigen Projekt mitarbeiten und hoffentlich einen Beitrag, wenn auch nur einen winzig kleinen, leisten“, erklärt Lena. Die Don Bosco Mission habe viele verschiedene Einrichtungen, um gegen Missstände anzukämpfen und Kindern und Jugendlichen die Chance eines würdigen und selbstbestimmten Lebens zu geben. Außerdem sei Indien mit Deutschland kaum vergleichbar. Auch das war es, was sie gereizt habe, erzählt Lena: „Etwas völlig Neues ausprobieren, Menschen kennenlernen, die eine andere Sichtweise auf bestimmte Dinge haben, aber auch akzeptieren, dass man sich dort zum Beispiel an die Kleidungsvorschriften, die für deutsche Verhältnisse streng erscheinen mögen, anpassen muss.“

Mehr über den Freiwilligendienst von Lena Wolf in Indien erfahren Sie in ihrem Blog.

Alles in allem ist Lena total gespannt und neugierig, was sie in Südindien erwarten wird. Aber natürlich ist auch etwas Angst mit im Spiel. Angst davor, sich nicht zurechtzufinden oder keine Bezugsperson zu haben. „Aber ich kann darauf vertrauen, dass mich nicht nur meine Eltern und Freunde das Jahr unterstützen werden, sondern auch Gott immer für mich da sein wird und mich auch durch die schwierigen Zeiten begleitet“, ist die 18-Jährige überzeugt. Vor allem aber nehmen ihr Eltern und Freunde vieles von ihrer Unsicherheit, da sie vollkommen hinter ihr stehen und ihren Mut bewundern, „auch wenn alle anfangs erst mal geschluckt haben“, lacht sie. Viele ihrer Freunde seien aber selber eine längere Zeit im Ausland. „So machen wir alle dieses Jahr unsere eigenen Erfahrungen und ich freue mich schon riesig darauf, zurückzukommen und die anderen wiederzusehen und Erlebnisse auszutauschen.“ Allerdings sei es schon schwer, die Jugendgruppe oder den Sportverein zu verlassen. Lena bedauert, dass sie bestimmte Aktionen nur auf Fotos in den sozialen Netzwerken miterleben wird. Angst, etwas zu verpassen, hat sie auch bei ihrer Familie, „aber ich glaube, danach wird es umso schöner sein, alle wieder in den Arm nehmen zu können“.

Zeit, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen

Auch in Indien wird Lena nicht alleine sein. Wohnen wird sie mit ihren Mitvolontären neben den Ordensbrüdern, die die Einrichtung leiten. Was genau sie bei ihrer Arbeit erwartet, weiß sie noch nicht, nur, dass Schulunterricht genauso zu ihren Aufgaben gehören wird wie die Freizeitgestaltung für Kinder oder das Vorbereiten größerer Aktionen. „Der wohl wichtigste Aspekt, der auch schon in der Pädagogik Don Boscos verankert ist, wird aber die Zeit sein, die ich einfach so für die Kinder da sein kann“, weiß die Münchnerin und erklärt: „Manchmal hilft schon ein offenes Ohr, jemand, der einen in den Arm nimmt und einfach Zeit hat für die Kinder und Jugendlichen, die oft keine Familie mehr haben.“ Ihrer Meinung nach ist das sogar eine der wichtigsten Rollen, die sie als Volontärin einnehmen wird. Lena war bereits jahrelang bei den Ministranten und Pfadfindern aktiv und hat auch eine eigene Jugendgruppe geleitet. Dadurch hat sie viel gelernt, was ihr bestimmt auch bei diesem neuen Freiwilligendienst helfen wird.

„Da auch in Indien Religion eine große Rolle spielt, hoffe ich, dort die Zeit zu finden, mich mit meinem Glauben auseinanderzusetzen.“ Sie freut sich schon besonders darauf, zu sehen, wie in Indien drei große Religionen neben- und miteinander gelebt werden. „Ich glaube, dass mich das Jahr in meinem Gottvertrauen ungemein stärken wird, da es mir zeigt, dass ich mit seiner Hilfe mehr schaffen kann, als ich mir vermutlich selbst zutraue.“

Und nach Indien? Was sind ihre Ziele, wenn sie schließlich wieder in Bayern angekommen ist? „Das Gefühl, jetzt eine Entscheidung über einen späteren Beruf treffen zu müssen, ist noch ziemlich fern. Eine Überlegung aber war es, Sonderpädagogik zu studieren.“ Lena hofft, in diesem Jahr Zeit zu haben, sich selbst besser kennen zu lernen, in sich hineinzuhören und herauszufinden, ob dieses Berufsfeld das Richtige für sie ist. Eins aber weiß sie ganz bestimmt, egal, wo sie gerade ist oder was sie gerade macht, Gott wird immer in ihrer Nähe sein – auch am anderen Ende der Welt.(Patricia Hofmann)

Don Bosco Volunteers
Einsatzregionen: Afrika, Asien, Ost- und Westeuropa, Südamerika
Dauer des Dienstes: 12 Monate
Alter der Freiwilligen: 18 bis 28 Jahre
Bewerbungsschluss: 31. Oktober
Art der Tätigkeiten: zum Beispiel Organisieren von Freizeitaktivitäten, Nachhilfe, Gestalten von Festen, Feiern und Begegnungen, Durchführung von Exkursionen

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Freiwilligendienst

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