Voll digital versammelt Münchner Diözesanrat tagt zum ersten Mal online

13.03.2021

Seit Jahrzehnten trifft sich das höchste Laiengremium im Erzbistum München und Freising im Frühjahr zu einer Vollversammlung. Die Corona-Pandemie hat dieses Mal ein digitales Treffen nötig gemacht. Ein Erfahrungsbericht.

Bildschirmpräsenz: Katharina Vogt vom Vorstand des Diözesanrats moderiert die erste digitale Vollversammlung in der Geschichte des Gremiums.
Bildschirmpräsenz: Katharina Vogt vom Vorstand des Diözesanrats moderiert die erste digitale Vollversammlung in der Geschichte des Gremiums. © SMB/Bierl

München - Das gab´s noch nie: direkt vom oder sogar am Frühstückstisch in die Vollversammlung des Diözesanrats des Erzbistums München und Freising. Wenn das Gremium sonst zusammentritt, setzt sich ein ganzer Fuhrpark in Bewegung, dieses Mal genügt es einen Link anzuklicken. Es funktioniert auch sofort. Beim einen oder anderen Teilnehmer hilft noch die Tochter oder der Sohn, aber nur ganz zu Beginn. Mit dem Programm Zoom kommen alle schnell zurecht. Entweder weil viele es schon kennen, oder ganz schnell verstehen. Bestimmt zahlt es sich jetzt auch aus, dass die Geschäftsführung einige Tage zuvor zu einem Übungsabend eingeladen hat, an dem rund 50 Delegierte teilgenommen haben. Die in der Tagesordnung angesetzte Arbeit in Kleingruppen stürzt ebenfalls nicht ab, und der Austausch ist nicht weniger anregend als sonst.

Gymnastik bei ausgeschalteter Kamera

Und gegenüber den Präsenztreffen hat die digitale Vollversammlung einen orthopädischen Vorteil: der Teilnehmer kann seine Kamera abschalten und jederzeit ein paar Kniebeugen machen, wenn der Rücken vom vielen Sitzen steif geworden ist. Wer sich bei seinen Gymnastikübungen Zuschauer wünscht, kann die Kamera auch eingeschaltet lassen, tut aber keiner. Ein bisschen einsam ist eine solche digitale Vollversammlung aber zur Mittagszeit oder bei den Kaffeepausen. Kein Plausch jenseits der Tagesordnung, kein vertrauliches Gespräch zu zweit oder zu dritt. Allein mit dem Rechner das Mittagessen einzunehmen ist bei einer Tagung öd und fad. Nicht einmal über technische Fehler oder schlechte Vorbereitung kann man sich aufregen. Die Geschäftsführung muss viele Tage und auch vielleicht sogar Nächte damit verbracht haben, alles perfekt zu organisieren.

Diözesanrat kann auch digital

Dafür heimst sie zu Recht viele Komplimente ein. Sogar die digitalen Abstimmungen der 140 Teilnehmer klappen reibungslos, obwohl für die zu beschließenden Satzungsordnungen eine Zweidrittelmehrheit erreicht werden muss. Die kommt spielend zustande, weil auch dieses Programm leicht zu bedienen ist. Also, der Diözesanrat kann auch digital. Im Chat schreibt ein anwesender Kommunalpolitiker, dass es die beste Online-Tagung war, die er bisher erlebt hat. Und das waren in den vergangenen Corona- Monaten ziemlich viele.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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