Zur Missbrauchskrise in der Kirche Münchner Erzbistum sieht sich in Aufarbeitung bestätigt

12.09.2018

Bundesweit 3.677 Opfer sexueller Übergriffe in den Jahren von 1946 bis 2014: Medienberichten zufolge ist das das Ergebnis der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz. „Erschütternd und schrecklich“ sind die Zahlen für den Sprecher des Erzbistums München und Freising.

Die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz wird Ende September offiziell veröffentlicht.
Die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz wird Ende September offiziell veröffentlicht. © takasu - stock.adobe.com

München – Das Erzbistum München und Freising hat auf die vorab bekanntgewordenen Ergebnisse einer neuen Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz reagiert. Der Pressesprecher Bernhard Kellner, nannte diese am Mittwoch "erschütternd und schrecklich". Sie bestätigten aber die Untersuchung, die bereits vor acht Jahren im Dezember 2010 bezüglich des Erzbistums vorgestellt worden war. Damals waren in dessen Auftrag mehr als 13.200 Personalakten von einer externen Kanzlei ausgewertet worden. Die Bilanz sei, so Kellner, noch immer im Internet einsehbar.

Schon seinerzeit seien als Mechanismen "Vertuschung", "Versetzung" und ein "Versagen des Verwaltungshandelns" dokumentiert worden, erinnerte der Sprecher. Die Anwälte hätten vor allem auch die lückenhafte Aktenführung moniert. All dies habe das Erzbistum damals tief getroffen. Seither habe es aber Konsequenzen gegeben. So sei eine moderne, rechtskonforme Verwaltung aufgebaut worden, in der Prozesse und Abläufe nun nachvollziehbar seien. Außerdem sei das Leid der Opfer anerkannt worden, auch Zahlungen seien erfolgt.

E-Learning-Programm und Kinderschutz-Zentrum

Ebenfalls verstärkt wurden laut dem Sprecher die Präventionsmaßnahmen. Ein mit der römischen Universität Gregoriana entsprechend entwickeltes E-Learning-Programm müsse nun jeder pastorale Mitarbeiter durchlaufen. Auch in der Ausbildung werde darüber gesprochen. Ins Leben gerufen worden sei mithilfe von Mitteln des Erzbistums in München zudem das "Centre for Child Protection", das mittlerweile seinen Sitz in Rom habe. Kardinal Marx habe das Thema Missbrauch immer wieder national und weltweit zur Sprache gebracht, betonte Kellner. Diesem müsse sich die Kirche, aber auch die Gesellschaft insgesamt immer wieder aufs Neue stellen.

Bernhard Kellner ist Sprecher von Kardinal Reinhard Marx.
Bernhard Kellner ist Sprecher von Kardinal Reinhard Marx. © EOM

Studie wird in Fulda vorgestellt

Medienberichten zufolge sollen werden in der Studie bundesweit insgesamt 3.677 Opfer sexueller Übergriffe von mindestens 1.670 Priestern und Ordensleuten in den Jahren von 1946 bis 2014 genannt. Die Bischöfe wollen die umfangreiche Untersuchung am 25. September bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda vorstellen. Der "Spiegel" beruft sich auf eine dem Magazin vorliegende Zusammenfassung der Ergebnisse. Laut offizieller Kriminalstatistik werden in Deutschland jedes Jahr rund 12.500 Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen bekannt.

Für die Langzeit-Studie der kirchlichen Fälle sind laut "Spiegel" mehr als 38.000 Personal- und Handakten aus allen 27 deutschen Bistümern ausgewertet worden. Die Opfer seien überwiegend männliche Minderjährige, mehr als die Hälfte von ihnen zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre gewesen. In etwa jedem sechsten Fall sei es zu einer Form von Vergewaltigung gekommen. Drei Viertel aller Betroffenen hätten mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung gestanden.

Papst ruft Treffen ein

Papst Franziskus will sich im Februar mit den Chefs der weltweiten katholischen Bischofskonferenzen im Vatikan über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche beraten. Das Treffen "zum Thema Kinderschutz" finde vom 21. bis 24. Februar im Vatikan statt, sagte die vatikanische Vizesprecherin Paloma Garcia Ovejero am Mittwoch bei einem Pressebriefing. Es ist das erste Mal, das Papst Franziskus die Leiter aller Bischofskonferenzen zum Thema Missbrauch versammelt. (kna)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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