Mit neun Kindern nach Kapstadt Münchner Familie geht auf Mission nach Südafrika

06.08.2018

Sie haben eine schöne, zentrale Wohnung, ein gesichtertes Einkommen, die Kindern gehen zur Schule oder studieren. Die Familie Hochhäusler aus München ist zufrieden. Trotzdem gehen sie jetzt in die Mission nach Südafrika, weil Gott sie dorthin führt.

Mir neun Kindern geht das Paar Hochhäusler im September in die Mission nach Südafrika.
Mir neun Kindern geht das Paar Hochhäusler im September in die Mission nach Südafrika. © SMB/sschmid

München – Mission in Südafrika – für die Familie Hochhäusler begann das mit einem Zufall oder Gottes Fügung: Als die Auslosung der Plätze war, wollten Ursula (53) und Wolfgang Hochhäusler (51) eigentlich ihre Silberhochzeit feiern - mit 150 Gästen. Recht spontan entschlossen sie sich das Fest zu verschieben, um bei der Auslosung der „Missio a gentes“ im italienischen Porto San Giorgio dabei zu sein. Die „Missio a gentes“ ist ein Missionsdienst. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Neokatechumenalen Weges hat Papst Franziskus dabei insgesamt 200 Familien als Missionare (“Missio a gentes”) in verschiedene Städte der Welt entsandt.

Kapstadt mit Zweifeln

„Als das Los für Südafrika auf uns fiel“, erzählt Ursula Hochhäusler, „haben wir das auch als Zeichen gesehen. Gott hat uns 25 Jahre in unserer Ehe begleitet – es waren wahrlich nicht immer leichte Zeiten. Jetzt am Tag der Silberhochzeit möchte Gott, dass wir etwas Neues ausprobieren, in die Mission gehen“ Aber die Hochhäuslers, das sind nicht nur Ursula und Wolfgang. Das Paar hat zehn Kinder im Alter von 6 bis 25 Jahren. Ganz wichtig war der Großfamilie immer: Alle oder keiner gehen nach Südafrika. Der älteste Sohn steht selbst schon im Berufsleben, der bleibt da. Die anderen haben Wolfgang und Ursula Hochhäusler einzeln gefragt, ob sie mitgehen würden. Die Mutter gibt zu, dass sie insgeheim immer wieder gehofft hatte, dass einer „Nein“ sagt.

Sie hat große Bedenken; was die Zukunft in Südafrika angeht: „Es ist eine Berg- und Talfahrt. Ich bin voller Angst. Vor Pfingsten hatte ich so viel Angst, das wir gesagt haben, wir können das nicht machen.“ Damals half ihre Gemeinschaft. Der Neokatechumenale Weg schenkte dem Paar einen Flug nach Kapstadt, damit sie sich das genauer anschauen konnten. Dort trafen sie Erzbischof Stephen Brislin und sogar Kardinal Reinhard Marx, der dort gerade zu einem Besuch war. Im Rahmen eines Gesprächs segnete Kardinal Marx das Ehepaar Hochhäusler und unterstrich die Bedeutung ihrer missionarischen Präsenz in Südafrika. Fast wichtiger war aber noch, dass das Paar andere Missionarsfamilien kennenlernten. Ursula Hochhäusler schöpfte wieder Mut. „Ich kenne diese Zweifel und die Frage, ob ich das Richtige tue gut. Bei jeder meiner Schwangerschaft dachte ich: Wie wird das werden? Werden wir es schaffen mit dem Geld, mit der Zeit und mit der Kraft? Jedes Mal war Gott da und es hat sich alles gefügt und er hat uns gegeben, was wir gebraucht haben“, erzählt sie lächelnd. Jetzt sei sie auch wieder guter Dinge, dass die Mission in Kapstadt gut wird.

Großfamilie auf Mission

Trotzdem sieht sie sich vielen Anfechtungen ausgesetzt – in ihren eigenen Gedanken und in ihrer Umgebung. Nicht viele können verstehen, wie man als Großfamilie sein Leben in München aufgeben kann, um in Südafrika in Mission zu gehen. Groß sind die Sorgen um die Kinder – auch bei den Hochhäuslers selbst. Der Jüngste, Johannes, soll in Kapstadt eingeschult werden. „Da hatten wir großes Glück. Gerade, als wir Pfingsten dort waren, war ein Tag der offenen Türe in einer katholischen Privatschule. Die Rektorin kam uns gleich entgegen und sagte, sie werde die Kinder gerne aufnehmen. Missionarskinder täten ihrer Schule, die sonst vor allem Kinder aus sehr reichen Familien besuchen, gut“, erzählt Wolfgang Hochhäusler. Die jüngeren fünf Kinder werden also die Schule besuchen. Mehr Sorgen machen die Älteren. „Universitäten sind in Südafrika sehr teuer und für uns unfinanzierbar“, erzählt Ursula Hochhäusler. Der zweitälteste Sohn der Familie, der 23-jährige Dominik, gibt für die Mission, sein Master Studium in Maschinenwesen an der TU München auf. Gerade sucht er einen Praktikumsplatz vor Ort, um es irgendwie beenden zu können.

Viel verdienen werden die Hochhäuslers vor Ort nicht. Wolfgang Hochhäusler ist in München Fachlehrer an einer Mittelschule gewesen. Als Beamter kann er sich zwar bis zum 18. Geburtstag des jüngsten Kindes beurlauben lassen, darf aber dann nicht viel verdienen. „Ich bin sicher, dass Gott uns da vorsorgen wird. Beispielsweise haben wir in den neun Tagen dort einen Bäcker kennengelernt. Da ich gerne zuhause backe, habe ich mit ihm Brot gebacken. Und er meinte, ich dürfe jeden Tag zu ihm in die Backstube kommen und da für und uns die anderen Missionarsfamilien Brot backen.“

Bürokratische Hürden

Neben der Familie Hochhäusler hat der Papst noch drei andere Familien nach Kapstadt in die Mission geschickt. Eine aus Indien, eine aus Brasilien und eine aus den USA. Sie alle kämpfen, wie die Hochhäuslers, gerade mit den bürokratischen Hürden. Fast jeden Tag hat Wolfgang Hochhäusler gerade Kontakt mit der Botschaft. „Immer wieder werden neue Papiere gefordert. Wir wissen nicht, wann und ob wir die Visa bekommen. Wir können keinen Flug buchen, obwohl es eigentlich im September losgehen soll“, erzählt der Familienvater. Unterstützung sollen sie jetzt von der vatikanischen Botschaft bekommen. Mentale Kraft geben ihnen andere Missionarsfamilien, die schon in Südafrika sind und die sie bei ihrem kurzen Besuch kennengelernt haben. „Die melden sich immer wieder, fragen, wann wir endlich kommen und sagen uns, dass alles gut wird. Das gibt viel Kraft“, sagt Wolfgang Hochhäusler.

Familie mit Vorbildfunktion

Wie das tägliche Leben in Kapstadt aussehen wird, darüber wissen sie noch wenig. Klar die Kinder werden in die Schule gehen. „Danach will ich Musik machen und ganz viel Sport“, erzählt der 15-jährige Philipp, der seine Freunde schon vermissen wird. Die Hochhäuslers sind nicht nur sehr gläubig, sondern auch eine sportliche Familie. Wolfgang Hochhäusler musste sich von Kollegen schon schnippische Bemerkungen anhören, wie „Ihr geht da doch nur runter, damit ihr ständig Wassersport machen könnt.“ So sei es nicht, betont er. „Wir wollen, den Menschen zeigen, wie man als gläubige Familie lebt. Wie wichtig Respekt voreinander ist. Wir werden zusammen mit den anderen Familien im Laufe der Zeit auch einen Versammlungsraum suchen, in dem wir Gottesdienste feiern können. Am liebsten mit den Menschen vor Ort zusammen“, sagt der Lehrer. Den Glauben vorleben, zeigen wie man mit ihm auch Krisen meistern kann, dass will auch Ursula Hochhäusler. In ihrer Jugend hat sie bereits einmal Mission in Indien bei den Mutter Teresa Schwestern getan. Das sei einfacher gewesen, erzählt sie, denn dort missioniere man mit einem Stück Brot. Diesmal sei das anders.

Wie lange sie in Südafrika bleiben werden, das wissen die Hochhäuslers noch nicht. „Wir werden ganz genau darauf schauen, wie es jedem Einzelnen geht. Wenn es meiner Frau oder einem der Kinder nicht mehr gut geht oder aber unsere Eltern hier krank werden, werden wir die Sache neu überdenken müssen.“Alle Zelte in München abbrechen, wollen sie deshalb nicht. Die Wohnung soll wohl untervermietet werden, einige Dinge will die Familie noch verkaufen. Es gibt noch viel zu erledigen, bevor es schon in einem Monat losgehen soll – so Gott will.

Missio ad gentes

Die Aussendung von Familien des Neokatechumenalen Weges als Missionare in alle Welt – die “Missio ad gentes” – wurde im Jahr 2006 von Papst Benedikt XVI. eingeführt. Eine Gemeinschaft “Missio ad gentes” besteht aus einem Priester und vier oder fünf Familien mit ihren Kindern, die, auf Anfrage des Ortsbischofs, in entchristlichte Gegenden gesandt werden, um dort, als christliche Gemeinschaft, die Kirche anwesend zu machen. Die Aussendung der Familien erfolgt regelmäßig durch den Papst. Johannes Paul II. unterstrich mit Blick auf die “Missio ad gentes” die Notwendigkeit, angesichts der zunehmenden Säkularisierung der modernen Welt, zum ‚Modell der ersten Apostel‘ zurückzukehren.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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