Missbrauchsbeauftragter Rörig Münchner Kinderschutzzentrum "vorbildhaft"

07.02.2014

Die UNO hat den Umgang der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch stark kritisiert. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, betont, es sei wichtig, dass die UN-Kommission die Notwendigkeit einer unabhängigen Aufklärung einfordert. Zugleich bezeichnete er das vom Münchner Erzbistum finanzierte Kinderschutzzentrum als „vorbildhaft“.

(Bild: velazquez - Fotolia.com)

München/Berlin – Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die Forderung des UN-Kinderrechtskomitees UNCRC nach einer unabhängigen Aufarbeitung von Missbrauchsfällen bekräftigt. Der Ruf nach Unabhängigkeit und bestimmten Standards in der Aufklärung sei „gut und wichtig“, sagte Rörig den Münchner Kirchennachrichten. Die Kritik des UN-Reports an der katholischen Kirche könne er nicht bewerten, da sich dieser auf die gesamte Weltkirche beziehe.

Rörig betonte, dass er seit Ende 2011 beim Thema Missbrauch gut mit der katholischen Kirche in Deutschland zusammenarbeite. Die Kirche habe sich dazu verpflichtet, die Präventions- und Interventionsmaßnahmen in allen Diözesen und kirchlichen Einrichtungen zu verbessern. „Darüber war ich damals sehr froh“, sagte Rörig. Zudem hätten Bischofskonferenz und Caritas seine Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“ stark unterstützt.

Zusammenarbeit mit Präventions-Experten

Als „ganz wichtige“ Einrichtung und „vorbildlich“ bezeichnete Rörig das Münchner Kinderschutzzentrum, das vom Erzbistum München und Freising mitfinanziert wird. Wichtig sei dabei die Zusammenarbeit mit anerkannten Experten im Bereich der Prävention von der Universität Ulm. Die dort erarbeiteten E-Learning-Programme kämen der katholischen Kirche weltweit zugute.

Das UN-Kinderrechtskomitee hatte dem Vatikan in seinem Bericht vom Mittwoch Fortschritte im Kampf gegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen bescheinigt, die bislang ergriffenen Maßnahmen jedoch insgesamt als unzureichend gerügt. Zudem forderte das Gremium eine grundlegende Revision kirchlicher Positionen zu Homosexualität, künstlicher Empfängnisverhütung, Abtreibung und Sexualerziehung.

Mit diesen Forderungen überschreite das Gremium jedoch seine Kompetenzen und mische sich in innerkirchliche Angelegenheiten ein, erklärte der Leiter des vatikanischen Presseamtes, Federico Lombardi, am Freitag. Das Kinderrechtskomitee habe sich die vorurteilsbeladene Sichtweise einiger notorisch kirchenkritischer Verbände und Organisationen zu eigen gemacht, die Erläuterungen des Vatikan hingegen unberücksichtigt gelassen, beklagte Lombardi. (ksc/kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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