Trauerfall Münchner Kirchenrechtler Stephan Haering gestorben

19.11.2020

Priester und Wissenschaftler - Der habilitierte Benediktinerpater sah das Recht als Schutz des Schwächeren. Er beriet die Deutsche Bischofskonferenz und war Mitglied im Landeskomitee der Katholiken in Bayern.

Stephan Haering
Stephan Haering war Professor an der LMU in München. © SMB/Sichla

München – Der Münchner Kirchenrechtler Stephan Haering ist tot. Der Benediktinerpater starb völlig überraschend am Mittwoch im Alter von 61 Jahren in seiner Münchner Wohnung, wie der Abt von Kloster Metten, Wolfgang Hagl, am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur bestätigte. Haering beriet die Deutsche Bischofskonferenz und war unter anderem Herausgeber der Zeitschrift "Archiv für katholisches Kirchenrecht" und des "Lexikons des Kirchenrechts". Zudem gehörte der Wissenschaftler als berufenes Mitglied dem Landeskomitee der Katholiken in Bayern an.

Wissenschaftlicher und kirchlicher Werdegang

Der 1959 im niederbayerischen Grafenau geborene Haering trat 1978 nach dem Abitur am Benediktinergymnasium Metten in den dortigen Konvent ein. Von 1979 bis 1984 studierte er Theologie in Salzburg und empfing 1984 die Priesterweihe. Nach seiner Promotion 1987 in Salzburg folgten bis 1994 Studien der Germanistik, Geschichte und des Kanonischen Rechts an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München.

In dieser Phase konzentrierte sich Haering zunehmend auf das Fach Kirchenrecht. Er erhielt von 1991 bis 1994 ein Habilitationsstipendium der Fritz-Thyssen-Stiftung Köln; dazu gehörten auch ein einjähriger Aufenthalt an der Catholic University of America in Washington sowie ein Forschungsaufenthalt in Rom. 1996 habilitierte sich der Ordensmann in München.

Von 1997 bis 2001 hatte Haering seine erste Professur für Kirchenrecht an der Universität Würzburg inne. 2001 folgte der Ruf nach München an die LMU, wo er auch für Verwaltungsrecht und Kirchliche Rechtsgeschichte zuständig war.

Gesetz kein Gegensatz zur Nächstenliebe

Im Recht sah der Benediktiner nie einen Gegensatz zur christlichen Nächstenliebe; Recht sei vielmehr "das Minimum an Liebe", das einem Menschen geschuldet werde und damit Schutz für den Schwächeren, so seine Überzeugung.

Haering wird in Metten beigesetzt. Dem dortigen Benediktiner-Konvent gehören nunmehr 13 Mitglieder an. Sein älterer Bruder Markus Haering ist dort Cellerar, also für die wirtschaftlichen Belange zuständig. (kna)


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