Kritik am Synodalen Weg Münchner Pastoraltheologe: Katholische Kirche braucht Mut zum Anderssein

20.05.2021

Andreas Wollbold kritisiert den Reformprozess der katholischen Kirche. Statt sich dem weltlichen Denken anzunähern, solle sie sich auf ihre katholischen Alleinstellungsmerkmale besinnen.

Andreas Wollbold

München – Der Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold hat sich kritisch zum in der katholischen Kirche in Deutschland laufenden Reformprozess Synodaler Weg geäußert. Dessen Strategie bestehe in der "Anpassung ans weltliche Denken", sagte Wollbold der in Würzburg erscheinenden Wochenzeitung "Die Tagespost". Doch um attraktiv zu sein, brauche es den Mut zum Anderssein, zum Vordenken, zur kreativen Minderheit. "Das muss dann aber auch intelligent, witzig und kommunikativ vorgetragen werden." Vor allem sei Selbstbewusstsein sowie der Glauben daran nötig, "dass wir die kostbare Perle in Händen halten. Wir allein!"

Katholische Alleinstellungsmerkmale

Stattdessen herrsche viel zu viel Ängstlichkeit, befand der Theologe. Fast betulich wird seiner Ansicht nach wieder und wieder Loyalität gegenüber dem beteuert, was heute so "in" sei. Dabei seien gerade die katholischen Alleinstellungsmerkmale wie Zölibat, Nein zum Frauenpriestertum und treue Ehe von Mann und Frau Pfunde, mit denen zu wuchern sei: "Zölibat als Heilmittel gegen die Überbewertung der Sexualität, männliches Priestertum als Ausweg aus der Gleichmacherei der Geschlechter und Mann-Frau-Kinder als Zukunftssicherung gegen die globale Überalterung."

In der Gesellschaft gebe es den Trend, Andersdenkende zu diffamieren, gab Wollbold zu bedenken. "Man setzt sich nicht mit Argumenten auseinander, sondern setzt bloß dagegen: Wir sind mehr." Das werde dann auch von der Kirche übernommen. Der Zeitgeist sei der Heilige Geist. Wer nicht auf ihn höre, werde als nicht diskussionswürdig abgetan - "selbst wenn dieser Jemand die Glaubenskongregation ist". Das Geschick der Kirche liege in Gottes Hand, so Wollbold, "und da können wir uns auf eine Menge Überraschungen gefasst machen". Es gehe jetzt um die Selbstevangelisierung und darum, eine Volkskirche mit neuer Tiefe und Kraft zu schaffen. (kna)


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