Nach Erlass des Papstes Münchner Pfarrer: Keine Probleme bei Messfeiern im alten Ritus

11.08.2021

Papst Franziskus schränkt die Messfeier des alten Ritus ein. Er befürchtet, dass es sonst zu Spaltungen innerhalb der Kirche kommen könnte. Der Münchner Pfarrer Daniel Lerch sieht in der Praxis keine Probleme.

Priester hält die Hände über Kelch.
Nach dem Papstschreiben stellt sich auch die Frage, wie es für Münchner Messfeiern im alten Ritus weitergeht. © IMAGO / agefotostock

Rom/München – Mit seinem jüngsten Motu Proprio „Traditionis custodis“ (Hüter der Tradition) hat sich Papst Franziskus jüngst zu Messfeiern im alten Ritus geäußert. Laut diesem Erlass ist der ordentliche, von Paul VI. und Johannes Paul II. erlaubte Messritus die „einzige Ausdrucksweise“ des Römischen Ritus. Der von Benedikt XVI. 2007 in größerem Umfang erlaubte außerordentliche Ritus darf nur noch unter engeren Auflagen gefeiert werden. So darf nur der Ortsbischof für seine Diözese den Gebrauch des von Papst Johannes XXIII. 1962 veröffentlichten Messbuchs gestatten. Nicht gestattet ist die Feier nach altem Ritus in normalen Pfarrkirchen, auch dürfen dafür keine eigenen Personalgemeinden gebildet werden.

Die Gefahr von Spaltung

In einem Begleitbrief an die Bischöfe, so meldete die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA), begründet Franziskus seine Entscheidung damit, dass insbesondere die von Benedikt XVI. 2007 erhoffte Versöhnung und größere Einheit in der Kirche nicht eingetreten seien. Eine 2020 erfolgte Umfrage zum außerordentlichen Ritus unter Bischöfen zeige dies. Die von Benedikt XVI. angebotene Erleichterung, so Franziskus, „wurde ausgenutzt, um Klüfte zu vergrößern, Divergenzen zu verstärken und Unstimmigkeiten zu fördern, die die Kirche verletzen“ und sie der Gefahr der Spaltung aussetzten. Was die Bischöfe auf die Umfrage genau geantwortet haben, wurde nicht veröffentlicht. Auch die Tatsache der Umfrage wurde nie offiziell kommuniziert.

Münchner Messen im außerordentlichen Ritus

Wir haben in der Münchner Pfarrei St. Peter nachgefragt, wo in einer Nebenkirche Messfeiern im alten Ritus angeboten werden. Normalerweise finden diese Gottesdienste in der Damenstiftskirche statt, die jedoch gerade renoviert wird. Deshalb werden Messen im außerordentlichen Ritus aktuell in der Allerheiligenkirche am Kreuz gefeiert. Die Zelebranten gehören der Petrusbruderschaft an, eine Gesellschaft päpstlichen Rechts, die in München im Auftrag des Erzbischofs in der Seelsorge wirkt. Sie bietet drei Sonntagsmessen und eine tägliche Werktagsmesse im außerordentlichen Ritus an. Nach Angaben von Pfarrer Daniel Lerch werden die Werktagsmessen von jeweils 20 bis 30 Gläubigen besucht. Zu den drei Sonntagsmessen kommen insgesamt rund 150 Gläubige.

Lerch erkennt keine Probleme

„Sowohl mit den Petrusbrüdern als auch mit den Gläubigen, die die Messe im außerordentlichen Ritus besuchen, leben wir in einem guten Einvernehmen“, erklärt Lerch. „Die Gläubigen besuchen auch immer wieder unsere Gottesdienste und sie sind in unsere Gemeinde integriert.“ Die von Papst Franziskus getroffene Analyse mit Tendenzen einer Spaltung könne er nicht bestätigen. „Bei der Messe im außerordentlichen Ritus gibt es bei uns keinerlei Probleme“, ergänzt Lerch, der früher Diözesanjugendpfarrer war. Das Motu Proprio lasse aus seiner Sicht in der praktischen Umsetzung durchaus Fragen offen und Präzisierungen seien wünschenswert, betont er. (Gabriele Riffert)

Motu proprio

Als „Motu Proprio“ wird ein Erlass des Papstes bezeichnet, der auf dessen persönlicher Initiative beruht. Es unterscheidet sich darin von anderen Formen päpstlicher Gesetzgebung, die auf einen Antrag hin ergehen. Der Name leitet sich aus der lateinischen Formel „motu proprio datae“ („aus eigenem Antrieb ergangen“) her. Diese Worte stehen stets am Anfang des Dokumentes und drücken eine besondere Anteilnahme des Papstes aus. Ein „Motu Proprio“ beinhaltet in der Regel kirchenrechtliche oder administrative Dekrete. Die Dokumente sind nach dem Vorbild eines Briefes – ohne Anrede – meist in lateinischer Sprache verfasst und vom Papst unterschrieben. Sie sind nicht mit einem Siegel versehen. (kna)


Das könnte Sie auch interessieren

Papierstapel
© smolaw11 - stock.adobe.com

Prüfer des Papstes haben Bericht über Erzbistum Köln fertig

Eine Woche verbrachten die Visitatoren in Köln um Gespräche mit Mitgliedern der Bistumsleitung, Missbrauchsbetroffenen sowie Laienvertretern zu führen. Ihre Erkenntnisse gehen direkt an Papst...

10.08.2021

Der frühere Papst Benedikt XVI. winkt aus dem Papamobil.
© IMAGO / imagebroker

Benedikt XVI. äußert sich kritisch gegenüber der Kirche

In der Zeitschrift "Herder Korrespondenz" hat der emeritierte Papst Amtsträger und Mitarbeiter der katholischen Kirche kritisiert. Er appellierte für eine Unterscheidung zwischen "Gläubigen und...

26.07.2021

Opa mit zwei Enkelkindern
© goodluz - stock.adobe.com

Warum Franziskus die Senioren so am Herzen liegen

Am 25. Juli feiert die katholische Kirche den ersten Welttag der Großeltern und alten Menschen. Eine Idee des Papstes, der damit das Miteinander der Generationen wiederbeleben will - gerade nach der...

20.07.2021

Papst Franziskus bei einer Messfeier
© Imago/Independent Photo Agency Int.

Papst schränkt Messfeiern nach altem Ritus ein

Der Papst vollzieht bei der sogenannten Alten Messe eine 180-Grad-Wende. Mit einem Erlass schränkt er die Bedingungen zur Feier nach dem alten Ritus erheblich ein, überlässt Einzelentscheidungen aber...

19.07.2021

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren