Jubilar Robert Berger Münchner Priester feiert 100. Geburtstag

13.11.2017

100 Jahre alt ist der Münchner Priester Robert Berger am Montag geworden. Auch im Seniorenheim geht er weiter seiner Berufung nach.

Kardinal Reinhard Marx gratulierte Jubilar Robert Berger zu seinem 100. Geburtstag.
Kardinal Reinhard Marx gratulierte Jubilar Robert Berger zu seinem 100. Geburtstag. © EOM

München – Stolze 969 Jahre wurde Methusalem, der älteste in der Bibel erwähnte Mensch, laut den Angaben in Genesis 5. Ein wahrhaft biblisches Alter erreichte am Montag, 13. November, auch der Münchner Diözesanpriester Robert Berger: Er feierte seinen 100. Geburtstag.

Dieses hohe Alter nimmt der Priester im Vorfeld seines Geburtstags mit Humor: „Ich zähle jetzt nur noch die Jahrhunderte!“, sagt er lachend. Berger sitzt auf seinem Rollator, den er beim Sprechen vor- und zurückschiebt. Sein Appartement in einer Senioreneinrichtung in Grünwald öffnet durch ein Erkerfenster einen unverbauten Blick auf die Wiesenlandschaft. Die warme Herbstsonne taucht den Raum in ein freundliches Licht. Den Blick wolle er gegen nichts auf der Welt eintauschen, sagt Berger. Überhaupt fühle er sich dort rundum wohl.

Mit 19 ist der gebürtige Münchner in das Freisinger Priesterseminar eingetreten. Nach nur zwei Jahren zwang ihn der Zweite Weltkrieg, seine Ausbildung zu unterbrechen. Den Weg in das Seminar hatten viele geebnet: sein enger Freund, Landjugendseelsorger Emmeram Scharl, seine Familie, in der der sonntägliche Kirchgang selbstverständlich war, und der Jesuit Georg Waldmann, dessen Predigten ihn fesselten. „Ich bin jeden Sonntag mit dem Radl nach St. Michael gefahren“, erinnert sich Berger. Nach und nach setzte sich dann die Erkenntnis durch, dass man nicht durch einzelne Taten etwas erreichen könne, sondern nur durch persönliche Hingabe.

Nach Rom geschickt worden

Im Krieg war der Seminarist in Südtirol stationiert. Zu dem Tiroler Ort Hafling hat er deshalb eine besondere Beziehung, mehrmals im Jahr fährt er bis heute dorthin in den Urlaub. Als er 1945 zurückkam, wurde er mit sechs anderen Priesteramtskandidaten, die Soldaten gewesen waren, nach Rom geschickt. Das dortige traditionsreiche Priesterseminar „Germanicum“ hatte sich Berger bereits vor dem Krieg als möglichen Studienort angesehen – und abgelehnt. Nun wurde ihm die Wahl abgenommen. Aber die Neuankömmlinge hinterließen ihre Spuren in dem für Berger zu sehr von Ritualen geprägten Haus: „Da haben wir neuen Wind reingebracht“, macht er deutlich.

Wenn der Seelsorger von seiner Ausbildung erzählt, taucht man in eine andere Welt ein. Das Theologiestudium, die Bücher, selbst das tägliche Gespräch waren damals auf Latein. „Lediglich am Samstag konnte man in der Muttersprache reden“, erläutert Berger. Zwischen der Priesterausbildung damals und heute lägen Unterschiede wie Tag und Nacht. „Ich hätte mir gewünscht, es wäre damals so gewesen wie heute“, seufzt er.

1948 wurde er in der barocken Jesuitenkirche „Il Gesù“ in Rom zum Priester geweiht – die auch das architektonische Vorbild von St. Michael in München ist. „Das war schon eine besondere Atmosphäre“, betont der Priester. Zurück in der bayerischen Landeshauptstadt wurde er zunächst Kaplan in Heilig Geist, bevor er den Auftrag erhielt, die Pfarrei St. Bernhard zu errichten.

Hilfe durch Hiob

Am Pfarrersein hat ihm die Seelsorge am besten gefallen. Ursprünglich hatte Berger Medizin studieren wollen. Aber dann habe er sich gesagt: „Der Arzt ist nur für die leibliche Gesundheit da, ich möchte beides haben. Ich möchte den Menschen auch das Himmelreich vermitteln.“

Wenn er selbst in seinem langen Leben Zweifel im Glauben hatte, half ihm die biblische Figur Hiob. Ihm widerfährt viel Leid, er kämpft mit seinem Schicksal und klagt schließlich Gott selbst an. „Der ist mir schon sehr nahe“, führt Berger aus, „weil er uns alle betrifft.“ Hiob habe „im guten Sinne des Wortes“ mit Gott gehadert.

Eine andere Kraftquelle sind für Berger die Psalmen – nicht die Fülle der 150 biblischen Gebete, sondern einige ausgewählte, über die er dann bewusst meditiert. Wie aus der Pistole geschossen nennt er zuerst Psalm 23, der Gott als einen Hirten beschreibt, der sich um seine Schafe sorgt. „Ich habe das immer wieder neu empfunden, dass ich geführt werde, dass viele Dinge, die man sich wünscht oder erkämpft, sich automatisch vollziehen, wenn man das Vertrauen auf Gott setzt“, erklärt der Priester, und ergänzt, „und aus dem Vertrauen auf Gott wächst auch das Vertrauen zum Menschen“.

Berger ist überzeugt, dass man als Pfarrer nicht vollständig in den Ruhestand gehen kann. „Da gibt’s ein kategorisches Nein!“, stellt er klar. Dementsprechend falle er auch im Seniorenheim immer wieder in Gesprächen mit anderen in diese Rolle zurück. „Das kann man nicht ablegen“, ist er sich sicher. (Theresia Lipp)


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