Stavros Kostantinidis lässt sich von Gott leiten Münchner Top-Netzwerker engagiert sich sozial

08.02.2017

Der 50-Jährige ist griechisch-orthodox. Allerdings zieht es ihn auch immer wieder in eine katholische Kirche.

Stavros Kostantinidis mit seinem Vater Priester Ploutarchos.
Stavros Kostantinidis mit seinem Vater Priester Ploutarchos. © privat

München – Strahlend schüttelt er jedem die Hand – ob einem Minister oder einem Journalisten. Für jeden findet er die richtigen Worte. Stavros Kostantinidis ist im positiven Sinne „ein Menschenfischer“, wie ihn sein Freund und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kürzlich beschrieben hat. Kostantinidis ist mit allen wichtigen Persönlichkeiten aus Kirche, Politik, Kultur und Gesellschaft per Du. Dieses außergewöhnliche Netzwerk nutzt der 50-Jährige für karitative Zwecke. „Für mich ist es sehr wichtig, schwache Menschen zu unterstützen“, erzählt Kostantinidis, den sein griechisch-orthodoxes Elternhaus sehr geprägt hat. Sein Vater ist Priester-Oikonomos Ploutarchos Kostantinidis, Pfarrer in der griechisch-orthodoxen Allerheiligenkirche in München. „Er ist 90 Jahre alt, eine Seele von Mensch und ein hervorragender Seelsorger“, beschreibt der Sohn nicht ohne Stolz, „mein Bruder und ich haben zu Hause sein Leben als Pfarrer hautnah miterlebt, der Glaube spielte von Anfang an eine wichtige Rolle in meinem Leben.“ So sehr, dass Kostantinidis sogar einmal mit dem Gedanken spielte, orthodoxe Theologie zu studieren. Sich endgültig entscheiden für ein Leben als Pfarrer, Bischof oder Mönch wollte er dann doch nicht und schwenkte zu Jura um.

Gutes tun, beruhigt die Seele

Sein Elternhaus lehrte ihn auch soziale Kompetenz. „Wenn man die Möglichkeit hat, Anderen etwas Gutes zu tun, dann beruhigt das auch die eigene Seele“, meint der Deutsch-Grieche, der sich seit langem sozial und kulturell engagiert. So hat er dank verschiedener Aktionen unter anderem die Sanierung der St. Salvatorkirche im Herzen Münchens mit 1,2 Millionen Euro vorangetrieben oder der Haunerschen Kinderklinik einen Scheck über 950.000 Euro überreichen können. Während der schweren finanziellen Krise hat Kostantinidis 1.500 kinderreiche Familien in Griechenland mit Essenspaketen unterstützt. Möglich war dies dank eines „Konzertes mit Vicky Leandros, das 700.000 Euro gebracht hat“.

Stoßgebet hilft im Alltag

Stavros Kostantinidis ist ein beeindruckendes und außergewöhnliches Mitglied der Münchner Gesellschaft – einer mit Tiefgang, der geleitet wird von seinem Glauben. „Den christlichen Glauben und das christliche Dasein des Menschen kannst du nicht nur durch Beten dokumentieren“, sagt er mit Nachdruck, „sondern du musst auch etwas tun, um es nach außen zu bringen.“ Sein Glaube an Gott leitet ihn. „Natürlich glaube ich an Gott. Selbstverständlich hat ihn noch keiner gesehen“, sagt der 50-Jährige, „ich denke, es gibt eine Kraft, die uns lenkt – in unserem Wirken, in unserer Gesundheit, zum Zeitpunkt des Todes. Gott bestimmt das schlichtweg – nichts ist zufällig.“ Und fügt hinzu: „Ich glaube, der liebe Gott ist ein Geschöpf, das alles verzeiht. Er verzeiht auch Menschen, die sich vielleicht während ihrer Lebenszeit nicht ordentlich benommen haben.“ Inwiefern hilft ihm sein Glaube in schwierigen Situationen? Kostantinidis sitzt in seiner Kanzlei in der Nähe des Münchner Prinzregentenplatzes und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. „Also, man kann auch Kraft schöpfen, indem man einfach sagt: ‚Lieber Gott, hilf mir in dieser schwierigen Situation.‘ Auch wenn vielleicht nicht sofort etwas kommt, gibt es einem das Gefühl, dass du es wenigstens gesagt hast und es gibt dir Hoffnung, dass etwas passiert. So ein Stoßgebet hilft mir auch oft in alltäglichen Situationen.“

Jeden Sonntag trifft man den vielbeschäftigten Juristen in der Kirche. Natürlich in der orthodoxen bei seinem Vater, „aber ich gehe auch oft in die Michaelskirche, weil ich sie sehr gerne mag“, verrät Kostantinidis. Immer wieder ziehe es ihn in die Asamkirche in der Sendlinger Straße. „Das ist eine sehr schöne Kirche, die passt auch mehr zu meinem Geschmack“, lacht der Münchner. Und verrät: „Seit Ewigkeiten zünde ich immer drei Kerzen an: Eine für die Familie, eine für Freunde und eine für Feinde.“ Kostantindis grinst. „Damit sie erleuchtet werden.“

Stavros Kostantinidis pilgert jedes Jahr auf den heiligen Berg Athos in Griechenland.
Stavros Kostantinidis pilgert jedes Jahr auf den heiligen Berg Athos in Griechenland. © imago

Jedes Jahr Pilgerfahrt nach Griechenland

Der 50-Jährige hat den Schalk im Nacken, aber er behandelt alle Menschen gleich, ob Minister oder Kaminkehrer. „Das Gespräch mit einem Menschen, ihn in seiner Tiefe kennenzulernen war immer eine Herausforderung für mich“, überlegt er, „Kommunikation ist sicherlich das Wichtigste, was es gibt. Nicht nur in der Politik, sondern auch im gesamten Leben eines Menschen.“ Dieses Rüstzeug hat er in der Politik gelernt, damals, als er – 21 Jahre jung – bei Europastaatssekretär Alfred Sauter (CSU) Pressesprecher war. Seit langem hat er jedes Jahr einen festen Termin im Kalender: Eine Pilgerfahrt auf den heiligen Berg Athos in Griechenland. Acht Freunde und Bekannte dürfen ihn dabei begleiten. Auf engem Raum, asketisch, verbringen sie hier einige Tage: Früh aufstehen, in die Kirche gehen und zum nächsten Kloster wandern. Auch Minister sind dabei. Die Bande, die hier entstehen, reißen nie.

Angst vor dem Tod der Eltern

Kostantinidis wirkt immer entspannt, ausgeglichen, aufgeräumt. Hat er vor irgendetwas Angst? „Ja“, sagt er sofort, „dass meine Eltern sterben. Der Tod meiner Eltern, die 90 und 78 Jahre alt sind, beschäftigt mich. Überhaupt der Verlust eines Menschen.“ Seinen krebskranken Schwiegervater, den ehemaligen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, Erich Greipl, hat er begleitet bis zu dessen Tod. „Es war das erste Mal, dass ich einen Menschen so auf seinem Todesweg begleitet habe“, wird Kostantinidis leise, „ich habe ihm geholfen, mit ihm gegessen, habe seine Schmerzen und Ängste miterlebt.“

Glaubt er an ein Leben nach dem Tod? „Ja, weil es wirklich das Einzige ist, was uns Hoffnung macht“, sagt er bestimmt, „im Leben machen wir so viel, es hätte keinen Sinn, wenn es nicht weitergehen würde.“ Dann lächelt er: „Na, hoffentlich ist das Paradies mindestens so schön wie es hier auf der Erde ist. Ich glaube jedenfalls nicht, dass wir alle brennen.“ Wer wisse denn schon, ob es eine Trennung von guter und schlechter Seele gebe. „Keiner kann wirklich erzählen, wie es da oben ist, weil keiner von oben je zurückgekommen ist.“

Und schon springt Stavros Kostantinidis auf, das Telefon klingelt. Sein Rat ist gefragt. „Ich stehe immer unter Strom“, lacht er. Zur Ruhe kommt er erst zu Hause bei Ehefrau Saskia. Und am Klavier. Er kann aber auch singen. Und das ziemlich gut. Wer seine Wohltätigkeitskonzerte besucht, kann selbst ein Lied davon singen. (Susanne Hornberger)


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