Fadumo Korn hilft Opfern genitaler Verstümmelung Münchnerin klärt über Tabuthema auf

08.08.2017

In Ihrem Verein "NALA" hilft Fadumo Korn jungen Frauen in Deutschland, die in ihrer Heimat Opfer von Genitalverstümmelung geworden sind. Für ihren Einsatz ist die Dolmetscherin und Autorin heuer mit dem Ellen-Ammann-Preis des Katholischen Deutschen Frauenbundes ausgezeichnet worden.

KDFB-Vorsitzende Elfriede Schießleder überreicht Fadumo Korn den Ellen-Ammann-Preis. © Walter Korn

Als vor einigen Jahren gleich mehrere Bücher zum Thema „genitale Verstümmelung“ bei Frauen erschienen, gab es viel Wirbel um das Thema. Zwei davon hat Fadumo Korn geschrieben: „Geboren im großen Regen“ und „Schwester Löwenherz“. Danach wurden viele Erfolge im Kampf gegen das grausame Ritual vermeldet. Aber heute sagt Fadumo Korn: es sei wieder schlimmer geworden. Die vielen Bürgerkriege zerstören gerade aufgebaute Strukturen und beispielsweise Frauenverbände können keine Aufklärungsarbeit mehr leisten. Natürlich sind auch unter den Frauen, die nach Deutschland kommen, einige, die dieses grausame Ritual hinter sich haben. Und um die kümmert sich Fadumo Korn in ihrem Verein „NALA“. „Bildung satt Beschneidung“ ist das Motto. Die betroffenen Mädchen und Frauen klärt sie über die gesundheitlichen Folgen auf und über das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Außerdem steht die Förderung der Schul-, Aus- und Fortbildung ganz oben auf der Liste der Dinge, die zu tun sind.

Auszeichnung mit Signalwirkung

Für dieses Engagement hat Fadomo Korn heuer den Ellen-Ammann-Preis des Katholischen Deutschen Frauenbundes bekommen. „Ein katholischer Preis für eine schwarze Muslima – das hat Signalwirkung, sagt Fadumo Korn: „Dieser Preis trifft einfach den Zeitgeist. Gegen den dumpfen Rassismus, gegen diese Zuordnung von Religion und Farbe. Ich denke, dieser Preis sagt: Wir sind eins. Wir sind Menschen und ein Mensch bekommt einen Preis verliehen.“

Wenn Fadumo Korn den jungen Frauen erklärt, wie Deutschland funktioniert, dann geht es auch um ganz alltägliche Fragen: wo kaufe ich ein, darf ich mich schminken, aber auch immer wieder um die Beschneidung und die Folgen. Und sie weiß, wovon sie redet. Denn sie wurde im Alter von sieben Jahren selbst beschnitten. Damals lebte sie mit ihrer Familie in Somalia. Für das kleine Mädchen brach eine heile Welt zusammen. Die unbeschreiblichen Schmerzen ließen sie ohnmächtig werden. Zwar hatte die Beschneiderin eine nagelneue Rasierklinge benutzt, allerdings hatte sie schmutzige Hände und so infizierte sich die Wunde. Fadumo rang mit dem Tod, überlebt wider Erwarten und erkrankte danach an Rheuma.

Ein reicher Onkel schickte sie zur medizinischen Behandlung nach Europa. In Deutschland hat sie ihren Mann kennengelernt. Der war zunächst schockiert, als er hörte, dass seine Frau förmlich zugenäht war – bis auf ein maiskorngroßes Loch. Monate der Sprachlosigkeit vergingen, bis eine Freundin erklärte, dass eine Operation sie zumindest wieder öffnen könne. Nach der Operation begann ein neues Leben für Fadumo Korn. Viele gesundheitliche Beeinträchtigungen verschwanden. Sie bekam einen Sohn. Der Körper, den sie kaum noch als ihren eigenen wahrgenommen hatte, gehörte wieder zu ihr. Heute geht sie sehr behutsam mit sich um, ernährt sich sehr bewusst, treibt Sport und hat sich, ihren Körper und ihre Geschichte angenommen.

In unserer Sendung „Hauptsache Mensch“ im Münchner Kirchenradio spricht sie über ihre Geschichte und über ihren Verein. Zu hören ist das Gespräch am Montag, 7.8., Mittwoch, 9.8 und Freitag 11.8. jeweis ab 10, 15 und 22 Uhr.

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de


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