Töne für die Seele Musikprojekt schult Flüchtlingskinder

25.08.2017

Für die Flüchtlingskinder aus dem Münchner Stadtteil Laim ist es eine echte Chance: eine katholische Initiative bietet ihnen Instrumental- und Gesangsunterricht an. Die Nachfrage ist von Anfang an höher als die Kapazitäten.

München – Fatima klemmt sich die Geige unters Kinn und konzentriert sich: Geige spielen ist für sie eine ernste, eine Herzensangelegenheit. Die 15- jährige Afghanin spielt seit April und macht erstaunliche Fortschritte. Zusammen mit Fatima erhalten an die 35- 40 Kinder Unterricht in Gitarre, Violine und Flöte oder singen im Chor mit. Das Projekt ist gut eineinhalb Jahre alt, aus der Taufe gehoben hat es die slowakisch-katholische Gemeinde in München.

„Freude schöner Götterfunken“

„Der Hauptzweck ist, dass die Kinder zusammen was tun, und dabei ihre Ethnien und Sprachen überschreiten. Sie lernen zusammen und lernen dabei auch, dass wir alle gleich sind“, sagt Beatrix Jakubicka-Frühwald. Die Ärztin koordiniert das Projekt und leitet den Chor. Mit ihren Schützlingen übt sie Stücke wie „Weißt Du wieviel Sternlein stehen“ oder auch „Freude schöner Götterfunken“. Das Deutsch wird immer besser, pro Probe ein Lied zu lernen, ist für die Kinder inzwischen kein Problem mehr, meint Jakubicka-Frühwald. Sie will der Gruppe beibringen, wie wichtig es ist, an einem Ziel festzuhalten: sich anzustrengen, dann aber auch den Erfolg zu genießen. Einige kleine Konzerte haben die jungen Sänger und Musiker darin sehr bestärkt.

Das Musikprojekt soll keine Eintagsfliege sein

Den Instrumentalunterricht haben professionelle Musiker übernommen, entsprechend groß sind die Ausgaben des Musikprojekts. Private Sponsoren helfen da, und auch der Flüchtlingsfond der Erzdiözese München und Freising. (Personelle) Unterstützung gab es auch aus der katholischen Pfarrgemeinde St. Heinrich. Spenden können Beatrix Jakubicka-Frühwald und die anderen Helfer, nicht entgegennehmen, weil das Projekt kein eingetragener Verein ist. Nur über die Stiftung Otto Eckart, die sich in München unter anderem auch stark für Kinder und Jugendliche einsetzt, können den jungen Musikern Spenden zugedacht werden. Jakubicka-Frühwald ist das ungeheuer wichtig: denn das Musikprojekt soll keine Eintagsfliege sein, das die Buben und Mädchen aus Geldmangel nach kurzer Zeit wieder abbrechen müssen. Die kleine Samira aus Sansibar, gerade mal sechs Jahre alt, sagt deswegen auch voller Begeisterung: „Das macht sooo Spaß, mit anderen Kindern zusammen zu singen.“

Neben der Freude der Kinder an der Musik hat Beatrix Jakubicka einen wichtigen Nebeneffekt festgestellt: die Musik vertreibt ein wenig die Schatten der Vergangenheit. Denn viele Kinder sprechen nicht über ihre traumatischen Erlebnisse vor oder während der Flucht aus der Heimat. Und vor allem macht das Musizieren und Singen für die Flüchtlingskinder den Alltag hier in Bayern ein bisschen heller.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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