Kita: Nicht nur katholische Mitarbeiter Muslima im katholischen Kindergarten

23.10.2017

Gutes Personal für Kitas zu finden, ist nicht ganz leicht. Die Qualifikation spielt dabei eine größere Rolle als die Religionszugehörigkeit – auch in einer katholischen Kita.

Senet Ibrahim (links) und Ina Horlbeck
Senet Ibrahim (links) und Ina Horlbeck © SMB/S.Schmid

München – Senet Ibrahim ist Sozialpädagogin und arbeitet seit sieben Jahren im Caritas Integrationskindergarten Regenbogen im Münchner Hasenbergl. Sie ist Muslima – die Arbeit im katholischen Kindergarten ist für sie kein Widerspruch zu ihrem Glauben. Sie hat an einer katholischen Universität studiert und ist dann, sie ist selbst auf den Rollstuhl angewiesen, zufällig auf den Integrationskindergarten aufmerksam geworden. „Religion spielt bei uns im Alltag keine große Rolle. Kinder sind Kinder, die wollen miteinander spielen und Spaß haben – unabhängig von der Religion.“

Werte leben

Leiterin Ina Horlbeck ist aber schon wichtig, dass ihre Mitarbeiter sich bewusst sind, dass sie in einer katholischen Einrichtung arbeiten. Im Bewerbungsgespräch betont sie das genauso, wie sie es bei den Anmeldegesprächen für Kinder in ihrer Einrichtung tut. „Wir beten, wir feiern die christlichen Feste und wir gehen auch einmal in die Kirche – das alles muss eine Fachkraft mitmachen – egal welcher Glaubensrichtung sie angehört. Sie muss unsere Werte nicht nur passiv mittragen, sondern auch aktiv mitgestalten.“ Sie habe da aber noch nie Probleme erlebt und sei dankbar über die bunte Mischung in ihrer Kita. „Wir haben Kinder aus aller Herren Länder mit unterschiedlichen Religionen. Ich denke, dass wir Mitarbeiter anderer Religionen beschäftigen, zeigt auch den Eltern, dass wir nicht unser eigenes Süppchen kochen, sondern offen auf andere zugehen“, erzählt Horlbeck.

Anderes Kennenlernen

Senet Ibrahim ist bei allen Aktivitäten dabei. Dass sie bewusst sagt: „Ich bin Muslima“ passiert nicht, erzählt sie. „Wir haben jetzt eine Familie, die sehr streng nach den Regeln des Islam lebt. Da habe ich zu dem Kind schon gesagt, ja, ich verstehe, dass du dich beim Essen an gewissen Regeln hältst, ich habe den gleichen Glauben, wie du, nur ich lebe ihn nicht so streng wie Deine eigene Familie.“ In diesem Fall konnte sie auch ihren Kolleginnen eine Stütze sein. Dieses Kind feiere seinen Geburtstag nicht. Ihre Kolleginnen seien erstmal sehr verwundert gewesen, hätten gesagt, das könne doch nicht sein, jedes Kind in der Kita würde dort seinen Geburtstag begehen. „Ich habe ihnen dann erklärt, dass streng gläubige Muslime tatsächlich den Geburtstag nie feiern. Dass dies nicht ungewöhnlich sei, und so konnten sie das auch besser nachvollziehen“, erzählt die Sozialpädagogin.

Kurs für Mitarbeiter anderer Religionen

Das Erzbistum München und Freising bietet in Zusammenarbeit mit der Caritas regelmäßig einen Kurs mit dem Titel „Die Rolle als pädagogische Fach- und Zweitkraft in katholischen Kindertageseinrichtungen“ an. Dort bekommen die Mitarbeiter anderer Religionen einen Einblick in die Arbeit in der katholischen Kita, sie bekommen Festtage erklärt und machen mit Prälat Hans Lindenberger sogar eine Kirchenbesichtigung. „Das ist immer eine schöne Sache“, erzählt der. Die Teilnehmer seien sehr interessiert zu erfahren, wozu das Weihwasser oder der Tabernakel da sind. Er stieße dabei nie auf Vorbehalte, sondern auf große Neugierde und intensives Interesse. „Wenn wir uns als Caritas und Kirche interkulturell und interreligiös öffnen, können wir nicht nur sagen: Kommt Mitarbeiter, arbeitet bei uns. Wir müssen auch einführen in unsere religiöse Heimat. Das gelingt uns mit dem Kursangebot sehr gut“, erklärt Lindenberger.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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