Vorbilder "Mut-Macher" des Glaubens

14.06.2019

Manchmal braucht es Mut, zum eigenen Glauben zu stehen. Und manchmal helfen da "Mut-Macher“ als Vorbild. Wie die Ordensfrau und Ärztin Ulla Mariam Hoffmann. Sie ist eine von dreien, die hier vorgestellet werden.

Ordensfrau und Ärztin Ulla Mariam Hoffmann
Ordensfrau und Ärztin Ulla Mariam Hoffmann © Benedictus Krankenhaus Tutzing

Seit 15 Jahren versorgt Schwester Ulla Mariam Hoffmann Schwer- und Schwerstkranke. Sie leitet die Palliativstation im Krankenhaus Tutzing Lkr. Starnberg). Die Missions-Benediktinerin hat sich bereits vor dem Abitur entschieden, in den Orden einzutreten und Medizin zu studieren. Die Fachärztin für Innere Medizin hat auch einen Master in „Palliative Care“. Im Tutzinger Krankenhaus hat sie die Palliativstation aufgebaut. „Mut machen“ heißt für sie, den Menschen als Ganzes zu sehen, mit seiner Lebensgeschichte, seinen Verbindungen – und ihn nicht auf sein Leiden zu reduzieren. Mit ihrer ruhigen Art unterstützt sie die Patienten in allen Lebenslagen und betont immer, dass sie ihre Aufgabe als Teil eines Teams leistet. Zusammen mit Psychologen, Ärzten, Schwestern, Seelsorgern und Sozialarbeitern arbeitet sie täglich daran, den Menschen in ihrer Obhut Lebensqualität zu spenden. „Man nimmt an ihrem Leben teil und kann sich daran freuen, was an Lebendigkeit da ist – und das macht sehr froh.“

Seit 15 Jahren ist Schwester Ulla Mariam in der Palliativarbeit tätig und kümmern sich natürlich auch um die Angehörigen der Patienten. Sie leiden in ihrer Ohnmacht oft mehr als die Patienten selbst. Die Ärztin schaut deshalb genau darauf, wie sie den Familienmitgliedern helfen kann, sei es mit Informationen, der Vermittlung eines Hilfsdienstes oder einfach nur, indem sie ihnen Mut macht. Schwester Ulla Mariam hält es da mit dem tschechischen Dramatiker und Politiker Václav Havel: „Hoffnung“, sagt sie, „ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass es einen Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Fritz Gerlich
Fritz Gerlich © Berlin Document Centre

Widerstand im Dritten Reich

Mut braucht der gebürtiger Stettiner Fritz Gerlich in hohem Maße, als er zu Beginn der 1930er Jahre mit seiner Zeitung „Der gerade Weg“ den Nationalsozialisten entgegentritt. Mit seinen Texten macht der gläubige Christ den Menschen Mut, die sich bereits zu Beginn der dreißiger Jahre vor der Gefahr fürchten, die von der braunen Bewegung ausging. Der anfangs eher national gesinnte Journalist wandelte sich zu einem furchtlosen Kritiker des Totalitarismus und des Machtmissbrauchs durch die NSDAP und ihre Funktionäre.

Der studierte Historiker bemüht sich 1933 belastendes Material gegen Hitler zusammenzutragen, um seinen Weg zur absoluten Macht zu verhindern. Als er von einer Reise zurückkehrt, warnen ihn die Redakteure, schnell unterzutauchen. Doch Gerlich will seine Kollegen nicht im Stich lassen. Die SA verhört und foltert ihn im März ´33 und überführt ihn nach 16 Monaten von München ins KZ Dachau, wo Gerlich in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1934 erschossen wurde.

Ein Priester, der mit ihm gemeinsam inhaftiert war, berichtet später, das Gespräch, das er mit Gerlich geführt habe, hätte ihm mehr gegeben als seine Weihe-Exerzitien. Die katholische Kirche hat Fritz Gerlich in die Reihe ihrer Märtyrer aufgenommen. Das Erzbistum München und Freising hat 2017 das Seligsprechungsverfahren für den Journalisten eingeleitet.

Erzbischof Oscar Romero
Erzbischof Oscar Romero © Arzobispado de San Salvador; Congregatio de Causis Sanctorum

Mutmacher für die Armen

Er ist wohl der berühmteste Vertreter der lateinamerikanischen Befreiungstheologie: Erzbischof Oscar Romero. Der begnadete Prediger wird im Jahr 1917 geboren. Nach seinem Theologiestudium mit Aufenthalten in Rom kehrt er als Priester in seine Heimat zurück. Er wird 1970 zum Bischof geweiht und gilt zunächst lange Zeit als Sympathisant der Oligarchen seines Heimatlandes El Salvador. Doch nach dem Mord an seinem Priesterfreund Rutilio Grande wechselt er die Seiten. Ab 1977 predigt er als Erzbischof von San Salvador öffentlich gegen die Militärregierung des Landes. Das kleine Land in Mittelamerika leidet zu dieser Zeit unter der ungerechten Verteilung von Land und grassierender Korruption. Romero wird der "Mut-Macher" vor allem für die Armen. Wenn seine Predigten übertragen werden, sind im ganzen Land die Radios eingeschaltet. Todesschwadronen schalten Regimegegner systematisch aus. Als sich auch die Lage für Oscar Romero verschlechtert, bietet ihm das Nachbarland Nicaragua Asyl ab. Er lehnt das allerdings ab, weil er bei seinem Volk bleiben möchte. 1980 wird er in einer Krankenhauskapelle am Altar erschossen. Das Attentat ist der Beginn des 12 Jahre andauernden Bürgerkriegs in El Salvador. Im Jahr 2015 spricht Papst Franziskus Oscar Romero selig, 2018 dann in Rom heilig.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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