Tipps für Eltern Mut zum NEIN

18.05.2018

Um das Kind nur ja glücklich zu machen oder nervenaufreibende Diskussionen zu vermeiden, erfüllen Eltern oft die Wünsche ihres Nachwuchses fraglos und geraten dabei in eine gefährliche Spirale, aus der sie nicht mehr herauskommen. Dabei ist das Lösungswort ganz einfach. Es lautet „NEIN“!

Auch bei zu viel Süßem sollte es „NEIN“ heißen.
Auch bei zu viel Süßem sollte es „NEIN“ heißen. © imago/emil umdorf

Eltern erfahren im Familienalltag immer wieder Grenzen. Das können die eigenen Grenzen sein oder aber die Grenzen, die Kinder im täglichen Zusammenleben ausloten. Hinzu kommt, dass die Werte, die Eltern ihren Kindern vermitteln wollen, heute andere sind als vor 30 Jahren: Standen damals noch Gehorsam und Respekt im Vordergrund, orientiert sich heute der Erziehungsstil eher an Werten wie Offenheit, Toleranz und Vertrauen. Diese Schwerpunktverschiebung ist in jedem Fall ein Gewinn, denn: Eine wertschätzende, entspannte und kooperative Familienatmosphäre ist bereits die halbe Miete für gelingende Erziehung. Und doch ist es wichtig, nicht bei einer „Kuschel-Atmosphäre“ stehen zu bleiben. Eltern sollten ihre Elternkompetenz bewusst in die Hand nehmen und auch den Mut zu einem NEIN aufbringen. Statt bei jedem NEIN ein schlechtes Gewissen zu haben, sollte man sich klar machen, dass Grenzen kein Willkürinstrument sind, sondern dazu dienen, Halt und Sicherheit zu geben.

Damit Kinder lernen, mit Grenzen umzugehen und sich im Leben zurechtzufinden, empfehlen Experten einen geregelten Tagesablauf, verlässliche Rituale und das Aufstellen einiger wichtiger Familienregeln. Folgende Faustregeln helfen dabei:

• Vereinbaren Sie gemeinsam eine überschaubare Zahl an Regeln!

• Wählen Sie klare Formulierungen!

• Orientieren Sie sich an den altersgemäßen Fähigkeiten Ihres Kindes!

• Trauen Sie ihrem Kind etwas zu und ermutigen Sie es in seinem Tun!

• Legen Sie gemeinsam Konsequenzen bei Nichteinhaltung fest und ziehen Sie diese durch!

• Fixieren Sie die Regeln schriftlich, zum Beispiel in Form eines Vertrags!

• Seien Sie selbst Vorbild! Nur wenn Reden und Handeln übereinstimmen, bleiben Sie glaubwürdig.

Am wichtigsten sind aber:

• Ermutigen und bestärken Sie Ihr Kind, wenn es etwas gut gemacht hat! • Geben Sie Ihrem Kind Zuwendung – besonders dann, wenn es sie am wenigsten verdient!

Auch für konkrete Aufforderungen, Wünsche oder Verbote aus einer Situation heraus haben Erziehungsexperten einen überraschenden, aber durchaus plausiblen Tipp parat: Die moderne Hirnforschung belegt nämlich, dass gerade kleine Kinder auf das Wort NEIN deshalb nicht reagieren, weil es im Gehirn einfach nicht wahrgenommen wird. Wenn das Kind also mal wieder wie unter einer Glocke sitzt, ist es empfehlenswert, zunächst einmal durch Blicke, Namensnennung oder eine Hand auf der Schulter aktiv Kontakt zum Kind aufzunehmen und erst dann zu sprechen. Bei der Formulierung heißt es dann:

• Sichern, dass die Botschaft angekommen ist, indem das Kind diese wiederholt.

• Erwartungen positiv und präzise formulieren.

• Das Wort „nicht“ vermeiden („Lauf bitte auf dem Gehsteig!“ statt „Lauf nicht auf der Straße!“).

• Nicht zu viele Ansagen auf einmal aussprechen.

• Ich- statt Du-Botschaften senden („Ich möchte, dass Du …“ statt „Du musst …“).

Entstehen handfeste Konflikte, so liegt das oft daran, dass Kinder meinen, ihre Eltern hätten eines ihrer sozialen Grundbedürfnisse aus dem Blick verloren. Dazu gehören das „Geborgen-und-geliebt-Sein“ und das „So- sein-dürfen-wie-man-Ist“ ebenso wie das Zusammengehörigkeitsgefühl als Familie, die Möglichkeit zur aktiven Mitwirkung und die Wertschätzung als Person. Fehlt Kindern hier etwas, versuchen sie sich das in einer Form zu holen, die den Eltern meist missfällt. Dabei ist es nicht so schwer, Kinder in Entscheidungen mit einzubeziehen, ohne das Heft aus der Hand zu geben.

Der einfachste Weg ist, Kindern Wahlmöglichkeiten anzubieten. Dabei sollten Eltern im Blick behalten, was sie selbst wollen und für vertretbar halten. Hat sich der Nachwuchs dann entschieden, ist es wichtig, die Entscheidung so stehen lassen. Auf diese Weise wird ein Machtkampf vermieden. Und so ganz nebenbei lernen die Sprösslinge, die Verantwortung für eine selbst gewählte Entscheidung zu tragen.

Vor besonderen Herausforderungen stehen Eltern von Mädchen und Buben in der Pubertät. Die Jugendlichen wollen sich ganz gezielt am Standpunkt der Eltern reiben, und das ist auch ganz normal. In solchen Momenten heißt es zuhören, nachfragen, aber auch nicht alles bis zum Ende durchdiskutieren und Dinge mal so stehen lassen.

Zur Elternkompetenz gehört eben auch, die Situation im Blick zu behalten und nicht noch Öl in eine ohnehin schon explosive Stimmung zu gießen. Endlosdikussionen, die letztlich ergebnislos verlaufen und nur Energie kosten, sollte man vermeiden und eher handeln als reden. In wieder anderen Situationen ist Mut zur Klarheit gefragt. Sätze wie „Findest Du nicht, dass Kinder in Deinem Alter um diese Zeit ins Bett gehören?“ öffnen einer sinnlosen Diskussion Tür und Tor. Besser und verständlicher ist: „Es ist spät! Ich möchte, dass Du jetzt ins Bett gehst.“ Am Ende lässt sich eine gelingende Erziehung auf eine einfache Formel bringen: Liebe, Wertschätzung, Vertrauen und eine gute Portion Mut zum „NEIN“. (Anja Legge)


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