Sinn und Unsinn von Geschenken Muttertag: Briefe, Basteleien und Blumen

14.05.2017

Kuchen, Blumen und eine kleine Bastelei stehen am Muttertag auf dem Tisch. Klar freut das jede Mama - aber ist nicht auch viel Zwang dabei?

Geschenke sollten von Herzen kommen - am Muttertag und an jedem anderen Fest. © Fotolia.com

München/Herrsching – Die einen schreiben ein Brieferl oder malen ein Bild, die anderen lernen klassisch ein Gedicht auswendig oder pflücken Blumen. Es ist Muttertag und da überraschen viele Kinder ihre Mama mit einer Kleinigkeit. Oft wird die sogar in Kindergarten oder Schule vorbereitet. „Schön“, findet die Sozialpädagogin und Erzieherin Elisabeth Erndt-Doll aus Herrsching, "allerdings nur, wenn es nicht zum Stress für alle ausartet.“ Immer wieder käme sie als Fortbildungsreferentin in Kitas und das Team erzählt, dass es zu kaum etwas anderem käme, als Geschenke und Basteleien für die verschiedenen Anlässe vorzubereiten. Weniger sei hier oft mehr, sagt die Pädagogin. Natürlich basteln viele Kinder gerne und das sei schön – allerdings seien „standardisierte“ Geschenke ihrer Ansicht nach nicht sinnvoll. Wenn jedes Kind exakt das gleiche Herz ausschneiden soll, es genauso beklebt und noch ein Spruch darauf kommt, den das Kind noch gar nicht versteht, sei der Gedanke des „dem anderen eine Freude machen“ verfehlt. Das gleiche gelte für Gedichte, die auswendig gelernt würden, deren Inhalt aber für die Kinder zu schwierig sei. „Stellen sie sich einmal vor, der Chef ihres Mannes sagt: Dieses Jahr kaufen alle Männer unserer Firma das genau gleiche Geschenk für ihre Frauen zum Valentinstag – das fänden Sie auch einfallslos und befremdlich“, erklärt sie lachend. Viel schöner seien doch Geschenke, bei denen sich der Schenkende Gedanken gemacht hat, was den anderen freuen könnte.

Individualität statt Standard

Etwas, was Steffi Holzwarth, Mutter zweier Söhne, bestätigt: „Ich freue mich sehr, wenn meine Jungs etwas für mich basteln. Aber es ist schön, wenn ich sehe, dass sie es selbst gemacht haben und nicht die Erzieherin alles machen musste.“ In diesem Jahr darf sie sich zum Muttertag über eine, von Jakob gebastelte, Dampflock freuen. Die hat er aus Korken, Strohhalmen und allem möglichen Restmüll gebaut.

Fachfrau Elisabeth Erndt-Doll findet es gut, wenn Kinder sich selbst etwas für die Mama ausdenken können. Natürlich sollten sie dabei angeleitet werden, aber es ist nicht sinnvoll, dass sie etwas von der Erzieherin übergestülpt bekommen. „Ich habe es schon mal in einer Kita erlebt, dass mir das Team enttäuscht erzählte, die Mamas seien so undankbar und hätten sich gar nicht bei ihnen für die aufwendigen Geschenke bedankt“, meint sie. „Da musste ich sagen – ja ein Muttertagsgeschenk soll auch ein Geschenk vom Kind sein, für das sich die Mama beim Kind bedankt und kein Geschenk von euch“, fügt sie hinzu.

Sie rät Stress rauszunehmen – wenn ein Kind nicht gerne bastle, sollte es nicht dazu gezwungen werden. Meist ließen sich Kinder eh anstecken, wenn die Freunde mit Schere und Kleber herumhantieren. Wenn nicht, sei das auch nicht schlimm. Denn ein Geschenk soll von Herzen kommen. „Ein Geschenk ist dann ein gutes Geschenk, wenn es dem Schenkenden genauso viel Freude bereitet wie dem Beschenkten“, sagt sie. Und deshalb sollte man schon kleinen Kindern vermitteln, dass etwas Selbstgebasteltes zum Muttertag kein Zwang sei, sondern Freude machen soll. Und jede Mama weiß: Eine Umarmung oder ein dickes Bussi kann das schönste Geschenk sein. (Stefanie Schmid)

Mehr zum Thema: Kinder und Geschenke auf Kitaradio.de
Sozialpädagogin und Erzieherin Elisabeth Erndt-Doll gibt ein Seminar zum Thema "Schenken will gelernt sein" beim Fortbildungsinstitut impuls in Augsburg.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

„Wir sind eine ganz normale Familie!“, betont Maria Steindlmüller immer wieder.
© Feichtner

Ungewöhnliche Familie "Bei uns wurde geschimpft und gelacht"

Ihre drei Kinder haben sich alle in den Dienst der Kirche gestellt - die beiden Söhne wurden Priester, die Tochter Gemeindereferentin. Wir besuchten die Mutter, Maria Steindlmüller, in St. Salvator...

12.05.2018

Adventskränze in unterschiedlichen Stilrichtungen.
© SMB

Ehrenamtliches Engagement Pfarrjugend bastelt Adventskränze für guten Zweck

Langsam wird es Zeit sich einen Adventskranz zu besorgen. Denn bald ist es soweit. Besonders individuelle Kränze gibt es in Sankt Margaret in München Sendling.

24.11.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren