Landesausstellung im Kloster Ettal Mythos Bayern

03.05.2018

Was macht den „Mythos Bayern“ aus? Die Bayerische Landesausstellung, die im Kloster Ettal feierlich eröffnet wurde, liefert dazu einige Antworten.

Gruppenbild vor dem "Kini" (v.l.): Abt Barnabas, Landrat Speer, Herzog Franz von Bayern, Ministerin Kaniber, Ministerpräsident Söder, Ministerin Kiechle und HDBG-Direktor Loibl.
Gruppenbild vor dem "Kini" (v.l.): Abt Barnabas, Landrat Speer, Herzog Franz von Bayern, Ministerin Kaniber, Ministerpräsident Söder, Ministerin Kiechle und HDBG-Direktor Loibl. © Kiderle

Ettal – Es ist die ewige Sehnsucht, die Sehnsucht nach mächtigen Bergen, tiefblauen Seen und duftenden Wäldern, nach Geborgenheit und Ruhe, nach Einklang mit Natur und Jahreszeit, das Gefühl des Angekommenseins in der Heimat, die Sehnsucht nach Tradition und Brauchtum und ja, der Verwurzelung im Glauben, der Halt gibt. Die Erfüllung dieser Sehnsucht bietet Bayern wie sonst kein anderes Land - darüber sind sich nicht nur Einheimische sicher, sondern auch Preußen, auch wenn sie das nur hinter vorgehaltener Hand zugeben. Bayern, ein Magnet, ein Mythos. Doch was macht diesen Mythos aus? Und woher kommt er? Diesen Fragen geht die Bayerische Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ nach.

Ideale Kulisse

Der Ort dafür hätte nicht besser gewählt werden können. Kloster Ettal, die wundervoll gelegene Benediktiner-Abtei mit ihrer weißen Barockkuppel im wild-romantischen Graswangtal, bietet die ideale Kulisse für die Bayern-Schau. Auch Ettal ist ein Sehnsuchtsort. Ein Rückzugsort. Ein Ort der Besinnung inmitten landschaftlicher Schönheit, die wie gemalt scheint.

Da sind sich alle Redner bei der feierlichen Eröffnung der Landesausstellung einig. Umgeben von Bergen und Klostermauern gerät selbst der Bayerische Ministerpräsident und Protestant Markus Söder (CSU) ins Schwärmen: „Unsere christlich-abendländische Prägung mit jüdisch-humanistischen Wurzeln, das spürt man in diesem wunderbaren Kloster.“

Die animierten Visionen von König Ludwig II. sind in einem extra angefertigten Holzpavillon zu sehen.
Die animierten Visionen von König Ludwig II. sind in einem extra angefertigten Holzpavillon zu sehen. © Kiderle

Sehnsuchtsort Voralpenland

Und auch der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Richard Loibl, der gemeinsam mit den Bayerischen Staatsforsten, der Bayerischen Forstverwaltung und dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen die Ausstellung auf die Beine gestellt hat, fühlt sich sichtlich wohl und freut sich, „schließlich war ich selbst Benediktiner-Schüler“. Loibl erinnert an die Gründung der Abtei im Jahre 1330 durch Kaiser Ludwig den Bayern, der damals gerade im Machtkampf mit dem Papst im französischen Avignon aus der Kirche verstoßen wurde und quasi als Wiedergutmachung an dieser verkehrsgünstig auf dem Weg nach Italien gelegenen Stelle das Benediktinerkloster gründete.

Das Graswangtal, Sehnsuchtsort auch vieler Künstler und Maler, die Gipfel und Leben in ihren romantischen Bildern festhielten. „Am Bergsteigen finden erst die Romantiker gefallen“, klärt Loibl auf. Und auch die Wittelsbacher. Die Mitglieder des bayerischen Königshauses lieben die Berge, wandern, kraxeln und gehen auf die Jagd, kurzum, sie erholen sich von ihren Regierungsgeschäften im wunderschönen Voralpenland. Ja, auch das blaue Blut trägt zu diesem Mythos Bayern bei, und nicht zu knapp. „König Max II. war ein großer Förderer der bayerischen Alpen“, erzählt der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte weiter. Auch deshalb sei vom Vater König Ludwigs II. und Ottos I. auch ein Bild in der Ausstellung zu sehen.

Prägende Wittelsbacher

Schließlich begründete Max II. den bis heute geltenden Grundsatz „Fortschritt und Tradition in Einklang bringen“. Loibl: „Wir zeigen auch eine originale Tracht Max II., den uns seine königliche Hoheit, Herzog Franz von Bayern, zur Verfügung gestellt hat.“ Der anwesende Chef der Wittelsbacher erhält dafür Beifall von den 1.200 geladenen Gästen der Ausstellungseröffnung. Dies zeigt die herzliche Verbundenheit der Bayern zu „ihrem“ Königshaus.

Denn die Wittelsbacher prägen Bayern, den Mythos, das Sehnsuchtsland wie keine andere Familie. Vor allem einer. Der Märchenkönig, von den Bayern liebevoll „Kini“ genannt, der selbst zeitlebens getrieben war von seinen Sehnsüchten. Markus Söder bekennt sich gegenüber der Münchner Kirchenzeitung als glühender Verehrer König Ludwigs II. „Ich bin König Ludwig-Fan“, gibt er zu, „er ist für den Mythos Bayern schon sehr prägend, ein Stück weit ist er der Popstar der Wittelsbacher, eine Art James Dean des Königshauses.“ Ludwigs Schlösser, eine Sehnsucht nach schöner, formvollendeter Architektur, perfekt eingefügt in die Landschaft. Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof lassen so manche Prinzessinnen-Träume wahr werden. „Wäre ich damals Finanzminister gewesen, hätte ich so meine Schwierigkeiten gehabt“, lacht Söder.

Einen Radiobeitrag zur Bayerischen Landesausstellung hören Sie am Freitag, 4. Mai, zwischen 12 und 14 Uhr im Münchner Kirchenradio.

Mit einem ökumenischen Wortgottesdienst in der Ettaler Klosterkirche begann die Eröffnung der Bayerischen Landesausstellung.
Mit einem ökumenischen Wortgottesdienst in der Ettaler Klosterkirche begann die Eröffnung der Bayerischen Landesausstellung. © Kiderle

Visionen des "Kini"

Heute spülen die Träume des Märchenkönigs viel Geld in den Staatssäckel. Und sind Mosaiksteine des Mythos, die Bayern ausmachen. Deshalb spielt König Ludwig II. selbstverständlich eine unübersehbare Rolle in der Landesausstellung. Extra dafür wurde im Klostergarten ein Holzpavillon errichtet, der auf einer Seite mit einem überlebensgroßen Plakat Ludwigs samt Schwänen vor Neuschwanstein posierend bespannt ist und extrem kitschig anmutet. Drinnen sind aufwendig animierte Visionen zu sehen, wie sie sich der Kini für das Graswangtal ausgemalt hat. Realisiert ist davon lediglich Linderhof, das in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Schloss. „Die Multi-Media-Show ist sehr beeindruckend“, zeigt sich Söder begeistert gegenüber der MK, nachdem er immerhin diesen Teil der Ausstellung gesehen hat. „Wagners Musik, Architektur und Kunst sind wunderbar miteinander verwoben in diesem Pavillon“, sagt‘s und entschwindet. Er fliegt mit seinem Kabinett nach Brüssel.

Benediktiner gehören zum Freistaat

Derweil geht Hausherr Abt Barnabas Bögle OSB entspannt durch den Innenhof des Klosters. „Wir gehören zu Bayern, wir sind mit der benediktinischen Tradition und Kultur ein wesentliches Element Bayerns, wir stehen stellvertretend für viele andere Klöster.“ Nach der Heiligen Schrift, so erklärt der Abt weiter, „ist die Benediktsregel wohl das Buch, das über die Jahrhunderte Bayern am meisten geprägt hat“. Er freut sich, dass die Ausstellung in seinem Kloster zu sehen ist. „Wir haben die Gottesdienstzeiten umgestellt“, berichtet Abt Barnabas, „es wird jeden Tag um 11 Uhr eine Heilige Messe geben, wir werden auch gelegentlich die Complet, das Nachtgebet, mit evangelischen Christen beten.“

Alphornbläserinnen durften bei der Eröffnung nicht fehlen.
Alphornbläserinnen durften bei der Eröffnung nicht fehlen. © Kiderle

Das Organisieren sei allerdings mitunter „mühsam, zäh und deshalb knapp“ gewesen. Belustigt berichtet er: „Wir haben heute früh wie jeden Morgen unser Chorgebet gehalten und das ist in einer Kapelle direkt überhalb des Pavillons“. Und da habe er ein Geräusch wie prasselnden Regen gehört. „Doch es war das Geräusch des Sägens, weil die Zimmerleute an dem Pavillon noch was richten mussten, die haben hier wirklich bis 6 oder 7 Uhr noch gewerkelt.“

Die Mühen haben sich gelohnt. Jeder Besucher kann selbst ergründen, was für ihn den Mythos, das Sehnsuchtsland Bayern ausmacht. 250 Objekte lassen der Phantasie freien Lauf, darunter ein bislang noch nie gezeigtes Exponat, 3.000 Jahre alt, fast 14 Meter lang und mehr als zwei Tonnen schwer. Das keltische Schiff wurde zwischen 1987 und 1990 vor dem Westufer der Roseninsel im Starnberger See geborgen. Für welchen Zweck es benutzt wurde, ist nicht bekannt, „Ludwig II. jedenfalls ist damit nicht untergegangen“, sagt Loibl augenzwinkernd.

Es gibt viel zu entdecken, nachzudenken, zu grinsen: vom Bauerntheater über den Dialekt bis zum Bierkrug und einem Dackel, mit dem die Besucher Selfies machen können – Klischees werden spielend aufgenommen. Den Abschluss bildet eine Holztür aus Schloss Linderhof mit einem aufgebrochenen Siegel. Die Öffentlichkeit durfte – nur wenige Tage nach Ludwigs Tod – in seine Schlösser. Schließlich sollten die Untertanen sehen, wie der Märchenkönig das Geld verschwendet hatte. Doch wütend waren sie nicht, sondern sagten bewundernd: „A Hund war a scho!“ Bayern ist und bleibt ein Mythos. Geliebt, manchmal verachtet und doch immer verehrt.

Die Bayerische Landesausstellung „Wald, Gebirg und Königstraum – Mythos Bayern“ ist bis 4. November täglich von 9 bis 18 Uhr in Kloster Ettal zu sehen. Weitere Informationen sowie ein umfangreiches Begleitprogramm finden sich online unter www.landesausstellung-ettal.de.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de


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