Aschermittwoch der Künstler Nachdenkliche Kreative

28.02.2017

Bis etwa 1914 reichen die Wurzeln des Aschermittwochs der Künstler zurück. In rund hundert Städten wird er weltweit gefeiert, auch im Münchner Dom ist er eine feste Institution.

Ästhetik und Asche: Auftakt zur Fastenzeit im Münchner Dom beim Aschermittwoch der Künstler.
Ästhetik und Asche: Auftakt zur Fastenzeit im Münchner Dom beim Aschermittwoch der Künstler. © SMB/Kiderle

München – Vor dem ersten Weltkrieg kamen französische Maler, Schriftsteller und Theaterleute zum ersten Mal zusammen, um einen Aschermittwochs-Gottesdienst im Gedenken an ihre verstorbenen Kollegen zu feiern. So richtig beginnt die Geschichte aber erst nach 1945: „Auch wieder eine Künstlerinitiative“, erklärt Ulrich Schäfert, der Leiter der Kunstpastoral im Erzbistum München und Freising. Der französische Dramatiker Paul Claudel konnte damals einen offiziellen Aschermittwoch der Künstler ankündigen. „In München war es dann Kardinal Wendel, der sich sehr für die zeitgenössische Kunst eingesetzt hat, der 1955 diese Anregung aufgenommen hat.“

Schaffenrausch und Scheitern

Seitdem ist der Aschermittwoch der Künstler ein fester Termin im Kalender jedes Münchner Erzbischofs. Und auch die Kreativen wollen nicht auf ihn verzichten, unterstreicht Schäfert . Vielleicht, weil Kunstschaffende besonders stark das Neuartige und Schöpferische ihrer Arbeit erleben. „Diese Kreativität kann dazu führen, dass man sich überhebt und glaubt man kann die Welt retten“. Gleichzeitig erleben Künstler ihre schöpferischen Grenzen: „Da erkennt ein Maler sein Bild, das er am Abend noch für genial gehalten hat, als völlig gescheitert.“
Vielleicht stehen da Künstler stellvertretend für alle Menschen, die etwas schaffen wollen und im nächsten Moment das Vergängliche und Vergebliche ihres Tuns erkennen. Dieses Bewusstsein findet am Aschermittwoch seinen liturgischen Ausdruck. Im Münchner Dom wird er in diesem Jahr unter dem Titel „An der Grenze“ von der Berliner Theater-Kompanie Anu, dem Video-Künstler Stefan Hunstein und dem Komponisten Alex Nitz gestaltet. Sie wollen zeigen, dass Kunst auch zur Mitmenschlichkeit auffordert. Das berühmte Gemälde „Das Floß der Medusa“ ist der Ausgangspunkt. Es thematisiert das Schicksal der Fregatte Medusa. 1816 ist es auf einer Sandbank vor der afrikanischen Küste gestrandet. Die wenigen Rettungsboote sollen ein Floß mit 150 Menschen an die Küste schleppen. Aber die Menschen in den Booten kappen nach und nach die Seile.

Nach dem Aschermittwoch, ist vor dem Aschermittwoch

Noch am Faschingsdienstag ist Ulrich Schäfert damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen für die Aufführung zu treffen. Da muss das monumentale Kruzifix im Dom mit einem weißen Tuch verhüllt werden, auf das Stefan Hunstein seine Videoarbeit projiziert. Die Schauspieler müssen wissen, wo sie sich bewegen können. Mit der Dommusik sind letzte Abstimmungen zu treffen, denn auch zwei Uraufführungen des amerikanischen Komponisten Sidney Corbett sollen erklingen. Überhaupt ist der Aschermittwoch der Künstler ein großes Teamwork: Das Kulturmanagement der Erzdiözese, die Abteilung für zeitgenössische Kunst, die Dienste im Dom, das Büro des Erzbischofs wirken dabei eng zusammen. Und ist der Gottesdienst vorbei, beginnen schon die Überlegungen fürs nächste Mal. „Nach dem Aschermittwoch, ist vor dem Aschermittwoch“, sagt Schäfert. Noch in der Fastenzeit wird die Gestaltung reflektiert und die Planung für das kommende Jahr begonnen. (Alois Bierl)

Das Münchner Kirchenradio überträgt den Gottesdienst zum Aschermittwoch der Künstler am 1. März ab 18.45 Uhr live. Die vorausgehende Kunstaktion im Münchner Liebfrauendom beginnt um 18.00 Uhr und ist frei zugänglich.

Dieser Artikel gehört zum Thema Fastenzeit

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