Nachhaltige Tüftler

16.08.2016

Das Grafinger „Repair Café“ versteht sich als Werkstatt, Treffpunkt und Mutmacher. Was in der Einrichtung der lokalen "Transition-Bewegung" so alles wieder flott gemacht wird und warum man in Grafing neuerdings sogar Hecken essen kann, erfahren Sie hier.

Tilmann Faul kümmert sich im „Repair Café“ um eine Kamera. (Bild: Riffert) © Riffert

Grafing – Es ist ein sommerlicher Samstag- nachmittag. Viele zieht es ins Freibad oder an die Seen. Trotzdem kommen laufend Menschen ins „Repair Café“, das einmal pro Monat in der „Casa Creativa“ in Grafing angeboten wird. Tilmann Faul sitzt konzentriert an einer kleinen Kamera, die eine Frau ihm gebracht hat. Sorgfältig schraubt er das Gehäuse auf und überprüft die Kontakte. Die Besitzerin der Kamera sitzt neben ihm und sieht zu. Das gehört zum Prinzip „Repair Café“: Die Eigentümer von Dingen, die nicht mehr richtig funktionieren, liefern diese nicht einfach ab und holen sie sich wieder nach erfolgter Reparatur. Vielmehr sind sie dabei und nehmen Einblick in das Innenleben von Geräten, die sie sich selbst nicht aufzuschrauben getraut hätten. Wenn alles gut läuft, lernen sie dadurch, worauf es ankommt, und können die nächste Reparatur selbst durchführen.

Ressourcen schonen

Am Nachbartisch wird das ferngesteuerte Auto eines Jungen untersucht. „Die Sirene funktioniert nicht mehr, und es fährt auch nicht mehr so schnell wie früher“, erklärt er. An diesem Nachmittag werden noch das Fahrrad eines jungen Flüchtlings, eine Kinderbohrmaschine, eine elektrische Gartenschere, mehrere Radios, ein PC, eine Stehlampe, ein Staubsauger und ein Langhaarschneider bearbeitet. Nicht alles ist reparierbar, aber das meiste. Währenddessen sitzen einige an der Kaffeetheke oder draußen im Schatten und genießen Getränke sowie ein Stück Kuchen. Das gehört ebenfalls zum Prinzip „Repair Café“: Man soll sich auch treffen und miteinander unterhalten können.

Das „Repair Café“ gibt es in Grafing seit August 2014. Es verdeutlicht gut, worum es den Aktiven der Transition-Bewegung geht: Nicht laufend Altes wegwerfen und Neues kaufen, sondern Dinge möglichst lange nutzen, um mit den Ressourcen der Erde sorgsam umzugehen. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit sind auch die anderen Aktivitäten der Transition-Bewegung vor Ort: So gibt es zum Beispiel Kleider- und Büchertauschbörsen oder eine „Stoffbeutelaktion“ gegen die Plastik-Vermüllung. Dabei können Grafinger und benachbarte Ebersberger saubere Stoffbeutel in bisher 13 teilnehmenden Geschäften abgeben, und wenn Kunden eine Tüte brauchen, können sie einen Beutel nehmen.

Fleißige Bienen

Beim Projekt „Essbare Hecke“ dürfen sich Mensch und Tier an öffentlich zugänglichen Beerenhecken bedienen. Bei „Grafing summt“ stehen unter anderem Bienenkästen im Stadtpark und Bürger pflanzen Bienenfutter an. Es gibt auch kulturelle Projekte wie die Filmabende in Kooperation mit dem Katholischen Kreisbildungswerk Ebersberg. Die knapp 50 Aktiven der Transition-Bewegung Grafing sind gut vernetzt mit anderen Nachhaltigkeits-Unterstützern, etwa mit Gemeinschaftsgärtnern, dem Car-Sharing und mit regionalen Landwirten. Der Einzelne kann also ganz viel nachhaltigen Wandel in die Welt bringen.

Informationen sind unter www.transitiongrafing.de erhältlich. „Repair Cafés“ bieten zudem auch katholische Einrichtungen im Erzbistum an, wie etwa die Kolpingsfamilie Rosenheim oder das Kreisbildungswerk Traunstein in Kooperation mit dem Studienseminar St. Michael. (rif)

Die Transition-Bewegung ist sowohl lokal als auch weltweit angelegt. „Transition Town“ (etwa „Stadt im Wandel“) möchte möglichst viele Menschen und Regionen auf dem Weg zu einer nachhaltigen und regionalen Lebensweise mitnehmen. Die Transition-Bewegung wurde unter anderem vom irischen Umweltaktivisten Rob Hopkins initiiert und verbreitet sich unter diesem Namen seit 2006. Ein Interview mit Sabine Kirchner, der Mitinitiatorin der Transition-Bewegung in Grafing, lesen Sie in der Münchner Kirchenzeitung Nr. 33/34 vom 14. August 2016.


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