Reformüberlegungen Nächste Schritte auf dem "synodalen Weg"

06.09.2019

Wie geht es weiter mit dem Reformprozess der Kirche? Nächste Woche treffen sich dazu Bischöfe und Laienvertreter in Fulda.

Auch wenn die Meinungen noch gespalten sind soll der synodale Weg ein gemeinsamer werden.
Auch wenn die Meinungen noch gespalten sind,soll der synodale Weg ein gemeinsamer werden. © imago images / Westend61

Fulda – Wie soll die katholische Kirche in Deutschland künftig aussehen? Wie will sie vor dem Hintergrund sinkender Mitglieder- und Priesterzahlen und nach den heftigen Erschütterungen durch den sexuellen Missbrauch künftig ihre Rolle in der Gesellschaft wahrnehmen und die Frage nach Gott wachhalten?

Die Bischöfe beantworteten diese Fragen bei ihrem Frühjahrstreffen in Lingen mit der Ankündigung eines "synodalen Weges". Gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wurden vier Themen auf die Tagesordnung gesetzt: die Sexualmoral der katholischen Kirche, die priesterliche Lebensform, die Frage nach Macht und Gewaltenteilung sowie, auf Drängen des ZdK, die Rolle der Frauen.

Vorbereitungen laufen

Am Freitag und Samstag nächster Woche nun beraten rund 45 Vertreter der Bischofskonferenz und des ZdK in Fulda über die nächsten Schritte, damit der "synodale Weg" wie geplant im Advent starten kann. Die vier Foren, allesamt von einer Doppelspitze aus Bischofskonferenz und ZdK geleitet, haben sich öffentlich unbeachtet teilweise bereits mehrfach getroffen und Papiere erarbeitet.

In Fulda soll aber auch über die Satzung für den synodalen Weg gesprochen werden. Das alles klingt zunächst recht formal, doch tatsächlich verbirgt sich dahinter ein hartes Ringen um den richtigen Weg. Dies wurde zuletzt bei einer Sitzung der Bischöfe deutlich, als sich zwar eine übergroße Mehrheit von mehr als drei Vierteln für den Prozess aussprach, eine Minderheit aber in einer geheimen Abstimmung mit Enthaltungen und Gegenstimmen Skepsis zum Ausdruck brachte.

Uneinigkeit unter den Bischöfen

Befürworter wie Kritiker machen dabei den Ende Juni veröffentlichten und in dieser Form einzigartigen Brief von Papst Franziskus "An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" für sich geltend - allen voran der Bischofkonferenz-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx und ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Während die Vertreter der Laien entspannt bis neugierig auf den "synodalen Weg" schauen, wirken einige Bischöfe nervös.

Vor ein paar Tagen sprach Magdeburgs Bischof Gerhard Feige aus, was viele Amtskollegen empfinden: "Den einen ist man zu liberal, den anderen zu konservativ." Für manche seien die meisten Bischöfe "dem sogenannten Zeitgeist erlegen und vom wahren katholischen Glauben abgefallen, andere dagegen beklagen deren Wirklichkeitsverlust und mangelnden Reformeifer". Gelegentlich könne man sich als "Bischof von Absurdistan" vorkommen.

Ein wesentlicher Mosaikstein dieser Sorge scheint zu sein, dass öffentlich bekannt und bewertet würde, was faktisch schon immer galt: Die Bischöfe sind nicht in allen Fragen einer Meinung. Trotzdem besteht bei vielen von ihnen immer noch die Hoffnung, "dass alle mitmachen und sich der Dynamik des synodalen Weges stellen", wie es einer formuliert.

"Synodaler Weg"

Der Begriff "Synode" kommt aus dem Griechischen und bedeutet im Wortsinn "Weggemeinschaft"; im kirchlichen Sprachgebrauch bezeichnet er eine Versammlung von Bischöfen beziehungsweise von Geistlichen und Laien. Der von den deutschen Bischöfen ausgerufene synodale Weg soll eine Erneuerung der Kirche anstoßen. Gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wurden vier Vorbereitungsforen zu den Themen "Macht", "Sexualmoral", "Priesterliche Lebensform" und "Rolle der Frau in der Kirche" eingesetzt. Der Startschuss für die eigentlichen Reformgespräche soll Anfang Dezember fallen. Das erste große Treffen ist für das Frühjahr 2020 geplant. Der Dialog ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Ziel sind konkrete Ergebnisse

Dem ZdK geht es vor allem darum, dass am Ende konkrete Ergebnisse vorzeigbar sind. Nicht noch einmal soll es so enden wie bei dem von Marx Vorgänger Robert Zollitsch ins Leben gerufenen und gut gemeintem Gesprächsprozesses zwischen 2011 und 2015, an dessen Ende aus Sicht vieler nichts Greifbares herauskam - außer dem Wissen, dass es nun anders werden soll. Damals wurden aus Angst vor Konflikten ganze Themenbereiche ausgeklammert. Seitdem, so sagt es eine Teilnehmerin, habe sich aber für die Kirche "die Begleitmusik gewaltig verändert".

Bestärkt sehen sich die Befürworter des "synodalen Weges" schon jetzt durch die für den Herbst geplante Amazonas-Synode. Sie könnte eine Möglichkeit eröffnen, dass in bestimmten Einzelfragen regionale Sonderwege möglich sind, ohne dadurch grundsätzlich an der weltweiten Einheit der katholischen Kirche zu rütteln. Pointiert formuliert es ein Bischof so: "Eine überdrehte Eindeutigkeit passt nicht in diese differenzierte Welt." Die Wege in die Zukunft seien verschieden. Eine Chance des "synodalen Weges" kann darin liegen, dass die Vertreter des ZdK und der Bischofskonferenz allesamt Änderungen wollen, aber keine(r) von Ihnen als Anhänger von Maximalforderungen gilt. Das eröffnet Raum für Kompromisse. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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