Kirche und Verhütung „Natürliche Familienplanung“ - die Alternative zu Kondom und Pille

02.04.2019

Die katholische Lehre verbietet künstliche Verhütung. Das heißt: Pille, Kondome und Co. sind nicht erlaubt. Die Alternative dazu ist „Natürliche Familienplanung“. Die Methode bietet mehrere Vorteile.

Ob bei Verhütung oder Kinderwunsch: "Natürliche Familenplanung" ist nachgefragt.
Ob bei Verhütung oder Kinderwunsch: "Natürliche Familenplanung" ist nachgefragt. © dima_sidelnikov - stock.adobe.com

München – Kirche und Verhütung – das Thema ist ein Dauerbrenner. Die katholische Lehre verbietet künstliche Verhütung, weil sie dem Ziel ehelichen Geschlechtsverkehrs, Nachkommen zu zeugen, widerspricht. Das heißt: Pille, Kondome und Co. sind nicht erlaubt.Trotzdem ist es möglich, unter Verzicht auf solche Verhütungsmittel und damit im Einklang mit der Lehre der Kirche das Schwangerwerden zu planen – durch die Methoden der „Natürlichen Familienplanung“ (NFP), deren Nachfrage in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Ganz im Sinne des Wortes handelt es sich bei NFP um unterschiedliche Ansätze, die es möglich machen, einerseits das Schwangerwerden gezielt zu verhindern, andererseits bei Kinderwunsch diesen schneller umsetzen zu können. Die Basis hierfür ist die Unterscheidung zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Phasen im Zyklus der Frau, die es entsprechend der eigenen Familienplanung zu nutzen gilt.

Körperzeichen genau beobachten

Den verschiedenen Methoden der NFP ist diese Unterscheidung der Zyklusphasen gemein. Sie geschieht durch eine genaue Beobachtung der Körperzeichen, die der weibliche Zyklus mit sich bringt. „Die wichtigsten Körperzeichen sind die Temperatur, die nach dem Eisprung ansteigt, der Zervixschleim, den jede Frau beobachten kann, und manchmal auch der Muttermund“, erklärt Claudia Wiesner, Ärztin und NFP-Beauftragte der Erzdiözese München und Freising. Die dadurch gewonnenen Informationen werden dann nach bestimmten Regeln ausgewertet, die anhand von Büchern oder in entsprechenden Kursen gelernt werden können. Die Frauen benötigen eine Lernphase von zwei bis vier Monaten, um mit Sicherheit fruchtbare von unfruchtbaren Tagen trennen zu können. Wiesner betreut ein Team aus NFP-Beraterinnen, die entsprechende Informationsveranstaltungen und Einführungskurse zum Thema veranstalten und dabei im Besonderen die Methode „Sensiplan“ vorstellen.

„Sensiplan ist seit über 30 Jahren mit wissenschaftlicher Begleitung entwickelt worden“, stellt Wiesner heraus. Da „Sensiplan“ nicht in den Körper und das Fruchtbarkeitsgeschehen eingreift, ist es mit der Lehre der Kirche voll und ganz vereinbar. Um Paaren diese Methode näher zu bringen, sind in allen bayerischen Diözesen NFP-Beauftragte angestellt.

Zyklus-Apps sind unzuverlässig

Wiesner liegt ganz besonders die Sicherheit der NFP-Methode nach „Sensiplan“ am Herzen. Im Gegensatz dazu seien beispielsweise die derzeit sehr beliebten Zyklus-Apps mit Vorsicht zu genießen, denn sie seien alles andere als vertrauenswürdig: Meist fragten sie nämlich nur nach der letzten Menstruationsblutung und machten allein auf Basis dieser einen Information Aussagen zur Fruchtbarkeit, was nicht mehr als Wahrscheinlichkeitsrechnung sei. „Ich kann nur jeder Frau sehr davon abraten, sich auf diese Aussagen zu verlassen – das ist sehr unsicher und unzuverlässig!“, warnt Wiesner.

Dass NFP-Methoden sehr wohl sicher sein können, zeigt „Sensiplan“. Dieser Ansatz hat einen Pearl-Index von 0,4, was ihn als ähnlich sicher wie die Pille qualifiziert. Der Pearl-Index ist ein Maß, das den Vergleich unterschiedlicher Verhütungsmethoden möglich macht. Um die Zahl besser einordnen zu können: Kondome haben einen Pearl-Index zwischen 2 und 12.

Mehr Körperkompetenz

Die Sicherheit, die bestimmte NFP-Methoden bieten, ist aber nur ein Vorteil, den viele Frauen in der „Natürlichen Familienplanung“ sehen. Diese Ansätze nämlich kommen allesamt ohne Hormoneinnahme aus, wie es etwa die Pille mit sich führt. „Zu uns in Beratungen kommen typischerweise die Frauen, die wirklich Beschwerden haben mit der Pille“, berichtet Wiesner. Außerdem ist NFP mehr als nur die Bestimmung von fruchtbaren und unfruchtbaren Zyklusphasen. „Was die Frauen immer auch merken, wenn sie unsere Kurse besuchen und diese Lernphase von zwei, drei Monaten haben: dass sie einfach eine Körperkompetenz bekommen, die sie vorher so nicht gehabt haben, dass sie viel besser über sich Bescheid wissen, manche Symptome oder auch Stimmungen besser einordnen können“, stellt Wiesner heraus. „Das empfinden sehr viele Frauen und Paare als echten Mehrwert, das geht über das Thema Verhütung und auch Kinderwunsch weit hinaus.“

Interessant ist auch, dass die NFP-Methoden nicht nur eine Verantwortung für die Frau allein darstellten; der Mann sei genauso in die Pflicht genommen, wie Wiesner hervorhebt: „Es sind wirklich Paare interessiert. Die Männer wollen mit im Boot sein und Verantwortung übernehmen.“ Für Wiesner ein Vorteil der NFP gegenüber herkömmlichen Verhütungsmethoden: „Das ist eine Besonderheit oder Herausforderung der Methode, die aber gleichzeitig für viele Paare einen Mehrwert darstellt, weil sie bemerken: ,Wir sprechen auf einmal viel mehr und offener über unsere Sexualität.‘“ Deswegen sei „Sensiplan“ grundsätzlich auch für jedes Paar geeignet, sofern bei diesem Offenheit besteht, sich mit dem Zyklus und dem eigenen Körper zu beschäftigen, dafür eine gewisse Lernphase zu haben und sich an die Regeln zu halten. (Eva Hartinger)

Informationen zur Natürlichen Familienplanung und der Methode „Sensiplan“ gibt es bei der NFP-Zentrale München, Telefon 089/21372249, E-Mail: nfp@eomuc.de, oder direkt hier.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Sexualität

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