Vergebung Neuanfang in der Beichte

21.11.2017

Ein Raum - zwei Seiten: Eine junge Christin schildert ihre ganz persönlichen Beichtstuhl-Eindrücke und welchen Wert das Sakrament im Alltag für sie hat.

Franziska Schmid engagiert sich bei "Nightfever München".
Franziska Schmid engagiert sich bei "Nightfever München". © privat

Ich bin Franzi, 21 Jahre jung und gehe so alle ein bis zwei Monate beichten. Beichten – irgendwie ein eingestaubter Begriff. Trotzdem noch brandaktuell. Für mich jedenfalls und viele andere Christen. Allerdings war Beichten nicht immer so aktuell für mich. Doch es hat in meinem Leben einen Punkt gegeben, da habe ich mich entschieden, mit Jesus zu gehen. Von diesem Moment an ist das Thema Versöhnung und Beichten wieder aktuell für mich geworden.

Freude, Enttäuschung, Versöhnung – Dinge, die zum Leben dazugehören. Leben heißt lieben und verletzen, geliebt und verletzt werden. Ohne Versöhnung würde das Leben nicht funktionieren. Lieben heißt Verzeihen und Versöhnen. Das hat Jesus mir gezeigt. Deshalb ist es für mich so wichtig geworden Beichten zu gehen. Meine Patzer im Alltag stehen zwischen Gott, den Menschen und mir. Die Beichte ist ein Weg von Gott, mir zu vergeben. Weil ich mit Gott meinen Weg gehe, muss ich meinen Weg zu ihm und mit ihm immer wieder neu suchen. Sich versöhnen bedeutet für mich im Herzen frei sein. Das braucht immer mal wieder einen Neuanfang und den kann ich in der Beichte finden.

Wenn das Herz eng geworden ist

Ich gehe beichten, wenn ich im Herzen die Sehnsucht nach Versöhnung verspüre. Wenn ich merke, mein Herz ist eng geworden, ich muss loslassen – vergeben und um Vergebung bitten. Dann bitte ich Gott, mir meine Fehler zu zeigen und Situationen, wo ich noch nicht losgelassen habe. Ich verweile einen Moment in der Stille und lasse derweil alles innerlich an mir vorbeiziehen. Schließlich bitte ich Gott dafür um Vergebung und bete passend dazu Psalm 51. Wenn ich nun im Herzen bereit bin, trage ich alles in Kurzform in den Beichtstuhl.

Der Schritt in den Beichtstuhl ist mir manchmal unangenehm. Es ist dunkel und eng und es braucht Stärke, zu den eigenen Fehlern zu stehen. Letztlich tut es mir aber gut. Eine Hilfestellung oder Anregung vom Beichtvater schätze ich sehr. Im Beichtstuhl kann ich Jesus begegnen, er richtet mich wieder auf. Nach der Absolution weiß ich, dass ich zu 100 Prozent wieder versöhnt bin. Keine Mauern mehr in meinem Herzen, zu meinen Mitmenschen, zu Gott. Da ist eine große Freiheit, die Gott mir schenkt. Für die Schönheit, die in der Versöhnung liegt, danke ich Gott.

In der Liebe wachsen

Jeder dieser Momente ist anders. Manchmal schenkt Gott mir, dass ich diese Freiheit besonders stark spüre, manchmal kann ich Gott bei der Beichte nicht so stark begegnen. Aber vergeben tut er mir immer. Denn ich bin mir meiner Fehler bewusst geworden, konnte im Herzen, im Gebet umkehren und es schließlich vor Gott aussprechen. Dem Wunsch nach Versöhnung zu folgen, birgt die Bereitschaft zur persönlichen Veränderung in sich. Ich weiß, dass ich so in der Liebe wachsen kann. So gibt mir die Beichte die Möglichkeit, mich selbst zu reflektieren, dazuzulernen und Jesus vielleicht ein klitzekleines bisschen ähnlicher zu werden …

Besonders gerne nutze ich Beichtangebote für „junges Publikum“ wie „Nightfever“ in St. Peter und „Stay and Pray“ in Heilig Geist oder eben Beichtgelegenheiten in der Innenstadt. (Franziska Schmid)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Monat der Spiritualität und zum Thema Monat der Spiritualität

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