Traumkulisse Residenz Neubeurer führen Jedermann in München auf

06.07.2018

Zum ersten Mal bringt die Neubeurer Theatergemeinschaft den „Bayerischen Jedermann“ im Brunnenhof der Münchner Residenz auf die Bühne. Die Laienschauspieler aus dem Inntal inszenieren die Geschichte vom Sterben des reichen Mannes auf authentisch-bayerische Weise.

Der Tod zu Gast beim Jedermann
Der Tod zu Gast beim Jedermann © Theatergemeinschaft Neubeuern

München – Als die Neubeurer (Landkreis Rosenheim) ihren „Beuerer JEDERMANN“ 1988 zur 1.200-Jahr-Feier ihres Ortes aufführten, hätten sie vielleicht nicht damit gerechnet, dass diese Inszenierung des berühmten Stückes von Hugo von Hofmannsthal erstens hochgelobt und zweitens langlebig sein würde. Oskar Weber übertrug das Stück in den 1980er Jahren ins Bayerische, die Neubeurer führten es in den Jahren 1993, 2013 und 2014 erneut auf. Neben den einmaligen Vorstellungen am historischen Marktplatz von Neubeuern wurde unter anderem im Passionsspielhaus in Erl (Tirol) und auf Schloss Herrenchiemsee sehr erfolgreich gespielt.

Denn mit Sicherheit ist der Jedermann der perfekte Volkstheater-Stoff: Macht, Verschwendung und Genuss sind die Lebensziele der Hauptfigur und er ist ein Egoist allererster Kategorie. Arme und Untergebene sind im besten Fall nützlich, meist aber lästig. Dann klopft der Tod an und will ihn vor Gottes Richterstuhl bringen. Als Jedermann den Tod anfleht, ihm eine kurze Frist zu gewähren, um sich einen Freund zu suchen, der ihn vor Gott begleitet, bekommt er einen Aufschub. Doch einen Begleiter für Gottes Gericht zu finden, gestaltet sich als schwierig...

Hofmannsthal in Neubeuern

Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes fasziniert seit 1920 als fester Bestandteil der Salzburger Festspiele. Der Schöpfer der Story, Hugo von Hofmannsthal, hat diese Festspiele mitbegründet. Und ihm ist es auch zu verdanken, dass Neubeuern eine ganz besondere Beziehung zu diesem Stoff hat. Denn Hofmannsthal stand in regem Briefwechsel mit Ottonie Gräfin Degenfeld-Schonburg, der Schlossherrin in Neubeuern. Und er verkehrte immer wieder auf dem Schloss. Ihre Tochter, Marie Therese, hatte noch vor ihrem Tod gesagt, der lebensnahe Neubeurer Jedermann habe sie mehr bewegt, als andere, ihrer Meinung nach zu sehr verkünstelten Aufführungen.

Die Neubeurer Theatergemeinschaft führt den Bayerischen Jedermann am 12. und 13. Juli auf, jeweils um 20 Uhr im Brunnenhof der Münchner Residenz. Kartenvorbestellungen sind unter www.muenchenevent.de möglich.

Die Neubeurer bringen eine volksnahe und turbulente Fassung des Jedermann auf die Bühne, in bayerischem Dialekt und von Salzburg auf einen prunkvollen bayerischen Gutshof verlegt. Der halbe Ort wirkt an dem Spektakel mit, an die 150 Darsteller, Musiker und Tänzer sind beteiligt. Die Rolle des „Glaubens“ ist erstmals mit der bekannten Volksschauspielerin Kathi Leitner besetzt.

Volkstheater als Gemeinschaftserlebnis

Mit dem Neubeurer Jedermann erlebt der Zuschauer kein durchkomponiertes Profitheater, sondern Figuren, die so echt sind wie die Mitglieder der Theatergemeinschaft selbst. Mehr noch als bei Berufsdarstellern ist den Neubeurern das Gemeinschaftserlebnis wichtig und im Spiel anzumerken. Und wie jedes Mal fasziniert den Zuschauer die Parabel vom Sterben des reichen Mannes, von der moralischen Reinwaschung des Unholds.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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