Jugendsynode in Rom Neue Beteiligungskultur muss weitergehen

08.10.2018

Bei 267 Bischöfen, Kurienmitarbeitern und Ordensleuten rauchen zurzeit die Köpfe. Die Bischofssynode in Rom berät über die Jugend.

Jugend hat ein Herz für Kirche, wenn sie sich beteiligt fühlt. © Kiderle/SMB

Den ersten Erfolg hat die gerade laufende Bischofssynode über Jugendfragen schon jetzt und im Vorfeld erzielt. Noch nie sind junge Menschen vor Versammlung von Oberhirten aus aller Welt so stark gehört worden. Es gab Facebook-Umfragen und im Frühjahr eine große Vorberatung in Rom. Dort haben sich von den nationalen Bischofskonferenzen und dem Vatikan ausgewählte Jugendliche meinungsstark zu aktuellen Kirchenfragen und ihrer Sicht darauf geäußert. Eine solche Beteiligung von außerkirchlichen und nichtkirchlichen Experten auf allen Bischofssynoden ist jetzt sogar schwarz auf weiß vorgeschrieben. Denn der Vatikan hat dafür gerade eine neue Geschäftsordnung erlassen. Sogar Frauen sollen dabei in gleicher Zahl vertreten sein. Ein weiterer Erfolg, der ohne die kritischen Stimmen der Jugendlichen vielleicht noch auf sich hätte warten lassen. Der höhere Klerus hat erkannt, dass die Gläubigen Fragen, die ihr Leben betreffen, nicht mehr nur von einem exklusiven Zirkel würdiger älterer Herren behandelt sehen wollen. „Was alle angeht, soll auch von allen behandelt werden“, lautet ein alter Grundsatz der Kirche. Und alle, das sind eben nicht nur Kleriker.

Gesellschaft ermutigt Kirchendistanz

Ob eine neue Geschäftsordnung und auch die kommenden Beschlüsse ausreichen, um junge Menschen wieder für die katholische Kirche zu begeistern, das ist allerdings fraglich. Das betrifft bei weitem nicht nur den Priester- und Ordensnachwuchs. In vielen deutschen Pfarreien, ist der Anteil der katholischen Jugendlichen die zur Firmung gehen dramatisch eingebrochen. Sie reagieren auch nicht auf Einladungsschreiben. Selbst als ganz normaler Arbeitgeber oder Ausbildungsbetrieb ist die Kirche in Deutschland unter Jugendlichen nicht sehr gefragt. Ein Tendenzbetrieb, der in ihre private Lebensführung eingreift, ist ihnen unheimlich. Da hilft auch keine Bischofssynode. Es ist ein über Jahrzehnte währender Entfremdungsprozess, der die junge Generation von der Kirche trennt. Der Missbrauchsskandal hat einen der Gründe dafür offengelegt: Mündige Menschen wollen sich nicht für eine Institution verpflichten lassen, in der Orthodoxie und Orthopraxie also Lehre und Leben auseinanderklaffen. Und viel zu oft haben Kleriker auf diesen Vertrauensverlust mit Machtworten und Machtgehabe reagiert. In einer Gesellschaft, die eine kritische Distanz zur organisierten Religion ermutigt und nicht mehr ächtet läuft das natürlich ins Leere. Papst Franziskus und viele Bischöfe haben diesen Schuss gehört und darauf mit einer neuen Beteiligungskultur reagiert.

Bischöfe können lernen

Viel zu halbherzig sagen Kritiker auch unter den katholischen Jugendverbänden, wie der Münchner BDKJ-Vorsitzende Sebastian Appolt. Die Jugendlichen hätten von der Synode keine Veränderungen zu erwarten. Der Gewinn läge eher bei den Bischöfen, so Appolt. Und da hat der Jugendvertreter Recht. Bei den Oberhirten muss die Bereitschaft zu neuen Formen der Kommunikation wachsen. Sie müssen Theologen finden und ermutigen, die eine neue und überzeugende Sprache für den Glauben finden. Und zwar in einer digitalen Welt, die sich rasant verändert. In der es aber auch die Sehnsucht nach einem festen Halt gibt. Die Bischöfe müssen offene christliche Gemeinschaften ermutigen, die aber nicht ins Sektenhafte abgleiten. Sie werden Sonderprivilegien für die Kirche aufgeben, die Erfahrungen der Gläubigen aufnehmen und mit ihnen in neue Regeln fassen müssen. Wenn die Jugendsynode das mit auf den Weg bringt, dann ist es auch zu verschmerzen, dass das Beschlussgremium nur von Bischöfen besetzt ist. Vielleicht gibt es unter ihnen ja welche, die dafür kämpfen, dass sich das in Zukunft ändert. Vielleicht dann bei der nächsten derartigen Versammlung nicht nur von Synodenvätern, sondern auch von Synodenmüttern die Rede. Weil Frauen über die Beschlüsse mit abstimmen.

Audio

Zum Nachhören

Kommentar im Münchner Kirchenradio zur Jugendsynode

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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