Tagung Neue Chancen für Tourismus und Seelsorge

18.10.2019

Tourismus-Seelsorger und Touristik-Fachleute haben sich zu einem Studientag im Kloster Seeon getroffen. Für die Kirchen gibt es da ganz eigene Aufgaben wie die Teilnehmer feststellen.

Unter dem Titel "Auftrieb" trafen sich Fachleute und Kirchenvertreter zu einer Tagung über Tourismus.
Unter dem Titel "Auftrieb" trafen sich Fachleute und Kirchenvertreter zu einer Tagung über Tourismus. © SMB/Schmid

Kloster Seeon – „Auftrieb“ haben die Tourismus-Seelsorger ihre Tagung genannt. „Auftrieb“ heißt hier die Chance zur Gestaltung, die Möglichkeit Neues zu schaffen. Bei ihrem Studientag unterhielten sich die Fachleute für Tourismus und Tourismus-Seelsorger aus dem ganzen Erzbistum München und Freising über Perspektiven, die beide Gruppen in ihrer Arbeit haben – jede für sich, aber natürlich auch gemeinsam.

Anregungen holten sich die Teilnehmer von zwei hochkarätigen Impulsgebern: dem Bildhauer Andreas Kuhnlein und dem Bezirksheimatpfleger für Oberbayern, Norbert Göttler. Kuhnlein, bekannt geworden durch Skulpturen, die er mit der Motorsäge aus Baumstämmen schneidet, offenbarte, wie der Aufbruch zu neuen Ufern ihn im Leben und in der Kunst weitergebracht hat. Im Gespräch mit Moderator Alois Bierl vom Sankt Michaelsbund erinnerte der Künstler daran, was Kirche, Kunst und Tourismus eint: im Besitz einer Botschaft zu sein, die alle drei Bereiche den Menschen mitteilen wollten.

Heimat als Aufgabe

Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler näherte sich dem Tagungsthema von seiner Tätigkeit her: Heimat als Begriff und Größe sei auch immer wieder der Erneuerung unterworfen: heutzutage könnten Menschen mehr als nur eine Heimat haben, etwa, wenn sie immer wieder in ihr oberbayerisches Urlaubsziel zurückkehrten. Oder berufshalber wegzögen, und anderswo eine neue Heimat fänden. Für Kirche und Tourismus ist das, erklärte Göttler, eine Aufgabe: für die Kirche, nicht mehr nur für die Kerngemeinde da zu sein, sondern auch für Zugezogene und Touristen. Für den Tourismus bestünde diese Aufgabe darin, den Menschen Heimat auf Zeit zu bieten.

Im zweiten Teil des Studientages diskutierte Moderator Alois Bierl mit vier Podiumsgästen, worin die Notwendigkeit, aber auch die Herausforderung besteht, immer wieder Neues schaffen und präsentieren zu müssen. Christina Pfaffinger, Geschäftsleiterin des Tourismusverbandes Chiemsee-Alpenland, machte deutlich, dass es zu den Zwängen im Tourismus gehöre, immer wieder Trends aufzugreifen. Gleichzeitig müsse man den Spagat schaffen, einerseits die Lebensqualität der Einwohner zu bewahren und andererseits dem Wirtschaftsfaktor Tourismus Rechnung zu tragen. Gegenseitiger Respekt von Einwohnern und Urlaubern sei da unverzichtbar. Die Verbindung zur Kirche sei nicht nur dadurch gegeben, dass ein schöner Kirchturm auf den Prospekten der Tourismusämter prange, sondern indem man auch die Angebote der Pfarreien und kirchlichen Organisationen bewerbe und unterstütze. Damit bringe man den Besuchern auch die Lebensart der Region nahe. Tourismus sei ohne Kirche und Kultur nicht lebensfähig.

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Kirche mit neuen Begegnungsräumen

Auch die kirchlichen Angebote sind, so der Leiter des Ressorts Seelsorge und kirchliches Leben im Erzbischöflichen Ordinariat, Thomas Schlichting, dauernden Veränderungen unterworfen: es brauche neue Formen der Spiritualität und man benötige „Erfinder, die neue Rezepte bringen“, so der Monsignore. Für den Geistlichen ist es wichtig, dass Kirche neue Begegnungsräume gestaltet. Relativ neu sei dabei zum Beispiel der Bedarf, diese Räume auch für die Arbeit mit Asylbewerbern und Geflüchteten anzubieten.

Neue Räume in altem Gewand bietet auch die Kunstpädagogin Johanna G. Eder vom Diözesanmuseum Freising an: sie hat den Umbau des ehemaligen Salesianer-Klosters Beuerberg (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen) zum Ausstellungsort mitgestaltet und sieht es als ihre Aufgabe an, Brücken zum Leben außerhalb des Klosters zu bauen. Mit dem Einblick in das Klosterleben, mit Workshops und wechselnden Ausstellungen werde Althergebrachtes neu präsentiert und die Lebenswelt innerhalb und außerhalb verbunden. Wie gut das schon gelungen sei, zeige sich etwa darin, dass Beuerberger Kinder sich zum Klosterführer hätten ausbilden lassen: Kinder führten jetzt Kinder durch die 900 Jahre alte Anlage.

Immer neue Impulse gehören auch zur Arbeit des Hausherrn im Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon: Geschäftsleiter Gerald Schölzel erklärte auf dem Podium, dass man zum Beispiel in Kursen jungen Managern die altehrwürdigen benediktinischen Regeln nahebringe. Gleichzeitig gehöre zum Veranstaltungsprogramm des Klosters auch ein Poetry-Slam, mit dem auch jüngere Besucher angelockt würden.

Schon vor dem Mittagessen hatten die Studientagsteilnehmer einen geistlichen Impuls in der Seeoner Klosterkirche mit musikalischer Begleitung durch Organistin Andrea Wittmann empfangen. Jetzt, zum Abschluss des Tages führte Wittmann die Besucher durch die Kirche und bot den Gästen ein kleines Orgelkonzert. Abschied nahmen Fachleute und Seelsorger dann mit einem gemeinsam gesungenen „Großer Gott, wir loben Dich“.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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