Senioren mit Kontaktbeschränkungen Neue Freundschaften für die Zeit nach Corona

21.05.2020

Die Malteser setzen bei ihren sozialen Diensten in der Krise auf traditionelle Kommunikationsformen. Die können manchmal mehr bewirken als so manche Zoom-Konferenz.

© Imago images/Westend61

München - Wenn man Zukunftsforschern Glauben schenken mag, wirkt sich die derzeitige Corona-Krise wie ein Katalysator auf die Digitalisierung unserer Lebensverhältnisse aus. Begegnungen finden größtenteils über Zoom-Konferenzen oder Video-Telefonie statt, eine Entwicklung, die man nach dem Ende der Pandemie nicht einfach wieder rückgängig machen könne, mutmaßen viele Experten. Diese Prognose nimmt vor allem die jüngeren und meist berufstätigen Menschen in den Blick, die wie selbstverständlich mit den digitalen Möglichkeiten aufgewachsen sind. Bei den Älteren, die im Zuge der Corona- Pandemie auf Hilfe angewiesen sind, ergibt sich ein komplexeres Bild. Wer eine liebe-volle Nähe zu Senioren herstellen will, die aus berechtigter Sorge das Haus kaum noch verlassen wollen, wird das eher mit Mitteln der traditionellen Kommunikation tun.

Malteser setzen auf vertraute Kommunikation

Weil man Ältere derzeit besonders schützen muss, erleben Telefonieren oder Schreiben von Briefen eine regelrechte Renaissance, erklärt Elisabeth Mauro. Sie koordiniert bei den Maltesern in München das soziale Ehrenamt. In dieser Funktion musste Mauro in den vergangenen Wochen überlegen, wie man Dienste umfunktioniert, die wegen des Kontaktverbots nicht mehr durchgeführt werden können. Weil zum Beispiel die ehrenamtlichen Helfer im Besuchsdienst nicht mehr zu alleinstehenden Senioren nach Hause kommen können, wurde der Service einfach auf regelmäßige Telefonanrufe umgestellt. Und weil Not erfinderisch macht, sind auch ganz neue Ideen entstanden wie die „Aktion Brieffreundschaft“. Sie stamme von einer Ehrenamtlichen, die Kinder und Senioren zusammenbringen wollte. Wichtigstes Kriterium sei, dass Alt und Jung nah beieinander wohnen. Die Malteser vermittelten die Brieffreundschaften nämlich mit dem Ziel, dass die neu entstandenen Bekanntschaften sich nach dem Ende der Krise auch live kennenlernen können.

Sehnsucht nach persönlicher Begegnung

Um die Zusammenführung der Generationen sei es auch bei einer Malaktion der Malteserjugend gegangen. Jugendliche hätten Bilder gemalt, die an die vom Besuchsdienst betreuten Senioren geschickt wurden. Die Resonanz der Beschenkten sei durchwegs positiv gewesen, erzählt Mauro. Trotzdem ist sie mit diesen Übergangslösungen nicht wirklich glücklich. Sich persönlich zu treffen und Angehörige zu entlasten seien die Aufgaben, nach denen sich bei den Maltesern alle sehnten, die sich in den sozialen Diensten engagieren.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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