Bundesligastart vor 50 Jahren Neue Fußballepoche

24.08.2013

24. August 1963: Im Stadion an der Grünwalder Straße warten 35.000 Zuschauer auf ein historisches Ereignis, den ersten Spieltag der neugegründeten Bundesliga. Auf der Stehtribüne fiebert auch ein junger Priester dem Anpfiff entgegen: Robert Simon, der spätere Generalvikar des Erzbistums München und Freising.

Einmal "Sechzger", immer "Sechzger": Auch nach 50 Jahren hält Prälat Robert Simon den "Löwen" die Treue (Bild: Sankt Michaelsbund)

Auch er schaut gebannt auf den Eingang der Spielerkabinen. „Alle haben dahin gestarrt und gesagt, gleich geht’s los“, erzählt Simon. Es herrschte Premierenfieber. Dann seien die Fußballer wie bei jedem anderen Spiel eingelaufen, und es habe eine unspektakuläre  Partie begonnen. Ungewöhnlich war aber der Gegner des TSV 1860 München. Zuvor waren bei den regional ausgerichteten Oberliga-Spielen immer nur Mannschaften aus Süddeutschland zu Gast gewesen. Nun stand Eintracht Braunschweig aus Niedersachsen auf dem Platz. Für den „Sechzger“-Anhänger Robert Simon war es Ehrensache, das erste Bundesliga-Match seines Vereins und auf bayerischem Boden überhaupt mit zu verfolgen. Der 1. FC Nürnberg, ebenfalls ein Gründungsmitglied der Liga, spielte auswärts. Und der FC Bayern gehörte damals noch nicht zur Elite der deutschen Fußballclubs.

20 Minuten vor Beginn stand Simon an der Stadionkasse. Das reichte, selbst wenn ein ausverkauftes Haus zu erwarten war. Auf dem Weg von der Straßenbahn zum Stadion war kaum jemand als Fan auszumachen – fast niemand war mit einem weißblauen Schal, einem Vereinskäppi zu sehen oder hatte sich gar in ein Vereinstrikot gezwängt. Vermarktung und Fankultur waren noch Fremdworte. „Dass man für Sechzig war, hat sich erst gezeigt, wenn man eng beieinander gestanden ist und die Mannschaft angefeuert hat, da war man eine Familie“, erinnert sich Simon. Auf den Gedanken, eine Sitzplatzkarte zu kaufen, war der junge Geistliche erst gar nicht gekommen: „So eine vornehme Angelegenheit hat es nur für einige wenige gegeben – das war für den Vorstand und für die, die viel Geld hatten.“

Nach 17 Minuten konnte Simon dann die Arme in die Luft reißen: Peter Grosser passte im Strafraum kurz nach rechts und plötzlich tauchte der legendäre Mittelstürmer der Sechzger, Rudi Brunnenmeier, am Fünfmeter-Raum auf und trat den Ball blitzschnell ins Tor. Der heute 75-Jährige Prälat bejubelte das erste Münchner Bundesliga-Tor übrigens in Zivil. Schon kurz nach dem Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils mussten die Priester nicht mehr grundsätzlich einen Priesterkragen oder gar eine Soutane tragen. Nicht nur der Fußball, sondern auch die Kirche wurde damals reformiert. Eine spätere Neuerung des Konzils war 1963 allerdings noch nicht angekommen: der Vorabendgottesdienst am Samstag. Der hätte Robert Simon vom Bundesligastart abhalten können, denn damals wurde erst um 17 Uhr angepfiffen: „Aber ich hätte meinen Pfarrer bestimmt überzeugt, dass ich an diesem Tag in die Grünwalder Straße muss und dafür am Sonntag zwei Gottesdienste halte.“

Das erste Münchner Bundesligaspiel endete schließlich 1:1. Seitdem verfolgt der frühere Generalvikar, was sich in der Bundesliga tut. Nicht nur in der ersten, sondern auch in der zweiten. Denn sein Lieblingsverein ist zwar 1966 Deutscher Meister geworden, danach aber ging´s für den TSV 1860 immer wieder ins Unterhaus. Dort hat der Club zuletzt nur noch durch den finanziellen Einstieg eines arabischen Unternehmers und Querelen in der Vereinsführung Schlagzeilen gemacht. Sehr zum Leidwesen von Prälat Simon, der am 24. August 1963 seine „Sechzger“ auf den Weg in eine lange, erfolgreiche Bundesliga-Zukunft sah. Den hat aber nur der Lokalrivale FC Bayern beschritten. (alb)


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