Moderne Kirchenmusik Neue geistliche Musik: Das Schwarzbrot des Glaubens

07.06.2021

Seit über 40 Jahren schreibt der Komponist und Pater Norbert Becker Kirchenlieder. Für ihn ist moderne spirituelle Musik mehr als nur Hintergrundgeräusch für Gottesdienste.

Norbert Becker am Klavier
Seit knapp 40 Jahren schreibt Norbert Becker moderne Kirchenmusik. © SMB/kob

Die Musik von Pater Norbert Becker kennt man in ganz Deutschland. Und darüber hinaus: In Rom wurde seinen Wallfahrtssong „Lasst uns ziehen zu den Quellen des Lebens“ schon von zehntausenden Ministranten auf dem Petersplatz gesungen. Nur ein Beispiel von vielen. Seit fast 40 Jahren schreibt er „Neue geistliche Lieder“. Von gestern ist das Genre für ihn aber nicht. Immer von neuem stelle diese Kirchenmusik die Frage nach Gott und nach dem Warum: Wie kann er das zulassen? Wie kann das sein? „Ähnlich wie der Psalmbeter fragt Neue geistliche Musik nach, wenn man nicht mehr weiter weiß“, erklärt der 59-Jährige. Gerade das macht das Genre auch heute noch so aktuell.

Keine kirchliche Schlagermusik

Als Jugendlicher kam er das erste Mal mit neuem geistlichem Liedgute (NGL) in Kontakt. Später studierte er katholische Theologie, Musik auf Lehramt, wurde Priester und Herz-Jesu-Missionar und war viele Jahre in der Schulseelsorge aktiv. Doch die neue geistliche Musik hat ihn in all der Zeit nicht losgelassen. Genau wie seine Vorbilder:  Peter Jansens mit seinem Gesangsorchester, Ludgar Edelkötter mit seiner Gruppe Impulse oder auch die Fokular-Band Gen Rosso. Wer mit Norbert Becker über den Granden des NGL spricht bekommt ein flammendes Plädoyer für die Kirchenmusik der 70er-Jahre: „Das waren keine Lieder, die einlullen, sondern das waren Lieder mit einer Botschaft!“ Keine kirchliche Schlagermusik, „sondern Lieder mit einem ganz bestimmten Übersetzungspotential.“

Begeistert von seinen Erfahrungen im Publikum diverser Kirchentage versuchte sich Becker dann mit 21-Jahren selbst an seinen ersten NGL-Song. Thema: Der Zöllner Zachäus. Herausgekommen ist am Schluss ein ganzes Singspiel für den Katholikentag 1984 in München. Mehr als 300 Lieder hat er seitdem veröffentlicht. Geschrieben hat er noch weit mehr, doch nicht alles ist für die Ewigkeit und die große Bühne, findet der Liedermacher.

Großprojekt Kolpingmesse

Neue Stücke erarbeitet er immer nach dem selben Prinzip: Am Anfang und damit im Zentrum steht der Text. „Da schwingt immer schon Melodie und Klang mit und ich kriege eine Ahnung vom Potential der Worte.“  Kern seiner Kompositionen bleibt damit die ständig neue Auseinandersetzung mit seinem Glauben. Für Norbert Becker ist NGL immer ein Dialog mit Gott, manchmal auch ein Streitgespräch. Genau darin unterscheidet sich Neues Geistliches Liedgut von anderen Formaten moderner spiritueller Musik, wie Worship- oder Praisemusik. Dort wird viel über Gott und seine Allmacht gesungen. In Neuer geistlicher Musik gehe es aber mehr darum mit Gott zu sprechen und den Versuch, ihn zu verstehen. Sie ist das „Schwarzbrot des Glaubens“, wie er es nennt.

Norbert Becker ist überzeugt, dass NGL-Lieder eine „ganz bestimmte Dienstfunktion“ in der Kirche haben: Sie sollen versuchen, Liturgie durchsichtig zu machen und zu übersetzen. Genau das will er auch in seinem neuesten Projekt umsetzen. Aktuell schreibt der 59-Jährige an einer Messe für den Kolpingverband. Seiner insgesamt vierten. Am wichtigsten ist ihm dabei, dass die Lieder einfach sind und zum Mitsingen animieren. Deshalb wird es gleich mehrere Versionen der Komposition geben: Eine einstimmige Fassung, eine vierstimmige Chorfassung, eine für Bandmusik und eine für Musikkapelle. Eine Hommage an die die Kolpingverbänden, die noch die Tradition einer Musikkapelle pflegen, und eine Hommage an Becker selbst, der als Jugendlicher Klarinette in einer Kapelle spielte. „Da wäre natürlich toll, wenn diese Messe dann auch so begleitet wird“, hofft der Komponist.

 

 

Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de


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