Bischöfe zur Missbrauchsstudie Neue Glaubwürdigkeit durch Monitoring

27.09.2018

Die deutschen Bischöfe wollen dem institutionellen Versagen nun durch Gegenmaßnahmen begegnen.

Kardinal Reinhard Marx ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. (Archivbild)
Kardinal Reinhard Marx ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. (Archivbild) © SMB/Schlaug

Fulda – Die Abschlusspressekonferenz zur Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe beginnt etwas später als geplant. Bis zur letzten Sekunde haben die Oberhirten am Wortlaut ihrer Erklärung zu den Ergebnissen der jüngsten Missbrauchsstudie gefeilt. Der Vorsitzende Kardinal Marx handelt die anderen Tagungsordnungspunkte der Herbstvollversammlung von der Organspende bis zur Handreichung zur Kommunion für konfessionsverschiedene Paare schnell ab. Da haben sich die bisherigen Positionen nicht erheblich geändert. Dann kommt er entschlossen zur Erklärung der deutschen Bischöfe zu den Ergebnissen der Studie zu sexuellen Missbrauch durch Kleriker. „Wir stellen uns dem Ernst der Stunde“, zitiert Kardinal Marx aus dem ersten Absatz.

An seiner Seite ist der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Oberhirte Stephan Ackermann. Mehr als bisher wollen die Bischöfe Begegnungen mit den Betroffenen suchen und fremde Hilfe hinzuziehen. Das bedeutet zu den „diözesanen Ansprechpersonen für Fragen sexuellen Missbrauchs zusätzliche externe, unabhängige Anlaufstellen“ anzubieten. Die bisher sehr unterschiedlichen Zahlungen an Betroffene wollen die Diözesen gemeinsam weiterentwickeln und vereinheitlichen. Weil es bisher keine Vergleiche zu anderen Institutionen bei Entschädigungsleistungen gibt, planen sie sich in dieser Frage auch mit dem unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Missbrauchsfragen zu beraten. Die Studie kritisierte auch die häufig lückenhafte und unklare Führung der Personalakten von Kleriker. Hier haben die Bistümer eine gemeinsame Standardisierung angekündigt.

Kardinal Marx: Die Zeit einer Closed-Shop-Mentalität ist vorbei

Insgesamt zielen die Bischöfe auf eine „unabhängige Aufarbeitung“, ohne die eine „wirksame Veränderung und Gerechtigkeit“ für die Opfer nicht möglich sei. Kardinal Marx spricht von einem „Einschnitt“ nach einem „institutionellen Versagen“. Die Zeit sei vorbei, in denen Bischöfe und Ordinariate „in einer Closed-Shop-Mentalität“ Entscheidungen treffen könnten. „Ja, es geht um die Beteiligung, die Teilung und die Kontrolle von Macht“, betont der Erzbischof von München und Freising. Allerdings sei noch vieles unklar, weil zahlreiche rechtliche Fragen, der Datenschutz und Persönlichkeitsrechte zu lösen seien. Ausdrücklich bittet Kardinal Marx „alle, uns dabei kritisch zu begleiten“ und er dankt den an der Studie beteiligten Wissenschaftlern, „die uns jetzt auf diesen Weg gebracht haben“. Über diesen Weg werden die Bistümer regelmäßig berichten, unterstreicht Bischof Ackermann. Ein verbindliches überdiözesanes Monitoring soll die von der Studie und von Opferinitiativen immer wieder bemängelte Undurchsichtigkeit und Unterschiedlichkeit des Umgangs mit Missbrauchsfällen ablösen. Bei dieser systematischen Erfassung aller Maßnahmen werden die einzelnen Bistümer namentlich genannt. Lässt eine Diözese in ihrem Engagement nach, muss sie dafür öffentlich geradestehen. „Mit einem solchen Monitoring, gibt´s auch ein Ranking“, so Bischof Ackermann.

Entschlossen wollen die deutschen Bischöfe dadurch das Vertrauen der Gläubigen und der Gesellschaft in die katholische Kirche wiedergewinnen. „Ich kann Menschen verstehen, die sagen: Was ist das für eine Institution“, erklärt Kardinal unmittelbar nach der Pressekonferenz. „Aber es gibt ja niemanden, der den Platz sonst einnehmen kann, von Jesus und seiner Botschaft zu sprechen.“

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Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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