Glockenweihe in Lauterbach Neue Glocken zum 500. Geburtstag

02.08.2021

1521 wurde die Pfarrkirche St. Georg in Lauterbach erbaut. Zwei der drei ursprünglichen Bronzeglocken fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Nun wurden sie ersetzt und feierlich geweiht.

Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger segnet die Glocken
Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger segnet die zwei neuen Glocken für die Pfarrkirche St. Georg. © Kiderle

Lauterbach – Im Mai mussten die Lauterbacher von zwei ihrer drei Kirchturmglocken Abschied nehmen. Fast einhundert Jahre läuteten die Glocken aus Eisenguss zu zahlreichen kirchlichen Ereignissen. Ursprünglich versahen im Turm von St. Georg drei Bronzeglocken ihren Dienst. Im Ersten Weltkrieg sind jedoch viele dieser Glocken zu Kriegszwecken eingeschmolzen worden. Das Schicksal des Einschmelzens ist auch in Lauterbach zwei Bronzeglocken nicht erspart geblieben. Sie wurden durch deutlich minderwertigere Eisenglocken ersetzt. Wie Christian Nieberle, Verbandsleiter des Pfarramts Ampfing erklärt, hätten die eisernen Glocken im Laufe der Zeit stark an Materie verloren. Es seien teilweise sogar faustgroße Löcher entstanden. Eine längerfristige Nutzung sei daher nicht mehr möglich gewesen.

Vom Pferdegespann geliefert

St. Georg braucht zwei neue Glocken, da gibt es kein Vertun. Den Zuschlag für den Guss zweier Bronzeglocken erhielt die Firma Perner aus Passau. Am Sonntag, 1. August, durften die Lauterbacher nun ihre neuen Glocken feierlich in Empfang nehmen. Das Geläut wurde mit einem Pferdegespann vorgefahren. Beinahe das ganze Dorf war auf den Beinen. Viele Kommunionkinder säumten die Straße.

Eigentlich sollte der Festgottesdienst mit Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger, Pfarradministrator Florian Regner und Diakon Sepp Breiteneicher im Freien stattfinden. Aufgrund des regnerischen Wetters wurde der Gottesdienst jedoch in ein Zelt verlegt. Die Weihe der Glocken durch Weihrauch, Weihwasser und Chrisam nahm Dr. Haßlberger vor. Ihm gebührte auch der erste Glockenschlag, sodass sich die zahlreichen Festbesucher schon mal einen kurzen Eindruck vom wunderbaren Klang ihrer neuen Glocken verschaffen konnten.

Die neuen Glocken

Die größere der beiden Glocken wiegt 547 kg. Auf der Vorderseite trägt sie ein Relief der Mutter Gottes mit dem Kind sowie die Jahreszahlen 1521-2021. Auch eine Bitte ist auf der Glocke eingraviert: Mutter Gottes, schütze unser Land, steht da zu lesen. Die Rückseite ziert ein Seerosenblatt aus dem Wappen des Klosters Seeon und die Inschrift Lauterbach.

Die kleinere Glocke bringt 222 kg auf die Waage. Sie schmückt das Bild des Heiligen Benedikt von Nursia, dem Gründer des Ordens, dem auch das Kloster Seeon als der Grundherr von Lauterbach, Goldau und Wolfdobl angehört hat. Die Inschrift lautet: Heiliger Benedikt, bitte für uns. Die Rückseite der Glocke erinnert an das Jahr von Guss und Weihe. Nach der Weihe traten Heldensteins Bürgermeisterin Antonia Hansmeier, Mühldorfs stellvertretende Landrätin Ilse Preisinger-Sontag sowie MdL Dr. Marcel Huber ans Rednerpult um Grußworte zu sprechen. Anschließend setzte sich ein Festzug mit rund 25 Vereinen in Bewegung. Die Musikkapelle Heldenstein begleitete den Festtag auf musikalische Weise.

500. Geburtstag

Damit die neuen Glocken mit der verbliebenen Bronzeglocke auch wirklich zeigen können, was sie drauf haben, werden im Zuge des Glockenaustauschs zusätzlich der Glockenstuhl sowie die Läutanlage erneuert. Christian Nieberle: „Wir nutzen die Synergieeffekte durch das bereits bestehende Gerüst für eine Sanierung des Turms“. Immerhin feiert St. Georg heuer 500-jähriges Bestehen. Kirchenpfleger Fritz Höpfinger weiß, dass die Kirche eigentlich älter ist, doch er betont: „Die Kirche wurde, so wie sie jetzt da steht, im Jahre 1521 erbaut“.

Das Gesamtprojekt des Glockenaustausches ist nicht ganz billig. Die Verantwortlichen rechnen mit Kosten in Höhe von rund 125.000 Euro. „Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich aus den Ersparnissen der Kirchenstiftung sowie den angesammelten Zuschüssen aus Kirchensteuermitteln“, sagt der Verwaltungsleiter. Für die großzügigen Spenden seitens der Gläubigen und der Gemeinde bedankte sich Kirchenpfleger Fritz Höpfinger im Rahmen der Glockenweihe aufs Herzlichste. Dr. Marcel Huber lobte in seinem Grußwort die Lauterbacher und hob hervor: „Es ist in der heutigen Zeit gewiss nicht selbstverständlich wieder Glocken anzuschaffen und diese entsprechend zu würdigen“. Der 500. Geburtstag der Kirche kann voraussichtlich erst im nächsten Jahr gefeiert werden. (huc)


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