Feierliche Einführung in Synagoge Neue Thorarolle für jüdische Gemeinde

26.09.2017

Die liberale-jüdische Gemeinde Beth Shalom hat am Sonntag eine neue Thora entgegengenommen. Das wurde traditionell gefeiert. Während der Zeremonie war Konzentration gefragt.

Auf meterlanger Schafshaut steht die gesamte Tora, mit Federkiel und Tinte per Hand geschrieben. © Kiderle

München – Im zweiten Versuch hat es jetzt geklappt. Denn als die neue Thorarolle am 28. Mai 2017 nach München kommen sollte, gab es ein IT-Problem am Londoner Flughafen Heathrow. Dieses verhinderte die Flüge von tausenden Passagieren. Darunter auch den von Bernard Benarroch. Er ist von Beruf Schriftgelehrter und wollte nach München fliegen. Im Gepäck: eine selbstgeschriebene Thorarolle für die Gemeinde Beth Shalom.

Spender schreiben letzte Buchstaben

Vier Monate später ist sie jetzt im Münchner Stadtteil Sendling angekommen. Auf meterlanger Schafshaut steht die gesamte Thora, mit Federkiel und Tinte per Hand geschrieben – alles wie seit 3500 Jahren.“Es ist ein außergewöhnliches Gefühl, diese lebendige Gemeinde in München zu sehen.”, sagte der Sofer, so heißt der Beruf des Schriftgelehrten in der hebräisch-jüdischen Tradition.

Am frühen Nachmittag versammelte sich die Gemeinde, um zusammen mit Unterstützern die letzten Worte der Thora gemeinsam zu Ende zu schreiben. Für Rabbiner Tom Kucera blieb die Ehre, die Thora mit dem letzten Wort ‘Israel’ zu vollenden. Bei diesem Teil der Zeremonie ist höchste Konzentration gefragt – ein kleiner Fehler würde die Thora unrein und unbrauchbar für die Synagoge machen. Nach einer Prozession im Innenhof, bei der vor allem Jugendliche die neue Rolle tragen durften, feierte die Gemeinde in der Synagoge einen Gottesdienst. Das Motto des Tages war, der Jugend Kraft mitzugeben.

Große Ehre für Rabbiner

Das Fest der Einführung der Thora (Hachnassat Sefer Torah) sei für die jüdische Gemeinde in München ein Höhepunkt in ihrer Geschichte. Eine Thora zu schreiben, oder zu beauftragen – das ist das letzte der 613 Ge- und Verbote, die im Talmud geschrieben stehen. Der Talmud ist eine Sammlung der Gesetze und religiösen Überlieferungen des Judentums nach der Babylonischen Gefangenschaft.

Oft wird die Anschaffung einer neuen Thora mit der Ehrung von Gemeindemitgliedern verbunden. Im Fall der Münchner Gemeinde, war das zehnjährige Dienstjubiläum von Rabbiner Tom Kucera der Grund: “Mein Jubiläum ist zwar der Anlass, aber diese Thora steht für die Arbeit aller Ehrenamtlichen in der Gemeinde.” Verschiedene Unterstützer, darunter auch das Erzbistum München und Freising, sowie viele private Spender haben die neue, eigene Thorarolle möglich gemacht. (Maximilian Blindhuber)


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