Glockenweihe im Pfarrverband Laim Neue Töne im Münchner Westen

04.04.2019

Die Pfarrei Sankt Philippus hat jahrzehntelang auf ein Geläut gewartet, dank spendenfreudiger Bürger ist es jetzt da.

Lässt am Ostermorgen zum ersten Mal von sich hören: die Friedensglocke in München-St. Philippus.
Lässt am Ostermorgen zum ersten Mal von sich hören: die Friedensglocke in München-St. Philippus. © Nicola Wieland/Glockengießerei Bachert

München – Er gibt keinen Laut von sich und ist seit seiner Errichtung vor fast 37 Jahren stumm. Der Kirchturm von St. Philippus, der an der Grenze zwischen den Münchner Stadtteilen Laim und Sendling steht, hat zwar Schalllöcher, aber keine Glocken. Doch das ändert sich nun. Der mächtige Kirchturm an der Westendstraße bekommt ein Geläut. Vier Glocken hat die Pfarrei von der Gießerei Bachert im badischen Neunkirchen gießen lassen. Zusammen sind sie rund fünf Tonnen schwer und die Anwohner im Stadtteil müssen sich an ganz neue Töne gewöhnen. „Aber wir haben die Leute im Vorfeld in allen möglichen Varianten in Kenntnis gesetzt, dass es Glocken geben wird“, erzählt Pfarrer Georg Rieger. Per Zeitung, Homepage oder Pfarrbrief wissen die Laimer und Sendlinger also, dass eine neue Ära eingeläutet wird.

Am kommenden Samstag, 6. April, ist Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg in der Pfarrei, um die Glocken zu weihen. In den darauffolgenden Tagen zieht dann ein Kran das Geläut nach oben, wo es Fachleute kunstgerecht montieren. In der Feier der Osternacht wird es zum ersten Mal erklingen.

Statt gebrauchter Glocken gibt es neue
Darauf haben der Kirchturm und die Gläubigen lange warten müssen. Zuvor fehlte schlicht das Geld. 2014 tauchte dann der Gedanke auf, die ausrangierten Glocken der evangelischen Simeonskirche zu kaufen und katholisch zu recyceln. Das hat zwar nicht geklappt, aber es war für St. Philippus ein Startsignal.„Es hat sich eine Initiative gegründet, die sagte: Wenn wir keine gebrauchten Glocken bekommen, dann wollen wir halt neue haben“, berichtet Albert Limmer. Es gab jedoch auch - vor allem wegen der hohen Kosten - kritische Stimmen, räumt der 82-jährige Kirchenpfleger ein.

Einfach durchdrücken wollten die ehren- und hauptamtlichen Entscheidungsträger die Glocken deshalb nicht. Darum hat die Kirchenverwaltung unter den Pfarrangehörigen basisdemokratisch abstimmen lassen. Rund zwei Drittel der 281 Teilnehmer einer Umfrage sprachen sich für ein neues Geläut aus, das aber nur zu den Gottesdiensten und Gebetszeiten ruft, also keine Stundenschläge hören lässt. Das hat natürlich seinen Preis: insgesamt 160.000 Euro. Vom Erzbischöflichen Ordinariat hat die Pfarrei einen Zuschuss von 20.000 Euro erhalten, vom bayerischen Kultusministerium 8.000 Euro. Der gesamte Rest kommt aus Spenden. Übrigens ohne, dass die Spenden für Sozial- und Hilfsprojekte zurückgegangen sind. Doch die Katholiken im Viertel wollten sich endlich auch ein Geläut gönnen. Lothar Hackling und der von ihm geleitete Glockenausschuss der Pfarrei bekamen das Geld innerhalb von nur vier Jahren zusammen: „Diese Bereitschaft, das finanziell zu unterstützen, hat uns selbst überrascht.“

Heimatgefühle

Aber Glocken vermitteln eben Heimatgefühl, Geborgenheit und erinnern die Menschen an Gott. Das ist auf den Glocken von St. Philippus sogar zu sehen. Der Münchner Künstler und Religionspädagoge Armin Maler hat die Verzierungen mit Symbolen für die Geschichte und die Zukunft der Pfarrei entworfen. Auf der größten Glocke steht in verschiedenen Sprachen das Wort für „Friede“. Dazwischen ist eine ausgestreckte Hand zu sehen, auf der ein Kreuz ruht, das sich zur Sonne hinbewegt. „Wir wünschen uns Frieden, wissen aber, dass wir ihn nicht alleine schaffen können und die Vollendung durch Gott brauchen“, erklärt Hackling das Motiv. Diese Botschaft kann der Glockenturm von St. Philippus nun bald jeden Tag in den Stadtteil hinausrufen.

Der Festgottesdienst mit Glockenweihe in Sankt Philippus beginnt am Samstag, 6. April, 10 Uhr. Dabei führt der Kirchenchor, unterstützt von einem Sextett, die Missa in blue von Peter Wittrich auf. Nach der Glockenweihe lädt die Pfarrei zu einem Empfang und feiert um 16 Uhr eine Dankandacht. Zur Glockenweihe ist auch eine Festschrift erschienen.

Audio

Zum Nachhören

Beitrag im Münchner Kirchenradio über Glocken für Sankt Philippus

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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