Erzbistum München und Freising Neuer Gedenktag für Selige Märtyrer von Dachau

06.06.2017

Am 12. Juni wird es heuer im Erzbistum München und Freising erstmals einen Gedenktag für alle seliggesprochenen Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau geben. Wie es zu der Einführung kam, lesen Sie hier.

Am 12. Juni wird im Erzbistum München und Freising den Seligen Märtyrern von Dachau gedacht.
Am 12. Juni wird im Erzbistum München und Freising den Seligen Märtyrern von Dachau gedacht. © fotolia/Jeanette Dietl

Dachau – Mit dem Namen der oberbayerischen Stadt Dachau ist eng die Erinnerung an das Konzentrationslager verbunden, in dem zwischen dem 22. März 1933 und dem 29. April 1945 mehr als 200.000 politische Gefangene interniert waren und 41.500 von ihnen vor allem seit 1940 an den Folgen der Haft starben oder ermordet wurden. Unter diesen Opfern des nationalsozialistischen Unrechtsregimes waren 200 Priester, Ordensleute und Laien, die als Märtyrer anerkannt wurden und im Martyrologium des 20. Jahrhunderts verzeichnet sind.

Einige wurden mittlerweile auch offiziell seliggesprochen. An die seligen Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg, die an den Folgen ihres Aufenthaltes im Konzentrationslager Dachau gestorben sind, erinnern im Diözesankalender des Erzbistums München und Freising die nichtgebotenen Gedenktage am 12. August (Karl Leisner) und 5. November (Bernhard Lichtenberg).

Bei den Seligen steht letztlich immer das mit dem jeweiligen Schicksal verbundene Glaubenszeugnis im Mittelpunkt: In und mit seinem Leben hat der oder die Selige ein Zeugnis abgelegt für die Liebe Gottes. Im Fall der Seligen Märtyrer von Dachau bedeutet das, dass sie trotz der unmenschlichen Verhältnisse und trotz des Hasses und der eigenen Bedrohung dieses Zeugnis gegeben haben. In diesem Glauben an die unauslöschliche Liebe Gottes sind die Seligen nicht nur Zeugen, sondern auch Vorbilder und "Animateure" für den Glauben der heutigen Menschen.

Zu den Seligen, die im Konzentrationslager Dachau gelitten haben, gehören aber auch Alois Andritzki (Jugendkaplan aus Dresden, Sorbe), Pater Titus Brandsma (Karmeliterpater aus den Niederlanden), Stefan Wincenty Frelichowski (Kaplan aus Polen), Pater Giuseppe Girotti (Dominikanerpater aus Italien), Georg Häfner (Pfarrer aus Oberschwarzach), Gerhard Hirschfelder (Jugendkaplan aus der Grafschaft Glatz, Schlesien), Bischof Michal Kozal (polnischer Weihbischof aus Wloclawek), Carl Lampert (Provikar aus Innsbruck-Feldkirch), Otto Neururer (Pfarrer der Pfarrei Götzens, Österreich) sowie Pater Engelmar Unzeitig (Marianhiller Missionar aus dem Sudetenland), der am 24. September 2016 in Würzburg seliggesprochen wurde.

Schließlich ist zu erinnern an die 45 in Dachau ermordeten polnischen Priester, die Papst Johannes Paul II. 1999 zusammen mit 63 weiteren polnischen Märtyrern zur Ehre der Altäre erhoben hat und derer die Kirche in Polen am 12. Juni gedenkt.

Die Priesterbaracke im KZ Dachau.
Die Priesterbaracke im KZ Dachau. © Archiv

Kardinal Marx hat Gedenktag festgelegt

Da es weder sinnvoll noch möglich ist, die Gedenktage aller in Dachau verstorbenen Seligen in den Diözesankalender der Erzdiözese München und Freising aufzunehmen, hat Kardinal Reinhard Marx auf Vorschlag der Diözesankommission für Liturgie und Kirchenmusik festgelegt, dass in Zukunft am 12. Juni ein nichtgebotener Gedenktag aller Seligen Märtyrer von Dachau in der Erzdiözese begangen wird.

Die dafür vorgesehenen Texte (Tagesgebet und Zweite Lesung für die Lesehore) wurden von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung mit Datum vom 18. Juli 2016 anerkannt und können ab sofort verwendet werden.

Unter einem nichtgebotenen Gedenktag ist folgendes zu verstehen: An dem Datum kann bei einer Messfeier den Seligen gedacht werden - verpflichtend ist dies aber nicht, es können auch Texte "vom Wochentag" verwendet werden.

Das Tagesgebet wurde in Anlehnung an eine Oration aus dem Commune des Missale Romanum entwickelt, der Text der Zweiten Lesung für die Lesehore stammt aus einer Predigt, die der heilige Papst Johannes Paul II. wenige Tage vor der Seligsprechung der 108 Märtyrer aus Polen gehalten hat. (Winfried Haunerland, Professor für Liturgiewissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München/kas)

Tagesgebet der „Seligen Märtyrer von Dachau“
Allmächtiger, ewiger Gott, in großer Bedrängnis hast du den seligen Märtyrern von Dachau die Gnade geschenkt, bis in den Tod für Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Auf ihre Fürsprache hilf uns, aus Liebe zu dir alles Widrige zu ertragen und mit ganzer Kraft dir, dem wahren Leben, entgegenzueilen. Durch Jesus Christus.


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