Finanzen 2018 Neuer Rekord bei Kirchensteuereinnahmen

08.08.2019

Die Zahl der Mitglieder sinkt. Trotzdem verzeichnen die beiden großen Kirchen für das Jahr 2018 erneut ein leichtes Plus bei den Einnahmen aus der Kirchensteuer.

In Deutschland ist die Kirchensteuer eine verpflichtende Abgabe der Kirchenmitglieder.
In Deutschland ist die Kirchensteuer eine verpflichtende Abgabe der Kirchenmitglieder. © Eigens - stock.adobe.com

Bonn – Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben 2018 so viel Kirchensteuer erhalten wie nie. Trotz sinkender Mitgliederzahlen erreichten diese Einnahmen im Vorjahr mit insgesamt rund 12,4 Milliarden Euro ein Rekordhoch. Davon erhielt die katholische Kirche 6,643 Milliarden und die evangelische 5,790 Milliarden Euro. Im Vergleich zu den insgesamt 12,1 Milliarden Euro im Jahr 2017 ist das ein leichter Anstieg um rund 2,7 Prozent. Fachleute machen dafür vor allem die gute Konjunktur verantwortlich.

In der katholischen Kirche stiegen die Einnahmen aus der Kirchensteuer im Vergleich zu 2017 (6,427 Milliarden Euro) um rund 3,3 Prozent, in der evangelischen Kirche (2017: 5,671 Milliarden Euro) um 2,1 Prozent. Die Zahlen der katholischen Deutschen Bischofskonferenz wurden am Donnerstag in einer Broschüre veröffentlicht; die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte ihre Statistik Mitte Juli vorgestellt.

Einige evangelische Landeskirchen erheben außerdem ein geringfügiges Kirchgeld von Gemeindemitgliedern, die nicht steuerpflichtig sind. Im ländlichen Raum werden vereinzelt Beiträge als Zuschlag zur Grundsteuer erhoben. Dieses Aufkommen betrug 2018 laut EKD bundesweit rund 30,1 Millionen Euro und ist in der Gesamtsumme der Kirchensteuer einbezogen.

Seit wann gibt es die Kirchensteuer?

Sie wurde 1919 in der heutigen Form eingeführt und dokumentiert die rechtliche und funktionale Stellung von Kirche und Staat. Sie sichert die finanzielle Unabhängigkeit der Kirche vom Staat. Vorher wurde die Kirche als eine öffentliche Angelegenheit betrachtet und erheblich durch staatliche Gelder finanziert. In Deutschland ist die Kirchensteuer eine verpflichtende Abgabe der Kirchenmitglieder an ihre Religionsgemeinschaft. Die Höhe legt die Kirchenleitung fest, das jeweilige Landesparlament setzt sie in Kraft.

Hauptgrund für den Anstieg ist die allgemeine Entwicklung der Löhne und Einkommen in Deutschland und der damit verbundene Anstieg der Lohn- und Einkommensteuer. Millionen von Mitgliedern der evangelischen wie der katholischen Kirche zahlen einen Mitgliedsbeitrag an ihre Kirchen, der als Kirchensteuer bezeichnet wird. Die Höhe orientiert sich am Lohn oder Einkommen des Mitglieds und beläuft sich je nach Bundesland auf acht oder neun Prozent der gezahlten Lohn- oder Einkommensteuer.

In Deutschland ist die Kirchensteuer eine gesetzlich festgelegte Abgabe der Kirchenmitglieder. Sie wird über das staatliche Finanzamt eingezogen und an die Kirchen weitergegeben. Der Staat erhält dafür etwa drei Prozent des Steuereinkommens. Die Kirchensteuer ist die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der Kirchen. Die Kirchen finanzieren aus den Einnahmen vor allem die laufenden Kosten für ihr Personal in Seelsorge, Schulen und sozialen Einrichtungen.

Wieso geht die Kirchensteuer nicht direkt an die Gemeinden?

Ein solches System hätte zur Folge, dass eine Kirchengemeinde mit einkommensstärkeren Menschen mehr Geld zur Verfügung hätte als eine Gemeinde, in der viele Arbeitslose und Geringverdiener wohnen. Die Verwaltung der Kirchensteuer durch ein Bistum nach Vorgaben des Kirchensteuerrates garantiert jeder Gemeinde eine angemessene Grundausstattung, unabhängig vom Kirchensteueraufkommen in ihrem Bereich.

Eine von den beiden Kirchen im Mai veröffentlichte Studie der Universität Freiburg ergab die Prognose, dass sich die Kirchensteuereinnahmen bis 2060 in etwa halbieren. Wenn die Analysen zutreffen, werden in 40 Jahren noch 29 Prozent der deutschen Bevölkerung einer der großen Kirchen angehören; derzeit sind es 53,2 Prozent. Die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland sank 2018 um 700.000 auf 44,14 Millionen. Die Austrittszahlen liegen bei den evangelischen Landeskirchen mit 220.000 weiterhin höher als bei der katholischen Kirche mit 216.078. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Die Kirche und das liebe Geld

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