Missbrauchsprävention Neuer Studiengang für Kinderschutz

02.10.2018

In Rom startet am Freitag ein Master-Studiengang für Kinderschutz. Das Studienkonzept bindet auch nicht-kirchliche Kräfte mit ein, die in der Missbrauchsvorbeugung aktiv sind.

P. Hans Zollner SJ © SMB

Entwickelt wurde das Studienprogramm am Kinderschutzzentrum der päpstlichen Universität Gregoriana. Der Jesuit Hans Zollner leitet das Zentrum. Wir wollten von ihm wissen, welche Bedeutung der neue Studiengang gerade auch mit Blick auf die vor kurzem veröffentlichte Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz hat.

MK: An welchen Personenkreis richtet sich der neue Masterstudiengang für Kinderschutz?

Zollner: Er richtet sich an Personen, die in den jeweiligen Bischofskonferenzen eines Landes, in den Diözesen oder in einer Ordensgemeinschaft den Dienst eines Präventionsbeauftragten übernehmen. Die Studierenden werden dazu befähigt, mit Wissenschaftlern, mit politischen Kräften und Nichtregierungs-Organisationen in Fragen des Kinderschutzes auf gleicher Ebene zusammenzuarbeiten. Das Studium ist generell ausgerichtet auf eine Kooperation mit allen Kräften, die zusammen wirken wollen, damit Kinder gesund und sicher aufwachsen können.

MK: Was sind die Studienschwerpunkte?

Zollner: Zugelassen sind Personen, die bereits einen ersten Studienabschluss z.B. in Psychologie, Pädagogik, Theologie oder Rechtswissenschaften haben. Die Studierenden beginnen mit einer gemeinsamen akademischen Ausbildung, in der sie das lernen, was in diesem Feld für alle wichtig ist. Je nach akademischem Background werden wir ihnen dann anbieten, was sie für eine größere Spezialisierung in diesem spezifischen Bereich brauchen. Das wird geschehen durch Lerneinheiten, die nur für sie ausgearbeitet werden. Im dritten Semester gibt es ein Praktikum für die Studierenden aus Bereichen wie Psychologie und Pädagogik, während wer mehr aus den theoretischen Wissenschaften kommt in dieser Zeit intensive Lektüre betreiben kann.

MK: Stoßen Sie mit diesem Studienangebot in den Diözesen und Orden auf offene Ohren oder müssen Sie da noch viel Überzeugungsarbeit leisten?

Zollner: Die Studierenden für den neuen Studiengang sind von Bischöfen und Ordensgemeinschaften geschickt worden, die sich aktiv darum bemüht haben. Es gibt sehr viele, die sich dafür interessieren. Bei manchen muss man sagen, dass ihnen derzeit noch die Mittel dafür fehlen. Deshalb hoffen wir sehr, dass wir Freunde finden, die es Studierenden aus Afrika, Asien oder Lateinamerika ermöglichen würden, das zweijährige Studium bei uns zu absolvieren. Ich persönlich habe in den letzten Wochen bei Besuchen bei verschiedenen Bischofskonferenzen in Lateinamerika oder zuletzt in Malaysia und Papua-Neuguinea ein großes Interesse erlebt, und es gibt sicher sehr viele Bischöfe und Ordensobere, die in Zukunft ihre Leute zu uns schicken wollen. Wir müssen nur eben auch bedenken, dass das eine ökonomische Seite hat, und dass wir mit unseren Partnern und Freunden einen Weg finden müssen, um das diesen Leuten auch zu ermöglichen.

MK: Durch die jüngsten Entwicklungen in den USA und Deutschland hat der öffentliche Druck auf die Kirche in Sachen Missbrauchsprävention wieder zugenommen. Spüren Sie das auch im Kinderschutzzentrum?

Zollner: Druck ist immer da gewesen in dieser Frage. In gewissem Sinn ist die jetzige Situation in Deutschland oder den USA da nichts Neues. Wir versuchen die jüngsten Entwicklungen aufzunehmen und unseren Beitrag zu leisten, damit sowohl in der Kirche als auch darüber hinaus das Thema präsent ist, und dass wir qualifizierte Leute haben, die akademisch und professionell ausgebildet sind und dann in den jeweiligen Ländern und für die jeweiligen Institutionen das Notwendige tun, damit Kinder sicher aufwachsen können.

MK: Sind Sie optimistisch, dass es in Zukunft in kirchlichen Einrichtungen einen ausreichenden Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch geben wird?

Zollner: Ich habe schon öfter gesagt, dass im Blick auf Prävention die Situation in Deutschland jetzt schon sehr gut ist. Die große Empörung und der Aufschrei über das, was in der Vergangenheit passiert ist, ist verständlich. Aber dabei vergisst man leicht, dass seit 2010 in der Bischofskonferenz und von den verschiedenen Ordensgemeinschaften wirklich stringente Maßnahmen eingeführt wurden. Die Zahl der neuen Anklagen, die sich auf den jetzigen Zeitraum beziehen, ist deutlich gesunken. Die letzten Jahre zeigen, und das haben auch unabhängige Beobachter gesagt, dass es derzeit in Deutschland kaum einen sichereren Ort für Kinder und Jugendliche gibt als im kirchlichen Kontext.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

© Kiderle

Eine Missbrauchsbetroffene erzählt Blütentränen

Agnes Wich wurde als Mädchen von einem katholischen Priester missbraucht – und unterstützt heute die Kirche dabei, Kinder zu schützen.

21.02.2019

Generalvikar Peter Beer
© SMB/Reiling

Generalvikar Beer zum Thema Missbrauch Anspruch und Wirklichkeit

Was soll an dieser Kirche noch heilig sein? Generalvikar Peter Beer nimmt Stellung zur spirituellen Dimension des kirchlichen Missbrauchsskandals.

23.10.2018

Generalvikar Peter Beer
© EOM

Nach der Missbrauchsstudie Generalvikar Beer will Männerbünde in der Kirche aufbrechen

Der Münchner Generalvikar Peter Beer äußert sich im Interview zu Klerikalismus, Zölibat und Männerbünden.

01.10.2018

Kardinal Reinhard Marx
© imago

Kinderschutz Kardinal Marx eröffnet neuen Studiengang

An der Päpstlichen Universität in Rom gibt es bald einen neuen Studiengang zum Thema Kinderschutz.

01.10.2018

© SMB

München am Mittag Neuer Studiengang für Kinderschutz

In Rom wird am Freitag ein neuer Studiengang für Kinderschutz eröffnet. Er soll Verantwortliche in der Kirche stärker als bisher für die Missbrauchsproblematik sensibilisieren.

01.10.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren