Landeskomitee hat gewählt Neuer Vorsitzender will Frauen fördern

25.03.2017

Das oberste katholische Laiengremium Bayerns hat einen neuen Chef. Bei den Wahlen an diesem Samstag setzte sich der CSU-Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer durch.

Joachim Unterländer und Albert Schmid © Landeskomitee

Eichstätt/München - Das Landeskomitee der Katholiken in Bayern hat es bei seinem turnusmäßigen Führungswechsel spannend gemacht. Mit nur einer Stimme Mehrheit gewann Joachim Unterländer am Samstag in Eichstätt die Wahl zum neuen Vorsitzenden. Die Vollversammlung gab dem CSU-Landtagsabgeordneten und Sozialexperten am Samstag in Eichstätt den Vorzug vor der Eichstätter Jura-Professorin und Spezialistin für kirchliches Arbeitsrecht, Renate Oxenknecht-Witzsch. Erstmals in der 66-jährigen Geschichte des Gremiums gab es zwei Kandidaten.

Frauenförderung und Volkskirche

Er betrachte die Wähler von Oxenknecht-Witzsch nicht als Gegner, sagte Unterländer nach der Abstimmung gegenüber mk-online. Die knappe Entscheidung zeige, dass die Delegierten den weiblichen Anteil im Landeskomitee stärken wollten. Er begrüße es deshalb, dass Elfriede Schießleder, Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), und Monika Meier-Pojda, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Bayern, als stellvertretende Vorsitzende gewählt wurden. Unterländer sprach sich generell für eine größere weibliche Mitwirkung und Mitbestimmung in der Kirche aus: „Ich habe mich für den Diakonat der Frau ausgesprochen und dass Frauen stärker in die Verantwortung in kirchlichen Ämtern eingebunden werden.“ Ein anderer innerkirchlicher Schwerpunkt des Landeskomitees, seien Veränderungen bei der Leitung von Pfarreien oder Pfarrverbänden. Er begrüße die angekündigten Modellversuche des Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx, hier verstärkt Laien einzubinden. Das kirchliche Leben müsse in der Fläche gut präsent bleiben: „Ich bin ein Anhänger der Volkskirche und glaube nicht, dass wir sie mutlos aufgeben sollten.“ Hier seien „neue Beteiligungsformen erforderlich, die von Menschen mit und ohne Weihe ausgeführt werden“, sagte Unterländer im Interview mit mk-online.

Parteiübergreifender Katholizismus

Gesellschaftlich möchte der 59jährige vor allem Impulse in der Sozialpolitik setzen. Die Flucht- und Wanderungsbewegung nach Europa, die Digitalisierung und eine neue Vielfalt der Lebensentwürfe werde auch das Landeskomitee immer wieder zur Stellungnahme herausfordern. Er wünscht sich dabei einen „parteiübergreifenden, politischen Katholizismus“, der die Soziallehre der Kirche in einer „sich wandelnden und entsprechend unruhigen Welt formuliert und einbringt“. Der neue Vorsitzende des Landeskomitees kündigte an, ein Gesprächsforum für die katholischen Laienvertreter in Bayern einzurichten, um eine regelmäßige Diskussionsbasis mit den Diözesanräten und Verbänden zu schaffen.

Unterländer ist für die CSU seit 1994 Mitglied des bayerischen Landtags und arbeitete zuvor als Verwaltungsfachwirt bei der Bundesfinanzdirektion München. Er leitet den Parlamentsausschuss für Arbeit und Soziales und führt auch den Arbeitnehmerflügel seiner Partei. Ob er sich 2018 wieder für ein Landtagsmandat bewirbt, ließ Unterländer offen.

Ovationen für Vorgänger Schmid

Der verheiratete Vater einer Tochter folgt Albert Schmid nach. Der frühere SPD-Spitzenpolitiker und Präsident des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge trat nach zwei vierjährigen Amtszeiten nicht mehr an. Schmid wurde nach 25 Jahren Mitgliedschaft im Landeskomitee mit stehendem Applaus verabschiedet. Der Leiter des Katholischen Büros Bayern, Prälat Lorenz Wolf, dankte dem oberpfälzischen Juristen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, auch für bisweilen "heftige Kritik". Schmid sagte in seiner Abschiedsrede, in der Kommunikation sehe er das Hauptdefizit in der Kirche. Für hierarchische Strukturen sei Dialog ein Fremdkörper. Das Verständnis von Hierarchie müsse daher "entweltlicht" werden und dürfe sich nicht länger an politischer Machtausübung orientieren.

Das Landeskomitee ist die oberste gewählte Vertretung der 6,5 Millionen Katholiken in Bayern. Ihm gehören Delegierte der Diözesanräte sowie der auf Landesebene tätigen kirchlich anerkannten Verbände und Initiativen an, außerdem berufene Einzelmitglieder. (Alois Bierl/KNA)


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