Verein Ettaler Missbrauchsopfer Neues Forschungsprojekt muss Opfer-Schicksale einbeziehen

24.03.2014

Die Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz wird weitergeführt, wie heute bekannt wurde. Der Vorsitzende des Vereins der Ettaler Missbrauchsopfer begrüßt den Start des neuen Forschungsprojekts und dessen interdisziplinären Ansatz.

(Bild: imago/Roland Mühlanger)

München – Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle bringe den Opfern dann etwas, wenn ihre Fälle in der neuen Studie berücksichtigt würden. Das sagte Robert Köhler, Vorsitzender des Vereins der Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer, dem Münchner Kirchenradio. Dass die deutschen Bischöfe nach einem gescheiterten Anlauf nun das Forschungsprojekt zu Missbrauch in der katholischen Kirche an einen Verbund von sieben Professoren vergeben haben, nennt Köhler „erstmal gut“. Wichtig sei es dabei aber, die Opfer ernst zu nehmen.

Für Köhler stellt sich vor allem auch die Frage, was man aus der Studie für die Prävention innerhalb der Kirche lernt, mit welchen Mechanismen man Missbrauch „zukünftig frühzeitig aufspüren kann“. Er wünscht sich hierbei eine starke Einbeziehung der Opfer und, dass man aus ihren Schicksalen Lehren zieht. Missbrauch könne nur dann besser vermieden werden, wenn man offen darüber rede. „Missbrauch findet immer statt, aber er muss schnell aufgeklärt werden“, ergänzte Köhler. Auch auf die Frage nach einem Zusammenhang von Missbrauch und zölibatären Strukturen in der Kirche erhofft sich der Vorsitzende des Opfervereins Antwort.

2010 waren in Schule und Internat von Kloster Ettal zahlreiche gewalttätige, aber auch sexuelle Übergriffe gegen Minderjährige bekanntgeworden. 2013 veröffentlichte das Münchner Institut für Praxisforschung und Projektberatung im gemeinsamen Auftrag von Abtei und Opferverein ein Studie zu den Missbrauchsfällen im Kloster. (ksc)

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