Bauwesen im Erzbistum neu organisiert Nicht auf Sand gebaut

18.06.2017

Jede Baumaßnahme im Erzbistum erfordert eine genaue Prüfung und Bewertung. Seit Anfang Februar wurden rund 400 Bauprojekte nach einem neu entwickelten Priorisierungsverfahren vor Ort besichtigt und neu bewertet.

Bauen im Erzbistum – jede Maßnahme erfordert genaue Prüfung und Bewertung (hier Umbau des Kapuzinerklosters München-St. Anton 2006-2009). © SBM/Ertl

München – Kirchliche Gebäude“, sagt Diözesanbaumeister Christian Stumpf und schiebt seine Brille ein wenig zurecht, „sind keine beliebigen Bürokomplexe, Fabrikgebäude oder Wohnblöcke, sondern besitzen einen ganz individuellen und sehr eigenen Charakter. Daher bedürfen sie zur Bewertung auch einer Gesamtschau.“ Was fast ein wenig philosophisch klingt, hat jedoch einen ganz praktischen und höchst arbeitsintensiven Hintergrund: Stumpf hat zusammen mit Susanne Birk, der Leiterin des Ressorts „Bauwesen und Kunst“ im Erzbischöflichen Ordinariat, und seinen Mitarbeitern eine wahre Herkulesaufgabe in den vergangenen Monaten bewältigt: Seit Anfang Februar wurden rund 400 Bauprojekte im gesamten Erzbistum nach einem neu entwickelten Priorisierungsverfahren vor Ort besichtigt und neu bewertet.

Neues Verfahren hat sich bereits bewährt

Um eine differenzierte und einheitliche Systematik zu erzielen, arbeiteten verschiedene Fachstellen im Ordinariat und den Regionen zusammen. Bauvorhaben wurden nun nach baufachlicher, pastoraler, kunsthistorischer und wirtschaftlicher Relevanz bewertet. „Wir arbeiteten hierbei mit starken und genaueren Parametern als in der Vergangenheit sowie einem transparenten Punktevergabesystem mit festgelegter Gewichtung“, erläutert Stumpf. „Dieses neue Verfahren war anfangs auch für uns ungewohnt, ein echter Lernprozess. Es hat sich aber sehr gut bewährt.“ Auf diese Weise konnte ein enormer über die Jahre aufgelaufener Stau an Bauanträgen aus den Kirchenstiftungen – manches Schreiben datierte acht bis zehn Jahre zurück, etliche hatten sich, wie nun herauskam, sogar schon „überlebt“ – effektiv und effizient abgearbeitet und auf einen aktuellen und transparenten Stand gebracht werden.

Pastorale Orte
„Im Besitz des Erzbistums und der Kirchenstiftungen befinden sich circa 7.000 Bauwerke, darunter Kirchen, Pfarrheime, Pfarrhäuser, Kindertagesstätten, Schulen und Bildungseinrichtungen. Sie sind Begegnungs- und Sammelorte für Menschen und dienen dazu, die Grundvollzüge von Kirche zu ermöglichen. Der Erhalt und gegebenenfalls der Neubau von solchen Orten ist mit einem sehr hohen finanziellen personellen und organisatorischen Aufwand verbunden. Die vergangenen Jahre haben und gezeigt, dass eine Neuausrichtung des diözesanen Bauwesen dringend nötig ist; unter anderem auch deshalb, weil bei Bauplanungen der Gesamtbedarf der Erzdiözese zunehmend in den Blick genommen und eine differenzierte Bewertung von Projekten vorgenommen werden muss.“ Aus dem Brief von Generalvikar Prälat Peter Beer und Finanzdirektor Markus Reif an die Pfarrer und Kirchenverwaltungen.

Susanne Birk, Leiterin des Ressorts Bauen im Ordinariat, und Diözesanbaumeister?Christian Stumpf präsentieren ihr neues Priorisierungsverfahren für Bauanträge. © SMB/Ertl

Insgesamt acht Zweier-Teams besichtigten über Wochen landauf, landab Gotteshäuser, Pfarrheime, Kindertageseinrichtungen und sonstige kirchliche Anwesen, sprachen mit den Menschen vor Ort und füllten gemeinsam am Schluss das entsprechende Bewertungsprotokoll aus. Einfluss auf die Gewichtung haben hier außer den Bauschäden auch die sakrale Würde, die kunstfachliche Bedeutung oder die baukulturelle und architektonische Qualität des Objekts. Vor allem aber wird die potenzielle Maßnahme sorgfältig durch eine eigene Pastoralraum- Analyse abgeklopft: So gilt ab sofort ein großes Augenmerk der Zukunftsfähigkeit der möglichen Baumaßnahme, der pastoralen Dringlichkeit und regionalen Relevanz. Hinterfragt wird die Auslastung des Objekts durch interne wie externe Nutzer, die Katholikenzahl im Pfarreigebiet, die Bereiche ihres kirchlichen Wirkens, und ob ein mit der jeweiligen Seelsorgsregion abgestimmtes Pastoralkonzept vorliegt oder nicht. Zuletzt muss natürlich auch die Maßnahme wirtschaftlich vertretbar sein. „Uns war wichtig, dass jede Pfarrei für sich selbst wirklich überlegt und hinterfragt, was ihr wichtig für die Pastoral ist“, umreißt Susanne Birk die Zielrichtung des neuen Verfahrens. „Klar muss sein: Ein Pfarrheim ist kein Vereinsheim oder Bürgerhaus.“ Die kirchliche Identität des Gebäudes wird so für die Zukunft stärker betont und gewahrt.

Transparenz und Neudefinition

Das Mammutprojekt war Kernstück des seit nunmehr fast zwei Jahren laufenden Prozesses, den Bereich Bauen im Erzbistum neu zu ordnen und zu organisieren. Ziel war hierbei eine vernünftige und transparente Abarbeitung der Bauprojekte. Gleichzeitig geht es um eine Neudefinition diözesanen Bauens: Dieses soll vorausschauend und nachhaltig gestaltet sein, wie Generalvikar Prälat Peter Beer und Finanzdirektor Markus Reif in einem entsprechenden Schreiben an die Pfarrer und Kirchenverwaltungen im Erzbistum betonen. Dafür wurden auch zum 1. April 2016 die diözesanen Bauregeln neu gefasst (wir berichteten). Damit wurde zugleich das Antragsverfahren sowie die Bearbeitung der Anträge neu geregelt. Alles, um, wie es in den diözesanen Bauregeln heißt, „ein zeitgemäßes, verantwortliches, nachhaltiges und qualitätsvolles Bauen zu gewährleisten“.

Neu genehmigte Bau-Projekte (Auszug)
Tegernsee - St. Quirinus, Pfarrkirche, Brandschutzmaßnahmen
Landshut - St. Martin, Nebenkirche St. Ignatius, Innenrestaurierung, 2. Bauabschnitt, Raumschale und Ausstattung
Sachrang - St. Michael, Pfarrkirche, Dachsanierung und Außenrenovierung
Hausham - St. Anton, Pfarrheim, Gesamtinstandsetzung oder Ersatzbau
Dachau - Mariä Himmelfahrt, Pfarrhaus/-heim, Ersatzbau Pfarrzentrum
Bad Tölz - Mariä Himmelfahrt, Nebenkirche Heilig Kreuz, Innenrenovierung
Rosenheim - St. Nikolaus, Nebenkirche Heilig Geist, Gesamtrenovierung
Anzing - Mariä Geburt, Pfarrkirche, Gesamtrenovierung
Eching - St. Johannes Baptist, Filialkirche Kronwinkl - St. Stephan, Gesamtsanierung, statische Sanierung Dachstuhl und Gewölbe
Buchbach - St. Jakobus der Ältere, Pfarrkirche, Sanierung Friedhofsmauer mit Stützfunktion
Tegernsee - St. Quirinus, Pfarrkirche, Restaurierung der beiden gotischen Sakristeien

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bauen im Erzbistum und zum Thema Finanzen des Erzbistums

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