Papst Franziskus in Schweden "Nicht mit Spaltung abfinden"

02.11.2016

Papst Franziskus ist nach seinem Schweden-Besuch anlässlich des Gedenkens der Reformation wieder in den Vatikan zurückgekehrt. In Erinnerung bleibt seine Predigt in der Kathedrale von Lund.

Papst Franziskus (rechts) und Bischof Munib Younan unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung, in der sie einen vertieften Dialog über die Abendmahlsfrage fordern. © imago/Independent Photo Agency Int.

Malmö/Lund – Papst Franziskus hat am Dienstag seinen zweitägigen Schweden-Besuch beendet. Nach einem Gottesdienst mit Mitgliedern der katholischen Minderheit in Malmö kehrte er am Nachmittag nach Rom zurück. Im Mittelpunkt der 17. Auslandsreise des Papstes stand das Gedenken an die Reformation. Gemeinsam mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes (LWB) nahm Franziskus am Montag in Lund an einem ökumenischen Gebet zum Auftakt des Gedenkens an 500 Jahre Reformation 2017 teil.

Es war das erste Mal, dass ein Papst zusammen mit Lutheranern an die Reformation erinnert. Franziskus ermunterte, sich nicht mit der Trennung abzufinden und auf eine Überwindung der Kirchenspaltung hinzuarbeiten. Zuvor traf er mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven und dem Königspaar Carl Gustaf und Silvia zusammen.

Der vatikanische Ökumene-Verantwortliche, Kardinal Kurt Koch, strebt nun eine gemeinsame Erklärung über Kirche, Eucharistie und Amt mit dem LWB an. "Das ist die nächste Aufgabe", sagte er am Montagabend im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Lund. Es müsste sich um ein Dokument handeln, das der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999 vergleichbar ist, so Koch. Die Arbeiten bis zu dessen Abschluss hatten damals 17 Jahre gedauert.

Abendmahlsfrage

In der lutherischen Bischofskirche der Stadt hatten Papst Franziskus und LWB-Präsident Bischof Munib Younan eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der sie einen vertieften Dialog über die Abendmahlsfrage fordern.

Er sei sehr dankbar dafür, dass der Dialog über diese Fragen auf regionaler Ebene bereits fortgeschritten sei, vor allem in Finnland und in den USA, sagte Koch weiter. In den USA sei bereits ein gemeinsames Dokument dazu veröffentlicht worden. Dies seien "gute Zeichen" dafür, dass man auf diesem Weg vorankommen könne, so der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

Zum Abschluss seines Besuchs feierte Franziskus am Dienstag mit offiziell rund 15.000 Angehörigen der katholischen Minderheit Schwedens das Hochfest Allerheiligen. Bei diesem Fest gehe es nicht nur um die offiziellen Heiligen, sondern auch um ganz normale Menschen, die ihr Christentum "mitten in einem einfachen und verborgenen Dasein gelebt haben", sagte er im Swedbank-Stadion von Malmö.

Liebe zu Gott und den Mitmenschen

Ihre Heiligkeit äußere sich nicht unbedingt in "großen Werken" und "außerordentlichen Erfolgen". Sie lebten vielmehr Tag für Tag eine Heiligkeit, die aus Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen bestehe. "Sicher sind unter ihnen viele unserer Angehörigen, Freunde und Bekannten", so der Papst. - Nach Vatikan-Angaben sind 113.000 der rund 10 Millionen Einwohner Schwedens katholisch. Etwa die Hälfte von ihnen sind Einwanderer aus mehr als 80 Nationen.

"Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden", sagte Franziskus in seiner Predigt am Reformationstag in der Kathedrale von Lund. Das gemeinsame Gedenken biete eine "neue Chance", einen "entscheidenden Moment in unserer Geschichte wiedergutzumachen". LWB-Generalsekretär Martin Junge rief Katholiken und Lutheraner auf, sich "abzuwenden von einer von Konflikt und Spaltung überschatteten Vergangenheit, um den Weg der Gemeinschaft zu gehen."

Am Montagabend nahm Franziskus an einer ökumenischen Veranstaltung im Stadion von Malmö teil. Gemeinsam mit Bischof Younan rief er dort zu ökumenischem Einsatz für Flüchtlinge, Frieden und Umweltschutz auf. (KNA)


Das könnte Sie auch interessieren

© imago/epd

500 Jahre Reformation Jubiläum mit ökumenischer Note

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat in Berlin die Feierlichkeiten zum 500. "Reformationsjubiläum" gestartet. Die Martin-Luther-Medaille erhielt dabei ein katholischer Kardinal.

31.10.2016

© imago

Papstbesuch in Schweden Franziskus in einem säkularisierten Land

Am Montag ist Papst Franziskus am Flughafen in Malmö in Südschweden angekommen. Der Besuch sei ein wichtiges Zeichen für die Ökumene, betonte der Pontifex auf seinem Hinflug. Doch welchen Stellenwert...

31.10.2016

© Ordinariat

Reformationsgedenken Einheit der Christen sichtbar machen

95 Thesen haben einst die christliche Welt verändert. 500 Jahre später erinnern im Erzbistum beide Konfessionen daran – ein Kommentar von Florian Schuppe.

27.10.2016

Trotz Unterschiede ist eine Einheit der Christen möglich.
© fotolia/ peshkova

Marx und Bedford-Strohm zur Ökumene Wir gehören zusammen

Die Spitzenvertreter der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland haben ein gemeinsames Interview gegeben. Grund war der Start des Jubiläums zu 500 Jahre Reformation. Trotz Unterschiede...

10.10.2016

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren