Reformprozess Nicht nur die Kirchenstruktur muss sich ändern

21.10.2019

Zölibat, verheiratete Priester und die Rolle der Frau – Themen, die innerhalb der katholischen Kirche derzeit heftig diskutiert werden. Doch nicht nur das muss sich ändern, kommentiert Katharina Sichla.

Kirche muss Türen öffnen statt warten bis jemand klopft, meint Katharina Sichla.
Kirche muss Türen öffnen statt zu warten bis jemand klopft, meint Katharina Sichla. © sek_gt - stock.adobe.com

Letzte Woche war ich auf zwei Lesungen. Bei Kirchenhistoriker Hubert Wolf zum Thema Zölibat und bei Christiane Florin zu ihrem Buch "Der Weiberaufstand". Die Mehrheit der Besucher war gefühlt für Veränderungen beim Zölibat und für das Frauenpriestertum. Auch ich zähle mich zu den Befürwortern. Die Kirche entfernt sich immer mehr von der Gesellschaft. Der Riss wird größer. Es muss Veränderungen geben! Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Verlust an Mitgliedern

Doch das ist für mich nicht ausreichend. Priesterinnen und ein freiwilliges Zölibat werden nicht dazu führen, dass wieder mehr Menschen Gottesdienste und kirchliche Angebote besuchen. Die katholische Kirche in Deutschland verliert seit Jahren massenhaft Mitglieder. Pfarrer predigen vor leeren Kirchenbänken. Die Kirche verliert an Bedeutung. Scheinbar spricht ihr Angebot die Menschen nicht an.

Auf Menschen zugehen

Kirche darf deshalb nicht so weitermachen wie bisher und warten, dass die Menschen kommen, sondern muss auf sie zugehen. Dafür gibt es schon viele Beispiele: Die Entschleunigungsspur der Citypastoral München, die in der Einkaufsstraße aufgebaut wurde, die Teilnahme vieler Kirchen an der langen Nacht der Münchner Museen oder auch die kirchlichen Profile auf Instagram oder Facebook. Jesus ist damals zu den Menschen gegangen, wir, die Kirche gestalten, dürfen uns jetzt nicht verschanzen und darauf warten, dass jemand kommt. Die Zeiten sind vorbei. Ja, wir müssen auf jeden Fall unsere Strukturen verändern, doch genauso wichtig ist, dass wir wieder für Begeisterung sorgen.

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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