Stundengebet Nicht nur für Ordensleute und Priester

07.03.2018

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil soll das gesamte Volk Gottes das „Stundengebet“ pflegen.

Ein Mönch beim Chorgebet © imago

Der Name „Stundengebet“ leitet sich davon ab, dass die Gebete mit bestimmten Stunden des Tages, aber auch der Nacht verknüpft waren. Mit diesen festen Gebetszeiten sollte die Aufforderung Jesu zum unablässigen Gebet (Lk 18,1) wenigstens symbolisch verwirklicht werden. Während die Mönche in der Wüste (ab dem dritten Jahrhundert) diese Forderung durchaus wörtlich nahmen und das Gebet auch während ihrer einfachen körperlichen Arbeiten praktizierten, war dies schon in den bald darauf entstehenden klösterlichen Gemeinschaften mit ihren differenzierten Aufgaben nicht mehr möglich, geschweige denn in den mitten in der Welt lebenden und wirkenden christlichen Gemeinden.

Das Stundengebet, wie wir es heute praktizieren, ist das Ergebnis einer langen organischen Entwicklung. Es wurzelt in der jüdischen Tradition, nach der sich die gläubigen Juden dreimal am Tag zum Gebet versammelten. Die Christen übernahmen diese Gepflogenheit und ergänzten das Psalmengebet durch Hymnen und das Gebet des Herrn. So empfiehlt die „Apostolische Überlieferung“ aus dem dritten Jahrhundert das Gebet des Einzelnen zu ganz bestimmten Stunden des Tages, die „Apostolischen Konstitutionen“ aus dem vierten Jahrhundert geben dabei dem Gebet in Gemeinschaft vor dem des Einzelnen den Vorzug.

Sieben Gebetszeiten am Tag und eine in der Nacht

Die in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts verfasste Benediktusregel sieht entsprechend einem Psalmvers („Siebenmal am Tag singe ich dein Lob“) sieben Gebetszeiten bei Tag vor: Laudes (Morgenlob), Prim, Terz, Sext, Non, Vesper (Abendlob) und Komplet (Tagesabschluss) sowie nächtliche Vigilien (Nachtwachen) entsprechend dem Psalmwort: „Um Mitternacht stehe ich auf, um dich zu preisen.“

Benedikt gibt zur Vermeidung von Unklarheiten minutiöse Anweisungen, wie dieses Gebet in der Gemeinschaft ablaufen soll. Er regelt daher die Abfolge von Psalmen, Antiphonen (Wechselgesängen), Hymnen, Lesungen (besonders aus der Heiligen Schrift), Responsorien (Antwortgesängen), Bitten und Gebeten. Doch fügt er hinzu: „Wenn jemand mit dieser Psalmenordnung nicht einverstanden ist, stelle er eine andere auf, die er für besser hält“, eine Freiheit, die allerdings erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von unseren Klöstern in Anspruch genommen wurde. Wichtig ist nach Benedikt, dass unser Gebet kein bloßes Lippenbekenntnis ist, sondern wir diesen „Dienst in Ehrfurcht vor dem Herrn verrichten“ und „Herz und Stimme dabei in Einklang sind“. Im Tagesablauf des Klosters soll dem Stundengebet der erste Rang eingeräumt werden: „Nichts soll dem Gottesdienst vorgezogen werden!“

Teilnahme am Stundengebet über das Internet möglich

Das Zweite Vatikanische Konzil betont, dass – wie in der ersten Zeit der Kirche – zum Stundengebet nicht nur Ordensleute und Priester, sondern das gesamte Volk Gottes eingeladen ist. Das kann auf verschiedene Weise geschehen: durch Teilnahme an Tagen im Kloster oder an einzelnen Gebetszeiten der Klöster – heute ist dies sogar über das Internet möglich – durch Bezug von liturgischen Monatsheften, durch sogenannten „Kleine Stundenbücher“ für Laien oder auch durch Online-Ausgaben im Internet. (Emmeram Kränkl OSB)

Der Autor ist Altabt von St. Stephan in Augsburg und lebt in Kloster Schäftlarn im Isartal.


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