15 Jahre Haneberg-Haus Niemand soll verloren gehen

08.11.2016

Das Haneberg-Haus, eine Einrichtung für Menschen ohne Obdach, feiert Jubiläum: 2001 hatten die Mönche des Münchner Klosters St. Bonifaz auf ihrem Gelände ein Gebäude zur Versorgung der Wohnungslosen errichtet, heute versorgt das Haneberg-Haus die Bedürftigen in allen Lebenslagen.

200 bis 250 Personen bekommen im Haneberg-Haus täglich eine warme Mahlzeit.
200 bis 250 Personen bekommen im Haneberg-Haus täglich eine warme Mahlzeit. © SMB/Witte

München – Manfred Karch schiebt die Schirmmütze zurecht: „Man fühlt sich hier gut aufgehoben. Hier treff´ ich Leute, die ich schon lange kenne und lerne auch neue Leute kennen. Und es gibt Menschen, mit denen ich über meine Probleme reden kann.“ Der 64-Jährige kommt fast täglich ins Haneberg-Haus, eigentlich wohnt er im nördlichen Stadtteil Hasenbergl in einer Sozialwohnung. Aber hier, mitten in der Innenstadt, ist er nicht so allein, meint er.

Außerdem bietet das Haneberg-Haus für die bedürftigen Männer und Frauen eine sehr gute Versorgung: 200 bis 250 Personen bekommen hier täglich eine warme Mahlzeit. Vor einigen Jahren war es noch die Hälfte. Bemerkenswert ist auch, dass in den letzten fünf Jahren die Zahl der Hilfesuchenden, die in der Arztpraxis behandelt werden, von 2.000 auf 5.000 bis 6.000 gestiegen ist. „Die soziale Schere klafft immer weiter auseinander“, sagt Frater Emanuel Rotter, der Prior des Benediktinerklosters St. Bonifaz und Leiter des Haneberg-Hauses. Inzwischen kommen vom Arbeiter bis zum Akademiker unterschiedlichste Bedürftige, viele aus Osteuropa, aber auch aus Italien und Griechenland. Und was den Prior besonders erschreckt: die Zahl der Rentner, die mit den warmen Mahlzeiten oder den Dusch- und Bademöglichkeiten ihren äußerst schmalen Geldbeutel schonen, wird immer größer.

Ärztliche Unterstützung

Mit Hilfe von Spenden und der klostereigenen Betriebe schaffen es die Benediktiner, die stetig steigenden Zahlen an Hilfesuchenden zu versorgen. Das Angebot kann sich sehen lassen und ist in dieser Form einmalig in München: neben den warmen Mahlzeiten bietet es sanitäre Anlagen und ärztliche Unterstützung bei Krankheiten und Verletzungen. Wer mit einer starken Grippe oder nach einem Unfall nur noch schwer auf der Straße leben kann, hat im Genesungszimmer die Chance wieder auf die Beine zu kommen. Eine Kleiderkammer startet inzwischen pro Jahr etwa 40.000 bis 45.000 Menschen aus. Zwei Sozialarbeiter beraten außerdem die Betroffenen und stellen Kontakte zu sozialen Einrichtungen her.

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15 Jahre Obdachlosenarbeit

Beitrag des Münchner Kirchenradios

Eingangsbereich am Haneberg-Haus
Eingangsbereich am Haneberg-Haus © SMB/Witte

Was heute beim Besuch der hellen, freundlichen Einrichtung wie ein funktionierendes Uhrwerk erscheint, stützt sich auf 25 Jahre Hartnäckigkeit von Frater Emanuel. Damals begann er mit der Obdachlosenarbeit. Den Benediktinern liegen aufgrund ihrer Ordensregel Pilger, Gäste und besonders die Armen am Herzen. Weil die Nachfrage in der Abtei St. Bonifaz zu drangvoller Enge im normalen Klosteralltag führte, und weil Frater Emanuel mehrere Angebote, wie Essensausgabe und Duschmöglichkeiten, bündeln wollte, entstanden 1995 die ersten Planungen für einen Neubau. 2001 wurde das Haneberg-Haus eingeweiht. Benannt haben es die Benediktiner von St. Bonifaz nach ihrem zweiten Abt, Bonifatius Haneberg, der im 19. Jahrhundert durch sein soziales Engagement bekannt wurde.

20 ehrenamtliche Helfer

Sein Andenken ehren heute nicht nur zwölf Festangestellte, sondern auch über zwanzig Ehrenamtliche. Und einige Obdachlose haben inzwischen sogar eine Festanstellung bekommen, zum Beispiel bei der Essensausgabe. „Das hat den Vorteil, dass sie wissen, wie es den Leuten auf der Straße geht“, ist Frater Emanuel überzeugt. Ohne die Hilfe der Ehrenamtlichen aber wäre die Arbeit finanziell und personell nicht leistbar. Das Haneberg-Haus ist ausgelastet. Und deshalb wird sich auch Frater Emanuels größter Wunsch in absehbarer Zeit nicht erfüllen: „Ich werde oft gefragt, was ich mir wünschen würde für das Haneberg-Haus. Ich antworte immer, ich wäre gern arbeitslos.“ (Willi Witte)

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