Sonntagsbegegnung in Markt Schwaben Nina Ruge und Mönch im Partnerlook

29.01.2018

Jubiläum in Markt Schwaben: Zum 90. Mal gab es in der Gemeinde die Sonntagsbegegnung. Dieses Mal traf eine bekannte TV-Moderatorin auf den Benediktinerabt Johannes Eckert.

Letzte Abstimmung vor dem Gespräch in Markt Schwaben: Nina Ruge, Abt Johannes Eckert und Gastgeber Bernhard Winter
Letzte Abstimmung vor dem Gespräch in Markt Schwaben: Nina Ruge, Abt Johannes Eckert und Gastgeber Bernhard Winter © SMB/Kiderle

Markt Schwaben – Der Benediktinermönch und die TV-Moderatorin präsentieren sich im Partnerlook: Abt Eckert trägt einen schwarzen Habit und Nina Ruge ein schwarzes Kostüm. Auch sonst harmonieren die beiden. Jeder der beiden hat nur ein schmales Holzpult vor sich, auf dem sie sich abstützen können. Sie stehen nahe beim Publikum, reden frei und unbefangen miteinander. Es ist ein Glaubensgespräch oder eine Predigt im Dialog.

Ihre Eltern hätten ihr keinen Halt im Glauben vermittelt, erzählt Nina Ruge. Der Vater habe als "Halbjude" das Nazi-Regime überlebt, die Mutter eine schwere Krebskrankheit überwunden, sie wollten nach dem Krieg etwas aufbauen und ihren Kindern eine Zukunft geben: „Da sprach man nicht darüber, wie es dir geht, sondern wie kannst du etwas leisten.“ Das Leben in der harmonischen und erfolgreichen Familie richtete sich „nach außen und nicht nach innen“. Schon als Jugendliche spürte Nina Ruge deshalb den Mangel, „nur halb zu sein“ und die Sehnsucht nach einem spirituellen Gegenstück in ihrem Leben. Zeitweise hat sich die gelernte Biologielehrerin deshalb sogar für die indische Baghwan-Sekte interessiert. „Wo lernt man Spiritualität?“, frägt sie Abt Johannes, der aufmerksam zuhört. Und er macht deutlich, dass auch der Eintritt in einen Orden keinesfalls das Ende eines geistlichen Weges ist, sondern der Anfang: „Mönch ist man nicht, sondern wird es sein ganzes Leben lang.“ Vielleicht habe er es durch die festen Gebetszeiten leichter, zu sich und auch zu Gott zu finden. Als seelsorgerlicher Begleiter, erlebe er aber gerade die verunsicherten und zweifelnden Ratsuchenden als wichtige Gesprächspartner, weil sie seine eigene Sehnsucht nach Gott neu wachrufen und vertiefen würden.

Besondere Momente

Es sind solche Momente, die das Besondere der Sonntagsbegegnungen in Markt Schwaben deutlich machen. Da ist zu spüren, wie 250 Besucher im Unterbräu innehalten. Und die Dialogpartner vorne an den Stehpulten dem anderen auch mit dem Herzen zuhören. Da findet die TV-Moderatorin und Schriftstellerin in Abt Johannes einen Seelenverwandten und der eine ernsthafte Gottsucherin. Eine prominente Frau, die nach und nach ihren geistlichen Kompass entdeckt, aber nur teilweise in der Kirche.

Jubiläum für die Sonntagsbegegnung

Das Gespräch zwischen Nina Ruge und Abt Johannes war bereits die 90. Schwabener Sonntagsbegegnung. Es ist ein kleines Jubiläum. Altbundeskanzler Gerhard Schröder oder der ehemalige Ministerpräsident Günther Beckstein und viele andere waren bereits da. Egal ab Kirchenleute, Kabarettisten oder Kanzler: Nach Markt Schwaben kommen sie alle. Und das ohne Honorar: „Also mit Geld motivier´ ich die nicht“, sagt Bernhard Winter. Der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde und Psychotherapeut hat die Sonntagsbegegnungen vor gut 25 Jahren ins Leben gerufen und seitdem unermüdlich weitergeführt. Politische und gesellschaftliche, religiöse und kulturelle Themen will er in der Marktgemeinde im Osten Münchens ins Gespräch bringen, das Denken in Bewegung bringen und Einstellungen verändern. Immer um 11.15 Uhr, damit man zuvor den Sonntagsgottesdienst in der nahegelegenen Kirche besuchen kann.

Audio

Zum Nachhören

Beitrag zur Sonntagsbegegnung im Münchner Kirchenradio

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Zum 90. Mal fand in der Gemeinde Markt Schwaben die Sonntagsbegegnung statt.
Zum 90. Mal fand in der Gemeinde Markt Schwaben die Sonntagsbegegnung statt. © Kiderle

Stühle stapeln statt Eintrittsgeld

Wenn er einen Prominenten einlädt, ist die Liste seiner früheren Gäste die beste Werbung: „Der Dieter Hildebrandt hat gesehen, dass Gerhard Polt schon einmal da war und ist dann insgesamt vier Mal gekommen.“ Solche „Vorläufer“ seien für seine Gäste eine wesentlich größere Motivation, als die Aussicht auf ein Honorar. Außerdem lässt Winter bei seinen Anfragen nicht locker: „Man sagt mir nach, dass ich einerseits hartnäckig und andererseits freundlich bin. Diese beiden Gaben verbinde ich.“ Er hat seinen Gästen, aber noch mehr zu bieten. Bei den Sonntagsbegegnungen wird weniger gestritten, sondern aufmerksam zugehört und überlegt geredet. Und das funktioniert nur, weil der Rahmen stimmt: „Die Menschen kommen bei mir sehr nahe zusammen, es ist eng, die Referenten sitzen nicht auf einer Bühne, sondern stehen mitten im Volk.“

So gut wie immer ist der Saal bei den Sonntagsbegegnungen voll, manche kommen extra aus Rosenheim oder Augsburg, um dabei zu sein. Dass sie nach dem Gespräch die Stühle im Saal selbst aufstapeln müssen, damit keine Kosten entstehen, wissen die vielen Stammgäste. Denn der Eintritt ist frei. Manchmal stößt eine Sonntagsbegegnung auch eine Spendenaktion an, zum Beispiel für die Entwicklungsarbeit in Papua-Neuguinea. Denn sogar vom anderen Ende der Welt kommen Gesprächspartner nach Markt Schwaben.

Wunschgast Papst

Sie sei schon von Anfang an dabei, nehme immer etwas mit „und ich brauch das richtig´“, sagt eine Besucherin. Einem anderen Stammgast gefällt, dass sich Prominente in den Sonntagsbegegnungen anders und nachdenklicher zeigen, als in Fernsehdiskussionen und wieder ein anderer lobt die „wunderbare Tradition, die sicher noch den Hundertsten feiern wird.“

Davon ist auch Bernhard Winter fest überzeugt. Wenn die Zahl der Sonntagsbegegnungen dreistellig wird, wünscht er sich einen ganz besonderen Gast: „Ich könnte mir vorstellen, es kommt Papst Franziskus und ein kleines Kind, elf Jahre alt. Die sprechen miteinander.“ Selbst wenn er es mit einem Augenzwinkern sagt: Wer weiß, ob der Papst dem beharrlichen Werben von Bernhard Winter widerstehen kann. Wenn doch - Nina Ruge und Abt Johannes Eckert würden sich auch gerne ein zweites Mal in Markt Schwaben miteinander unterhalten.

Der Autor
Alois Bierl
Radio-Redaktion
a.bierl@st-michaelsbund.de


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