Kirchenappell an Landtagsabgeordnete Notleidende nicht vergessen

07.10.2013

Evangelische und katholische Kirche haben zu Beginn der neuen Sitzungsperiode mit den Landtagsabgeordneten einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Erzbischof Ludwig Schick rief die Politiker auf, den Waffenhandel, der von Bayern ausginge, zu stoppen. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm mahnte mehr Humanität gegenüber Flüchtlingen an.

Noch herrscht Einmütigkeit: Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Ministerpräsident Horst Seehofer, CSU-Fraktionsvorsitzender Thomas Kreuzer und SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher (v.r.n.l.) beim Gottesdienst in der Frauenkirche (Bild: Sankt Michaelsbund)

München - Zum Auftakt der neuen Legislaturperiode haben die Abgeordneten des Bayerischen Landtags am Montag im Münchner Liebfrauendom einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Dabei appellierten die beiden großen Kirchen an die Parlamentarier, bei ihrer politischen Arbeit in den kommen fünf Jahren auf das Gemeinwohl zu achten und die Notleidenden nicht zu vergessen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick, kritisierte gegenüber den Münchner Kirchennachrichten den Pflegenotstand im Freistaat. Außerdem müsse der Landtag dafür sorgen, dass „der Waffenhandel, der von Bayern ausgeht“, unter Kontrolle gebracht und gestoppt wird. Auch die Bildungsgerechtigkeit dürfe die Politik nicht aus den Augen verlieren, so der Bamberger Erzbischof. Alle Kinder und Jugendlichen in Bayern müssten bei ihrer Ausbildung, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, die gleichen Chancen haben.

Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm forderte die Abgeordneten auf, in der Sozialpolitik nicht nach dem Druck der Lobbygruppen zu entscheiden. Politiker sollten sich anrühren lassen „von denen, die in Not sind", sagte der Bischof in seiner Predigt. Die Christlichkeit Bayerns bemesse sich nicht "an der Häufigkeit, mit der wir uns darauf berufen", sondern an der "Überzeugung, mit der wir sie ausstrahlen". Deshalb brauche es eine "Exzellenzinitiative der Humanität". Dazu gehöre auch eine größere Flexibilität bei der Finanzierung der Pflegekosten. Auch der Umgang mit Flüchtlingen sei aus Sicht der christlichen Ethik ein zentrales Thema. Die Politik müsse hier immer wieder auf Jesu Aufforderung zur Nächstenliebe hören. Der neuen CSU-Alleinregierung riet der Landesbischof, sich in Demut zu üben. Diese sei in Zeiten absoluter Mehrheiten die wichtigste politische Tugend, sagte Bedford-Strohm den Münchner Kirchennachrichten. Die Staatsregierung dürfe jetzt nicht abheben und müsse sich immer wieder mit Gottes Hilfe neu orientieren.

Landesbischof Bedford-Strohm leitete den Gottesdienst gemeinsam mit Erzbischof Schick. Anschließend trat der 17. Bayerische Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Es wird erwartet, dass das Parlament heute die CSU-Politikerin Barbara Stamm erneut zur Landtagspräsidentin wählt. Auch Ministerpräsident Horst Seehofer muss am Dienstag um seine Wiederwahl nicht fürchten. (ph)


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