Riederinger Theater am Simssee Oberbayerischer Kulturpreis wird vergeben

12.07.2018

Der Oberbayerische Kulturpreis geht in diesem Jahr an Elfriede Ringsgwandl und ihr Riederinger Theater am Simssee.

Szene aus dem preisgekrönten Stück "Der Himmegugga"
Szene aus dem preisgekrönten Stück "Der Himmegugga" © Theaterzelt Riedering

mk online: Was bedeutet denn dieser Preis für Sie?
Elfriede Ringsgwandl: Für diesen Preis möchte ich mich zuerst einmal von ganzem Herzen bedanken. Es ist die größte Anerkennung die ich für mein Theater bekommen kann. Und dieser Preis ist für uns sehr wichtig, weil wir dadurch bekannter werden. Da wir ohne Sponsoren oder staatliche Zuschüsse arbeiten, da keiner bei uns ehrenamtlich sondern gegen Bezahlung arbeitet und da wir eine Firma sind, ist alles was wir in unserem Theater tun von der Begeisterung unserer Zuschauer abhängig. Nur durch positive Mundpropaganda können wir unsere Vorstellungen ausverkauft spielen und unsere Steuern bezahlen. Dadurch können wir, so wie wir jetzt arbeiten, weitermachen. Ich plane für nächstes Jahr schon wieder ein neues Stück und es ist immer gut, wenn ganz viele Menschen von uns erfahren. Weil wir sind ja doch recht weit draußen auf dem Land mit unserem Theaterzelt in Riedering. Das ist für uns eine Riesenwerbung, dass wir diesen Preis kriegen.

mk online: Wie beschreiben Sie denn jemanden, der von Ihnen noch nichts gehört hat, Ihre preisgekrönte Arbeit?
Ringsgwandl: Des mache ich eigentlich ungern. Meistens sage ich zu den Leuten, ihr müsst´s kommen und Euch die Sachen selber anschauen. Der „Himmegugga“ ist ein Stück, das haben jetzt ca.160 000 Leute in 1200 Vorstellungen angeschaut. Der Himmegugga ist ein ganz besonderer Mensch: Ein Erfinder, der anders denkt und anders lebt. Er hat eine wichtige Frage, die ihm auf der Welt niemand beantworten kann. Darum versucht er Außerirdische zu holen, die ihm diese Frage beantworten können. Die Bühne ist seine Erfinderwerkstatt und es gibt nur einen Menschen, dem er vertraut, seiner Tochter Maria.

mk online: Sie führen das mit Laien auf?
Ringsgwandl: Inzwischen sind´s, glaub´ ich keine Laien mehr, sondern Profis. Wir haben mal als Laien angefangen und in den 12 Jahren professionelle Spielweise gelernt.

mk online: Liegt das Theaterspielen,den Oberbayern besonders im Blut?
Ringsgwandl: Ich glaub, dass das überall in der Welt in jedem Menschenschlag liegt, weil man auf der Bühne Geschichten erfinden, sich darstellen und Spaß haben kann.

Elfriede Ringsgwandl im Gespräch mit mk online
Elfriede Ringsgwandl im Gespräch mit mk online © SMB/Kiderle

mk online: Sie vermitteln in ihren Stücken Heimat, was bedeutet denn das für Sie ganz persönlich?
Ringsgwandl:Des ist da, wo ich aufgewachsen bin und wo ich leb´ und wo ich ein Leben lang leben werde. Ich könnt mir schon vorstellen, dass ich an einem anderen Fleck auf der Welt leben könnt, aber das Heimatgefühl wär bestimmt nie da. Es gibt da einen schönen Spruch: „Man kann einen Buam aus´m Land nehmen, aber niemals das Land aus´m Buam.“ Und so ist des bei mir auch.

mk online: Was bedeutet denn der Dialekt für Ihre Arbeit?
Ringsgwandl: Wir bringen in unsere Arbeit urbayerischen Dialekt ein und wir schauen bei jedem Stück mehr darauf, dass wir Worte hernehmen, die schon fast vergessen sind. Das wollen wir pflegen und bewahren. Es gibt da Begriffe, die kann man kaum schreiben, weil´s die Buchstaben und Lautzeichen dafür gar nicht gibt oder nicht genau passen. Wenn ich aufschreibe, wie´s auf der Bühne gesprochen werden soll, dann muss ich ständig die automatische Rechtschreibung wegschalten. Das ist richtig anstrengend. Wenn ich z.B: eintippe: „Gib ma dei Taschn“, macht mir der Computer sofort aus dem „dei“ ein „die“ und rot unterringelt ist sowieso alles. Manche Begriffe markiere ich dann extra, weil ich weiß, sie werden anders ausgesprochen, als sie im Text stehen. Die Zuschauer im „Himmegugga“, egal ob sie hochdeutsch sprechen oder aus Bayern kommen, sind von unserem Dialekt immer besonders begeistert. Man bekommt ihn ja auch kaum noch zu hören und man kann auf jeden Fall vieles besser ausdrücken, auch wenn´s um Religion geht oder im „Himmegugga“ um die Frage, wie Gott anwesend ist.

mk online: Inwiefern gehört denn auch der Glaube zur Heimat und zu Ihnen?
Ringsgwandl: Religion gehört doch auf irgendeine Weise fast zu jedem Menschen. In meinen Stücken ist der Glaube immer da. Die schönste Erfahrung war mein jüngstes Theaterstück „Elias“, in dem ich mich auf den biblischen Propheten beziehe, der Jesus Worte übermittelte. Da werde ich oft von den Leuten gefragt, wenn sie aus dem Theater kommen, was ich vom Glauben und den Jesus-Worten halte.

mk online: Und was halten Sie davon?
Ringsgwandl: Das Beste, was je einer geredet hat.

Der Oberbayerische Kultupreis

Mit dem Oberbayerischen Kulturpreis ehrt der Bezirk jährlich zwei Persönlichkeiten, die sich um das kulturelle Leben in der Region verdient gemacht haben. Der Begriff "Kultur" umfasst hier alle künstlerischen Bereiche wie bildende Kunst, darstellende Kunst, Musik, Film, Literatur, Fotografie, Architektur, Heimatpflege und angewandte Kunst. Der Bezirk Oberbayern verleiht den Preis seit 1980. Der Oberbayerische Kulturpreis 2018 geht an die Theaterleiterin, Autorin, Regisseurin und Schauspielerin Anna Elfriede Ringsgwandl sowie an den Theaterautor und Regisseur Marcus Everding. Er wird am 22. Juli in Kloster Seeon verliehen

Der Autor
Alois Bierl
Radio-Redaktion
a.bierl@st-michaelsbund.de


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