Leonhardifahrten Oberbayern kommt unter die Hufe

04.11.2016

Sankt Leonhard zählt zu den großen Stars am Bayerischen Heiligenhimmel. Sein Namenstag ist der 6. November. Hier finden Sie zehn Fahrten und Ritte, die zu seinen Ehren allein an diesem Wochenende stattfinden.

Fast so wichtig wie Weihnachten und Ostern: Die Leonhardifahrt in Bad Tölz © Imago

München/Deisenhofen – In den oberbayerischen Roßställen ist in den vergangenen Tagen hart gearbeitet worden. Die Pferdehalter haben ihre Tiere gestriegelt und sogar mit dem Dampfstrahler sauber gemacht. Dann haben sie mit viel Geduld Bänder, Buchs und Almrausch in die Mähnen und Schweife geflochten. Die Geschirre sind selbstverständlich auf Hochglanz poliert. Und das alles wegen eines französischen Mönches und Einsiedlers, der wahrscheinlich im 6. Jahrhundert nach Christus im heutigen Frankreich gelebt hat. Der Heilige Leonhard war gut mit den Mächtigen seiner Zeit vernetzt, wie man heute sagen würde. Seinen Einfluss hat er dazu genutzt, Gefangene zu befreien, die sich an ihn um Hilfe gewandt hatten. So ist der Leonhard zur Kette gekommen, mit der er auf Darstellungen immer zu sehen ist. „Wahrscheinlich hat man das Attribut als Viehkette gedeutet und so hat sich der Heilige Leonhard zum großen Viehpatron in Bayern entwickelt“, sagt der Historiker Roland Götz vom Archiv des Erzbistums München und Freising.

Spezialzuständigkeit des heiligen Leonhard

In alten Inventaren seien immer die Pferde der am höchsten bewertete Besitz gewesen. Deshalb mussten sie einem passenden Heiligen anvertraut werden. „Beim heiligen Leonhard hat sich das sozusagen zu einer Spezial-Zuständigkeit entwickelt“, so Götz. Daraus ist ein tief verwurzelter Kult entstanden. Bei vielen Leonhardifahrten und -umritten sind Kapellen oder Kirchen genau drei mal zu umrunden, um Schaden von den Tieren fernzuhalten. Obligatorisch ist auch der Segen eines Priesters. Als ab 1950 Bulldogs und andere Maschinen die Pferde überflüssig machten, gab es Bestrebungen die Traktoren zu segnen, berichtet Götz. Die Leonhardifahrten konnten sie aber nicht verdrängen, auch wenn einige „eine Zeit der Pause erlebt haben“. Doch mit der immer größeren werdenden Sport- und Freizeitpferdehaltung kamen sie seit den 1980er Jahren zurück: „Der Ausdruck des Glaubens mit allen Sinnen und mit Hinweis auf die Schöpfung, spricht heute wieder viele Leute neu an.“

Gänsehaut beim Segen

Florian Schelle aus Deisenhofen hat sich dafür nicht erst wieder begeistern müssen. Ihm gehört ein 80 Jahre alter Truhenwagen, der auch schon genauso lange bei Leonhardifahrten mit dabei ist. Er ist Vorsitzender des Pferdezuchtverbands Oberbayern und die Verehrung des Heiligen gehört bei ihm zur Familientradition. Wenn er seine Rösser zum Training einspannt und mit einem Kutschwagen durch Wald und Wiesen zieht - allein das ist für ihn schon eine kleine Wallfahrt oder ein Gebet: „Da kommt eine Ruhe im Menschen auf, des kann man sich gar nicht vorstellen. Des gibt’s nicht fürs ganze Geld auf der Welt.“ Und bei den Leonhardifahrten geht’s ihm nicht zuerst um das zugegeben schöne Spektakel. Noch wichtiger ist ihm der Segen, das Zeichen, dass Gott mit Mensch und Tier verbunden ist: „Man hat oft so viel Glück und Begleitung im Leben, ohne dass man´s merkt.“ Wenn dann das Weihwasser seinen Trachtenjanker und die Pferdeleiber trifft, bekommt er eine Gänsehaut.

Selbstverständlich ist er bei der größten Leonhardifahrt Deutschlands am Montag mit dabei, wo bis zu 30 000 Zuschauer die Pferde und Wagen bewundern, wenn sie den steilen Kalvarienberg hinaufziehen. Die älteste Leonhardifahrt ist es allerdings nicht. Kreuth bei Tegernsee hat da einen deutlichen Vorsprung. Dort ist der Brauch seit 1422 belegt und der ganze Ort freut sich, wenn er am 6. November zu Ehren des Heiligen wieder unter die Hufe kommt. (Alois Bierl/Willi Witte)

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